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Startet die Siemens-Aktie jetzt durch?

Umsatz und Gewinn über den Erwartungen: Siemens (Bild: Siemens AG)


Seit dem Anfang Mai markierten Jahreshoch bei 133,50 Euro hat Siemens in der Spitze 19 Prozent nachgegeben. Nicht gerade wenig für einen Blue Chip. Der Grund dafür könnte in Quartalszahlen liegen, die die Börsianer nicht so recht zugreifen ließen. Doch gerade unter diesem Voraussetzungen könnte Siemens nun wieder Boden gutmachen. Was ist die Voraussetzung?

Die Kursverluste bei Siemens sind auffallend. Sie basieren auch nicht nur darauf, dass das Münchner Industridickschiff seit Sommer letzten Jahres so markant zugelegt hätte, dass größere Gewinnmitnahmen eine logische Konsequenz gewesen wären. Nein, es waren vielmehr die Quartalsergebnisse, die Anfang Mai und zuletzt Anfang August auf den Tisch gelegt wurden, die nicht überzeugen konnten. Jedenfalls nicht so sehr, dass die Käufer bei der Stange geblieben wären. Die Zahlen zum zweiten Kalenderquartal, die am 3. August veröffentlicht wurden, führten zum bislang letzten Abwärtsimpuls innerhalb dieses laufenden Abwärtstrends – aber auch an eine äußerst wichtige Unterstützungszone bei 109,00/110,60 Euro. Nachdem Siemens am vergangenen Freitag bis 108,00 Euro durchgereicht wurde, zog der Kurs wieder an, verließ diese Unterstützungszone und lief schon wieder nahe an den nächstliegenden Widerstand in Form der 20-Tage-Linie heran, die sich bei 113,60 Euro befindet.

Erst, wenn die Siemens Aktie über der momentan bei 122 Euro verlaufenden, übergeordneten Abwärtstrendlinie schließen würde, wäre die Kuh vom Eis und die Long-Seite über kurzfristiges Trading hinaus ein Thema. Dann könnte von einem „Durchstarten“ tatsächlich die Rede sein. Doch das ist noch nicht sicher, denn die entscheidende Zone zwischen 109 und 110,60 Euro im Chart ist nicht außer Reichweite – und die Experten durchaus nicht einhellig optimistisch. Denn während viele Analysten ihre Kursziele für Siemens unter dem Eindruck der jüngsten Quartalsergebnisse nur geringfügig gesenkt haben, sieht die US-Investmentbank Goldman Sachs kein Aufwärtspotential: Dort senkte man das Kursziel von 111 auf jetzt 102 Euro und stuft Siemens mit „Verkaufen“ ein. Damit sind sie aber die Ausnahme.

Gewinn und Umsatz über den Erwartungen

Bei genauer Betrachtung sind die Zahlen so schlecht nicht. Lediglich die Auftragseingänge lagen unter den Erwartungen einiger Marktbeobachter, der Gewinn lag hingegen darüber – und der Umsatz ebenso. Die Schweizer Großbank UBS hat daher die Einstufung für Siemens nach Quartalszahlen auf „Buy“ mit einem Kursziel von 131 Euro belassen. Der Münchener Industriekonzern habe einen schwachen Ausblick für seine Kraftwerkssparte (Power & Gas) gegeben, schrieb Analyst Markus Mittermaier in einer Studie. Der Markt übersehe aber das Erholungspotential im Bereich Process Industries and Drives. Hier rechnet der Analyst mit wieder positivem Umsatzwachstum ab 2018. Auch die Margen dürften anziehen.

Die Privatbank Berenberg hat die Einstufung für Siemens in einer Branchenstudie zum Internet der Dinge (IoT) auf „Buy“ mit einem Kursziel von 140 Euro belassen. Zwar liege der Kontrahent General Electric in diesem Wachstumsmarkt zunächst technologisch vorn, Siemens verfüge jedoch langfristig über Wettbewerbsvorteile, schrieb der Analyst Simon Toennessen. Denn der Münchner Industriekonzern setze schon seit mehr als zehn Jahren auf die Entwicklung benutzernaher Software. Er könne daher technische Anwendungen stärker auf den Kunden zuschneiden. Assets wie diese sind es, die stärker als eine momentane Kennziffer beim Auftragseingang Aufschluss über zukünftige Kursverläufe geben können.

Sollte die Aktie diese im ersten Anlauf verteidigte Unterstützungszone erneut testen und brechen, wäre aus charttechnischer Sicht wieder reichlich Abwärtspotential vorhanden: Der nächste Auffangbereich läge dann erst in der Zone 98,40/99,40 Euro. Finanzen.net empfiehlt angesichts dessen: „Wer mit aggressiven Short-Trades agiert, sollte einen Stoppkurs knapp über der 20-Tage-Linie erwägen, um sich für den Fall eng abzusichern, dass das bullische Lager die Oberhand gewinnt. Aber noch ist Siemens bärisch und würde bei Schlusskursen unter 108 Euro – und damit mit neuen Tiefs im Abwärtstrend – eine Basis bieten, solche Short-Engagements noch einmal aufzustocken.“

17.08.2017 | 22:59

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