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FAANG-Aktien – auf zu neuen Rekorden?

Eine Geschichte nach dem Geschmack der US-Amerikaner: sagenhafte, scheinbar ungebremste Gewinne mit Aktien auf Tech-Unternehmen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. (Bild: fotolia / spiritofamerica)


Einmal mehr purzelten bei Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google, das inzwischen unter Alphabet firmiert, Umsatz-, Gewinn- und Nutzer-Rekorde. Das Wachstumstempo der sogenannten FAANG-Aktien bleibt damit beeindruckend. Und im laufenden Jahr dürften im Zuge von US-Steuerreform und den global blendenden Konjunkturaussichten die Ergebnisse nochmals übertroffen werden. Bleiben die Tech-Aktien auch 2018 das große Renditeversprechen am amerikanischen Aktienmarkt?

Von Oliver Götz

Wohl kaum eine Fünfer-Gruppe dürfte an den Börsen dieser Welt je für so viel positive Aufregung in so kurzer Zeit gesorgt haben wie sie, die berühmten FAANG-Aktien. Gemeinsam kommen sie inzwischen auf eine beinahe unglaubliche Marktkapitalisierung in Höhe von 2,8 Billionen US-Dollar oder 2,27 Billionen Euro. Zum Vergleich: Alle deutschen Dax-Konzerne zusammen kommen mit 1,2 Billionen Euro gerade einmal auf etwas mehr als die Hälfte. Damit einhergehend sind freilich auch die Kursverläufe der Tech-Riesen solche, die investierten Anlegern bislang meist ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern konnten. So sind in den letzten fünf Jahren die Papiere von Apple und Alphabet um 143,5 beziehungsweise 87,9 Prozent gestiegen und waren damit sogar deutlich im Hintertreffen. Die Amazon-Anteile nämlich stiegen um 419,5 Prozent, die von Facebook um 525,8 Prozent und die Netflix-Aktie legte mit einem Anstieg von 865 Prozent sogar nochmal ein gutes Stück Zuwachs oben drauf. Auch auf Jahressicht stehen alle fünf Werte prozentual zum Teil deutlich zweistellig im Plus.

Schrecksekunde auch für die FAANG-Papiere

Im Zuge des in seiner Härte überraschenden Börsenbebens an der Wall-Street, das weltweit Anleger in Scharen dazu verleitete, ihre Positionen aufzulösen, fielen auch die FAANG-Aktien recht ordentlich in die Tiefe. Damit könnten sich nun vergleichsweise günstige Einstiegsgelegenheiten ergeben haben. So fiel beispielsweise die Facebook-Aktie um zwölf Prozent von 195 auf 173 US-Dollar. Dabei hatte Mark Zuckerberg kurz zuvor einmal mehr hervorragende Quartalszahlen präsentiert. So waren Umsatz und Gewinn in den letzten drei Monaten 2017 um 47 und 20 Prozent auf 13 Milliarden beziehungsweise 4,3 Milliarden Dollar gestiegen. JP-Morgan Analyst Douglas Anmuth hob sein Kursziel sogleich von 230 auf 242 Dollar an, erhöhte seine Gewinnprognosen für 2018 und 2019 und empfiehlt die Aktie klar zum Kauf. Einzig die sich abzeichnende Stagnation in Sachen Nutzerwachstum dürfte für ein wenig Verunsicherung gesorgt haben.

Davon war bei Netflix-Aktionären kaum etwas zu spüren, die Aktie hat das Börsenbeben vergleichsweise schadlos überstanden. Auch der Streaming-Krösus überzeugte mit sehr guten Zahlen und ebenso gutem Ausblick. Umsatz und Nettoergebnis stiegen im letzten Quartal 2017 auf 3,3 Milliarden beziehungsweise 185,5 Millionen US-Dollar. Damit kletterten die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent in die Höhe, während sich der Gewinn sogar beinahe verdreifachte. Douglas Anmuth und Heath Terry von den US-Banken JPMorgan und Goldman Sachs hoben ihre Kursziele auf 285 beziehungsweise 315 Dollar an. Netflix-CEO Reed Hastings rechnet auch für 2018 mit stark steigenden Kundenzuwächsen.

Bei Apple dürften die immer kleiner werden. Im vergangenen Quartal sanken die iPhone Absätze um eine Million Geräte. Durch höhere Preise und das Luxus-Smartphone „iPhoneX“ reichte es aber dennoch einmal mehr für einen beeindruckenden Rekordgewinn. Der Konzernumsatz stieg um 13 Prozent auf 88,3 Milliarden Dollar, der Gewinn um zwölf Prozent auf 20,1 Milliarden Dollar. Damit ist Apple weiterhin der profitabelste Tech-Riese. Aufgrund des zwischenzeitlichen Crashs an den Märkten ist das Rekordhoch der Aktie bei 179 Dollar aus dem Januar nun ein Stück weit entfernt. Die Mehrheit der Analysten ist aber optimistisch, dass jenes bald wieder erreicht und sogar übertroffen wird. Dabei könnte dem Apple-Papier auch das mit einem Wert von 16,7 im Vergleich sehr niedrige KGV zu Gute kommen.

