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Fünf Tipps: Jetzt britische Aktien kaufen!

Sicher wie die Bank of England: Britische aktien nicht außer Acht lassen! (Bild: Fotolia / ryanking999)


Theresa May hat verloren. Oder etwas wohlwollender formuliert: Sie hat nicht erreicht, was sie wollte. Mit ihr verloren hat das britische Pfund. Und zwar deutlich. Profitieren könnten nun vor allem exportorientierte Unternehmen. So fanden sich Papiere des Verpackungskonzerns Smurfit Kappa bereits kurz nach Bekanntwerden des Wahlausgangs mit einem Plus von 5,03 Prozent an der Spitze des FTSE 100 wieder. Und auch bestimmte Rohstoffwerte sind plötzlich stark im Fokus der Anleger. Die BÖRSE am Sonntag hat fünf Tipps für Sie parat.

Mit ihrem Ausruf von Neuwahlen hat Theresa May hoch gepokert und am Ende hoch verloren. Mays Tories sind zwar weiterhin stärkste Kraft, die sicher geglaubte Mehrheit für ihre Partei im Parlament aber ist weg. Damit steht nicht nur May selbst, sondern ganz Großbritannien vor einem mittelschweren Scherbenhaufen. Erst pro Brexit, jetzt auf einmal eine Art Kehrtwende: Das britische Volk kann sich augenscheinlich nicht recht entscheiden. Und auf einmal scheint alles wieder möglich. Sogar der Exit vom Brexit. Die Märkte blieben hinsichtlich dieses unvorhergesehenen Wahlausgangs überraschend ruhig. Nur das britische Pfund wertete deutlich ab, kontinuierlich geht der Wert nach unten. Derzeit ist ein britisches Pfund zirka 1,28 US-Dollar oder 1,13 Euro wert. Genau das und die neu aufkeimende Hoffnung, dass der Brexit nun doch ein weicher werden könnte, stützen den Finanzmarkt der Insel.

Die Deutsche Bank empfiehlt Anlegern sogar ganz konkret Aktien von  starken, britischen Konzernen mit Weltmarktbezug. Durch ein im Vergleich niedriger bewertetes Pfund, würden Güter jener Konzerne in anderen Währungsräumen billiger und damit wettbewerbsfähiger. Hiervon könne vor allem der britische Leitindex FTSE 100 profitieren, in welchem exportorientierte Unternehmen einen hohen Anteil ausmachten, berichtet Deutschlands größtes Geldhaus. Aufgrund der nun weiter vorherrschenden politischen Unsicherheit sei in absehbarer Zeit auch kaum eine Einengung der expansiven Geldpolitik seitens der Bank of England zu erwarten, womit für britische Unternehmen das wirtschaftsfreundliche geldpolitische Umfeld zunächst erhalten bleiben sollte, schätzt die Bank.

Tipp 1

Für den Mobilfunkkonzern Vodafone hob die Bank das Kursziel von 285 auf 300 Pfund an. Analyst Robert Grindle schrieb in seiner Studie: Die Zielmarke des britischen Mobilfunk-Riesen für den Barmittelzufluss sei höher als seine bereits über der Markterwartung liegende Prognose. Auch Berenberg-Analyst Paul Marsch sieht Mobilfunkriesen innerhalb des insgesamt schwierigen Telekom-Marktes auf der Insel gut aufgestellt. Zuletzt hatte Vodafone mit Milliardenverlusten für Aufsehen gesorgt.

Tipp 2

Angesichts der an den Märkten weltweit äußerst positiv verlaufenen ersten Jahreshälfte und der damit einhergehenden Erwartungen vieler Experten und Analysten, dass sich die nächsten sechs Monate weitaus schwankungsanfälliger präsentieren könnten, dürfte gerade auch ein traditionell schwankungsresistenter Verbrauchsgüterkonzern wie Unilever eine gute Wahl sein.

