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Technologie und Zukunft: US-Aktien im Fokus

Begehrter als Porsche? (Bild: Tesla)

Staunen über den neuen Hype: Apple-Chef Tim Cook (Bild: Apple)


Der Elektroautobauer Tesla ist aktuell mehr wert als der US-Traditionskonzern Ford, obwohl der Hersteller im Vergleich winzig ist. Doch es geht an der Börse nicht darum, wer die solidesten Autos schlagzeilenfrei baut – es geht um Visionen. Mit seinen ehrgeizigen Wachstumsziele tritt Mr. Tesla, Elon Musk, dabei in die Fußtapfen von Steve Jobs. Und Apple ist auch die nächste Aktie, von der Erstaunliches zu berichten ist.

Die Aktien des Tesla gewannen aktuell 5,7 Prozent an der Wall Street, womit der Börsenwert des erst 2003 gegründeten Elektroautobauers nun bei einem Allzeithoch von 47,6 Milliarden US-Dollar liegt. Der Elektroauto-Pionier nimmt mit Quartalsrekorden bei Produktion und Auslieferung seiner Luxus-Fahrzeuge Kurs auf den für 2017 geplanten Einstieg in den Massenmarkt.

Ford-Aktien gaben dagegen 2,5 Prozent ab. Der US-Absatz des Autobauers war im März um sieben Prozent gefallen. Damit ist das 1903 gegründete Traditionsunternehmen aktuell 2,7 Milliarden Dollar weniger wert als der Elektroauto-Aufsteiger. Und, obwohl der exakt 100 Jahre jüngere Autostromer im vergangenen Jahr weniger als 80.000 Fahrzeuge weltweit auslieferte – ein winziges Volumen, verglichen mit den 6,7 Millionen Fahrzeugen, die im letzten Jahr bei Ford von den taditionseichen Fließbändern liefen. Ford ist hinter General Motors immer noch zweitgrößter Autohersteller der USA.

Grund für den jüngsten Kurssprung von Tesla dürfte nach Angaben des Handelsblattes sein, dass die Firma mit der jetzt gemeldeten Auslieferung von 25.000 Fahrzeugen im ersten Quartal die Schätzungen von Analysten deutlich übertroffen hat. „Ich weiß nicht, ob die Leute Elektroautos wollen. Aber sie wollen Tesla“, sagte Ben Kallo, Analyst beim Finanzdienstleister Robert W. Baird & Co. „Leute, die normalerweise einen Porsche kaufen würden, kaufen jetzt Tesla.“ Und alles beruht auf Visionen, was aus Tesla werden könnte, denn der Musk-Konzern machte in den letzten fünf Jahren einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar. Ford konnte dagegen einen Reingewinn von über 26 Milliarden Dollar in den vergangenen fünf Jahren und im vergangenen Jahr einen Umsatz 151,8 Milliarden US-Dollar vermelden. Tesla setzte dagegen sieben Milliarden Dollar um. Wenn Tesla an der Börse mehr Wert ist als Ford, zeigt das die Kraft der Visionen für die Börsianer.

Die Erwartungen rund um den angebissenen Apfel

Um Apple entsteht ein neuer Hype, wie Christof Kerkmann im Handelsblatt mitteilt. Das lasse sich auch am Aktienkurs ablesen, der in den vergangenen Wochen mehrfach neue Allzeitrekorde aufgestellt habe. Aktuell notiert das Apple-Papier etwas über 143 Dollar. Nach Einschätzung von Analysten hat die Aktie auch Potential für einen weiteren Aufschwung. Dabei ist Apple seit dem Jahresanfang knapp 25 Prozent gelaufen, seit dem Sommer bereits mehr als 50 Prozent.

Die Euphorie der Anleger hat dabei zum einen mit der Hardware zu tun. So verkaufte sich das iPhone 7 besser als erwartet. Im Weihnachtsgeschäft 2016 setzte der Konzern mehr als 78 Millionen Geräte zu einem durchschnittlichen Preis von fast 700 Dollar ab. Das war kein Rückschritt im Vergleicht zum Vorjahr, und genau der war erwartet worden. Und zur Erleichterung über ausgbliebene Rücksetzer kommen nun Erwartungen, die ähnlich wie bei Tesla gerade ungebremst durch die Decke gehen.

Mit einem Blick auf das Display soll das iPhone 8 entsperrt werden können – das Gerät soll also vielleicht an seiner Iris den Besitzer erkennen. Über einen Bildschirm mit randlosem Design und gebogenen Kanten wird spekuliert, eine kabellose Ladefunktion soll kommen, ein größerer Akku scheint sicher, und die aus dem Spiel Pokemon Go bekannte Zukunftstechnologie Augmented Reality soll auch dabeisein. Das sind alles Stoffe, aus denen Börsenträume sind. sig

03.04.2017 | 22:38

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