Amazon schlägt alle Rekorde

Mit 190,2 ist jenes bei Amazon inzwischen in schwindelerregende Höhen gestiegen. Doch das rasante Umsatzwachstum taugt als starker Gegenpol. Allein im letzten Quartal 2017 stieg der Umsatz um 38 Prozent auf 60,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn durchbrach auch dank einer Gutschrift im Zuge der US-Steuerreform mit 1,9 Milliarden Dollar erstmals die Milliarden-Marke. Mit einem Kursplus von knapp 70 Prozent hat die Amazon-Aktie nach Netflix (plus 79 Prozent) unter den FAANG-Aktien auf Jahressicht am besten performt. Derzeit ist ein Anteilsschein des Internet-Riesen 1.414 Dollar wert. Bei Goldman Sachs steht Bezos mit seinem Großkonzern und einem Kursziel von 1.825 Dollar sogar auf der Conviction Buy List.

Kaufen oder nicht kaufen, das ist auch die Frage in Bezug auf den Anteilsschein von Alphabet, dem Mutterkonzern von Google. Mit einem Minus von elf Prozent innerhalb von zwei Wochen könnte auch hier ein vergleichsweise günstiger Einstiegskurs locken. Die Zahlen schließlich waren gut. Im Schlussquartal 2017 musste CEO Larry Page zwar einen Verlust in Höhe von 3,02 Milliarden Dollar verkünden, der kam aber nur aufgrund von Einmalbelastungen im Zuge der US-Steuerreform zustande. Ohne diese hätte Alphabet mit 6,8 Milliarden Dollar Anlegern einen gewohnt üppigen Gewinn aufgetischt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 23 Prozent auf 31,9 Milliarden Dollar. Die Alphabet-Umsätze hätten seine Erwartungen mit einem beeindruckenden letzten Quartal 2017 übertroffen, schrieb RBC-Capital-Analyst Mark Mahaney und sieht die Aktie zukünftig bei 1.285 Dollar.

Bullische Signale für den Fünferclub

Mit den starken Zahlen im Rücken könnte für die Aktien aller fünf Tech-Konzerne auch das Jahr 2018 wieder zu einem Rekordjahr werden. Die FAANG-Papiere trieben die Veränderung der Wirtschaft durch die Digitalisierung weiterhin voran und profitierten davon überdurchschnittlich, schrieb  Anthony DiClemente von Evercore ISI. Anleger hätten die großen Tech-Konzerne zuletzt zu schnell als teuer abgetan, ohne deren großen Wettbewerbsvorteile und langfristigen Wachstumsaussichten zu sehen, glaubt Portfoliomanager und Columbia Threadneedle-Experte David Dudding. Gewinne und Umsätze könnten im Zuge des weltweiten Wirtschaftswachstums weiter anziehen. Im Rahmen der US-Steuerreform können die Tech-Stars zudem hohe Summen aus dem Ausland zurückholen. Das könnte für weitere Investitionen oder sogar Übernahmen genutzt werden. Auch Dividendenerhöhungen scheinen nicht ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass die FAANG-Konzerne weiterhin mehr oder weniger eine Monopolstellung innehaben. Im Netz setzt sich eben immer nur der Beste durch. Und auch Apple dürfte zumindest im hochpreisigen Smartphone-Segment ein gefühltes Beinahe-Monopol besitzen.

Aber Achtung: Mit Ausnahme von Apple (16,7) stehen die KGVs der Papiere hoch. Amazon und Netflix kommen wie bereits erwähnt auf Werte von 190,2 und 153,6. Aber auch Alphabet und Facebook sind mit Werten von 58,5 und 32,2 schon lange nicht mehr günstig. Da wundert es nicht, dass unter Experten und Analysten auch warnende Stimmen lauter werden und zunehmend Gehör finden. Mit einer aufsehenerregenden Studie hatte 2017 beispielsweise die US-Investmentbank Goldman Sachs vor den hohen Bewertungen im amerikanischen Tech-Sektor und dem möglichen Platzen einer Blase gewarnt. Die hohen KGVs lassen sich wohl nur mit dem hohen Wachstumstempo begründen.

Doch diesem Wachstum könnte nicht zuletzt durch mehr Regulierung in Sachen Steuerzahlungen und Wettbewerbsverzerrung in Zukunft – wenn auch langsam – ein Riegel vorgeschoben werden. Hinzu kommen immer neue Datenschutzregeln. Und die Abschottung des chinesischen Marktes sowie die damit heranwachsende asiatische Konkurrenz dürften zur Herausforderung werden. Die Chancen auf hohe Renditen sind also da. Das Risiko von Korrekturen dürfte aber ebenfalls hoch bleiben. Chancen ohne Risiken, das gab es eben noch nie.

15.02.2018 | 23:17

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