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Die Mischung macht’s

Von jeder Sorte.... die Mischung macht's! (Bild: Fotolia / Moonlight31)


Entscheidender Faktor für den Anlageerfolg ist und bleibt eine breite Streuung des Portfolios über unterschiedliche Anlageklassen. Dabei sind Anleihen in jedem Fall ein wichtiger Portfolio-Baustein.

An den Kapitalmärkten hat sich nach der Finanzkrise vieles grundlegend geändert. Maßnahmen der großen Zentralbanken, die zuvor undenkbar schienen, gelten für Anleger längst als „neue Normalität“. Nun fährt US-Zentralbankchefin Janet Yellen die unkonventionelle Politik der Nullzinsen und Anleihekäufe zurück, und auch in Europa wird zunehmend über die Rückkehr zu einer strafferen Geldpolitik nachgedacht. Bis sich eine geldpolitische Wende der Europäischen Zentralbank in Form attraktiverer Zinsen für deutsche Anleger zeigt, wird aber aller Voraussicht nach noch erheblich Zeit vergehen.

„Neue Normalität“ oder doch graduelle Rückkehr zu einer „alten Normalität“; eines hat sich trotz der für viele Anleger misslichen Zinssituation nicht verändert: Anleihen gehören – in unterschiedlicher Gewichtung – in jedes Portfolio. Denn nur eine Streuung über unterschiedliche Vermögenswerte führt zu einem verträglichen Verhältnis von Anlagechancen und -risiken. Dabei reicht es bei weitem nicht aus, auf Aktienseite in eine größere Zahl von Einzeltiteln zu investieren. Entscheidend ist, über unterschiedliche Anlageklassen zu diversifizieren.

Mischung bedeutet vor allem: Aufteilung der Risiken

Je unabhängiger die Chancen und Risiken verschiedener Anlageklassen sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krisenszenario alle Klassen gleichermaßen betrifft. Man spricht dabei von nicht korrelierten Anlageklassen. Zahlreiche Studien belegen, dass die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen, die strategische Asset Allocation, daher überragende Bedeutung für den Anlageerfolg hat. Weder die Einzeltitelauswahl noch der Versuch, die richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkte für bestimmte Märkte zu identifizieren, haben ähnlich großen Einfluss auf das Rendite-Risiko-Profil eines Portfolios.

Ein zentraler Baustein bei der Strukturierung eines Depots sind stets Anleihen. Sie sorgen für Stabilität und können so die mit anderen Anlageklassen verbundenen Risiken begrenzen. Dies gilt auch, wenn sie gerade keine attraktiven Erträge abwerfen. Denn Anleihen bringen neben in puncto Zeitpunkt und Höhe genau planbaren regelmäßigen Zinszahlungen auch den Vorteil einer Rückzahlung des Nennbetrags zum Laufzeitende mit sich – die Zahlungsfähigkeit des Emittenten vorausgesetzt. Kein Wunder also, dass ein Blick auf die Portfolios institutioneller Investoren offenbart: Klassische Anleihen bilden in aller Regel die defensive Basis des Portfolios und sind die Anlageklasse, die mit Abstand die höchste Gewichtung hat.

Privatanleger sollten die vermehrt ausgesprochene Empfehlung, Anleihen im Depot durch ertragreichere Anlagen wie etwa dividendenstarke Aktien zu ersetzen, kritisch hinterfragen. Denn der Verzicht auf Anleihen oder vergleichbare sichere Zinsanlagen führt aufgrund der oben genannten Diversifizierungseffekte in jedem Fall zu einer deutlichen Erhöhung des Risikos. Im ungünstigen Fall sind erhebliche Verluste gerade dann zu beklagen, wenn ein Teil des angelegten Kapitals benötigt wird.

Wie hoch der Anleihen-Anteil im Portfolio sein sollte, hängt naturgemäß von Zeithorizont und Risikobereitschaft des einzelnen Anlegers ab. Eine Faustregel empfiehlt, dass der prozentuale Anteil in etwa dem Alter des Anlegers entsprechen sollte. Neben klassischen Bundeswertpapieren bieten sich aktuell Bankanleihen mit kurzen und mittleren Laufzeiten an. Sie bieten einen vergleichsweise attraktiven Zins. Wie alle klassischen Anleihen werden sie bei Fälligkeit zum Nennbetrag zurückgezahlt. Überschaubare Laufzeiten ermöglichen Anlegern dabei, relativ zeitnah auf ein dann möglicherweise verändertes Zinsumfeld zu reagieren. Je nach persönlichen Vorlieben können Anleger neben Papieren mit klassischer Ausstattung auch Stufenzins-Varianten wählen. Anleger, die höhere Renditen erzielen möchten, können eine Beimischung von Nachranganleihen in Erwägung ziehen. Hier sind Kupons von bis zu vier Prozent bei zehnjähriger Laufzeit möglich.

Jörn Schiemann ist Leiter Privatkunden und Retailprodukte bei der IKB Deutsche Industriebank AG.

09.10.2017 | 11:15

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