Tipp 3

Einer der Gewinner könnte zudem der irische Hersteller von Verpackungen, die Smurfit Kappa Group, sein. Die Aktie des Großkonzerns mit Sitz in Dublin legte nicht nur am Tag der May-Schlappe um über fünf Prozent zu, das Papier konnte seine Gewinne in der Folge sogar noch ausweiten. Insgesamt kletterte der Kurs innerhalb der letzten Tage um 8,9 Prozent von 2.167 Pfund auf 2.360 Pfund.

Die Rohstoffe und ihre Förderer im Fokus

Papiere von Rohstoff- und Minenkonzernen gehören seit jeher zu den Titeln, die als besonders schwankungsanfällig gelten, also eine hohe Volatilität aufweisen. Fällt das britische Pfund in den nächsten Wochen noch weiter oder erholt sich zumindest nicht spürbar, scheinen diese Titel aber gerade jetzt interessant. Auch und vor allem für den risikobewussten Anleger, der bevorzugt short geht oder sogar Tages- und Wochengewinne abräumen möchte.

Tipp 4

Speziell bieten konjunktursensible Minenwerte wie BHP Billiton, Rio Tinto, Fresnillo und Randgold Ressources für den mutigen Anleger eine interessante Anlagechance. Letztere konnten nach Bekanntwerden des Wahlausgangs sogleich vier und drei Prozent an Wertzuwachs verbuchen. Auch für den australisch-britischen Rohstoffkonzern BHP Billiton, der zu den drei größten Bergbauunternehmen der Welt zählt, ging es um knapp zwei Prozent nach oben. Die Aktie von Rio Tinto legte um 1,5 Prozent zu, hat ihre Gewinne inzwischen aber bereits wieder eingebüßt.

RBC Capital sieht das Rio Tinto-Kursziel bei 4.400 Pfund. In seiner bereits im Mai veröffentlichten Studie schrieb Analyst Tyler Broda: Die Papiere von Rio Tinto seien so günstig zu haben wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. Und der Markt schätze das Eisenerzgeschäft mittelfristig viel zu pessimistisch ein. Seitdem hat die Aktie an Boden gut gemacht, stieg von ihrem Mai-Tief bei 2.910 Pfund um gute zehn Prozent auf derzeit 3.212 Pfund. Es scheint aber noch Luft nach oben zu sein.

Tipp 5

Die beiden Rohöl-Konzerne Shell und BP sind vor allem deshalb interessant, da sie global wirtschaften und in Dollar bilanzieren. Ihre Aktien aber notieren in britischem Pfund an der Börse in London. Damit sind sie weitestgehend unabhängig von möglichen Brexit-Folgen. Und ein schwaches Pfund beeinträchtigt sie ebenfalls nicht. Im Gegenteil: Da ihre Anteilsscheine im FTSE 100 in Pfund gelistet sind, werden sie für ausländische Investoren günstiger. Das Gleiche gilt auch noch für weitere in Großbritanniens wichtigstem Börsenindex notierten Unternehmen. Unter anderem für den Brauerei-Riesen SABMiller.

Sozusagen in Richtung Süden, betrachtet man deren Chartbild, könnte es dagegen für die Geldhäuser Lloyds und die Royal Bank of Scotland gehen. Angesichts der anstehenden und von Unsicherheit geprägten Brexit-Verhandlungen scheinen britische Bank-Aktien derzeit nicht die beste Wahl zu sein. Zu unklar ist, was auf die Branche im Zusammenhang mit dem EU-Austritt zukommt. Ähnlich sieht es bei den britischen Fluggesellschaften aus. Und wer sein Geld in Versicherungen, Banken, ganz allgemein Finanzinstitute, oder Airlines investieren will, der macht das besser erst einmal woanders. Vielleicht in den USA, vielleicht hierzulande.

Fazit

Eines sollten Anleger derzeit auf keinen Fall tun: Den FTSE im Zuge der Brexit-Verhandlungen bei den aktuellen Anlageentscheidungen ignorieren. Für viele in ihm gelistete Konzerne spielt der Heimatmarkt keine übergeordnete Rolle. Gerade die Aktien jener exportorientierten und weltweit tätigen Konzerne dürfen nicht außer Acht gelassen werden. OG

17.06.2017 | 21:16

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