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Novartis-Aktie vor Trendwende?

Gute Aussichten? Novartis-Hauptquartier: mit Ausblick (Bild: Novartis)


Die Aktie des Schweizer Pharmakonzerns Novartis stemmt sich in diesen Tagen gegen den allgemeinen Trend. Am Montag meldete das Unternehmen, dass es für das Biosimilar Rixothon von der Europäischen Union die Zulassung erhalten hat. Rixathon wurde als Mittel gegen Blutkrebs und immunologische Krankheiten wie Arthritis zugelassen. Bis Jahresende soll eine Zulassung in den USA beantragt werden. Derlei Botschaften könnten für Anleger sehr interessant sein.

Von Sebastian Bleser

Die Aktie kam in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 gehörig unter Druck und dümpelt seit Anfang 2016 in einer engen Range. Der Grund war die zunehmende Konkurrenz durch Nachahmer-Produkte, die für einen Rückgang beim Umsatz und Gewinn sorgten. Ab 2018 will der Konzern jedoch wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Im Rahmen einer Investorenkonferenz im Mai stellte Konzern-Chef Joseph Jimenez, für die Zeit von 2017 bis 2020 bis zu 40 Zulassungsanträge in der USA und Europa in Aussicht. Möglicherweise kommt die Aktie nun in Fahrt.

Novartis verfügt über drei Standbeine. Der Pharmabereich steuerte 2016 rund zwei Drittel zum Gesamtumsatz bei. Rund 21 Prozent erwirtschaftete die Tochter Sandoz mit Generikaprodukten und rund 12 Prozent Alcon mit Produkten rund um die Augenheilkunde. Wie der gesamte Pharmasektor hatte auch Novartis in den zurückliegenden Jahren mit dem Auslaufen von Produktpatenten zu kämpfen. Es gab jedoch auch hausgemachte Probleme. So entpuppte sich die Übernahme des Augenmittelherstellers Alcon als weitere Belastung. Jimenez drückte daher bereits 2015 auf die Kostenbremse und strukturierte den Konzern um. Die jüngsten Zahlen signalisieren bereits erste positive Effekte. Ab 2018 soll Novartis wieder kräftig wachsen.

Dabei setzt Jimenez vor allem auf den Pharma- und Generikabereich. Das erst im Jahr 2015 zugelassene Mittel gegen Schuppenflechte Cosentyx generierte bereits 2016 einen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar. Ebenfalls im Jahr 2015 bekam Novartis die Zulassung von Entresto, einem Mittel gegen Herzinsuffizienz. 2016 kamen die Umsätze jedoch erst langsam in Fahrt. Im Frühjahr dieses Jahres bekam Novartis die Zulassung für das Krebsmittel Kisqali. Die Zulassung für weitere vielversprechende Medikamente wie MS-Produktkandidaten BAF312 und das Migräne-Mittel AMG334 könnten in den kommenden zwei Jahren beantragt werden. Einige Medikamente haben die Chance auf ein Blockbuster zu werden.

Mit Rixathon gelang die Zulassung für ein vielversprechendes Biosimilar. Das Orignal von Roche, Rituxan generierte 2016 einen Umsatz von 7,5 Milliarden US-Dollar. Für die Biosimilare Adalimumab und Infliximab zur Behandlung von immunologischen Erkrankungen wurde bei der EU bereits die Zulassung beantragt. Im Generika-Bereich könnte sich somit ebenfalls Wachstumschancen eröffnen. Was mit der Tochter Alcon passiert, wird voraussichtlich erst Ende des Jahres entschieden. Ein großer Teil der Analysten ist nach Angaben von Thomson Reuters mittelfristig optimistisch gestimmt und verweist dabei auf die seit Jahren stetige Dividendenerhöhung, das angekündigte Aktienrückkaufprogramm und die Produktpipeline. Frei von Risiken ist die Aktie jedoch nicht. Schlechte Ergebnisse zu Medikamentenstudien können die Aktie und ein schwacher Gesamtmarkt unter Druck setzen.

Chartausblick Novartis

Widerstandsmarken für die Novartis-Aktien sind bei 82,50 und 90,00 Schweizer Franken, Unterstützungslinien finden sich bei 72,00 und 78,80 Schweizer Franken. Die Aktie von Novartis bildet seit Herbst vergangenen Jahres allmählich einen Aufwärtstrend aus. Inzwischen hat sich das Papier über die langfristige 38,2-Prozent-Retracementlinie bei 78,80  Schweizer Franken geschoben. Damit eröffnet sich weiteres Aufwärtspotential bis in den Bereich des Julihochs vom vergangenen Jahr, das bei 82,50 Schweizer Franken liegt,und im weiteren Verlauf bis 90 Schweizer Franken. Sackt die Aktie hingegen wieder unter 78,80 Schweizer Franken, droht eine Konsolidierung bis 72  Schweizer Franken (50%-Retracementlinie).

Sebastian Bleser ist Director Private Investor Products Germany, Austria & CEE bei der Unicredit Bank AG (HVB).

23.06.2017 | 12:34

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