Spread-Trading
In dieser Ausgabe wollen wir uns einem solchen Thema annähern. Es baut auf der Idee auf, die ungewollte Entwicklung einer Position abzusichern. Aus dem Englischen ist hierfür der Begriff 'Hedging' üblich. Wer nun an Hedgefonds denkt, der liegt jedoch falsch. Diese Anlageprodukte suggerieren zwar Sicherheit, haben in der jüngsten Vergangenheit jedoch gezeigt, dass sie trotzdem kein Schutz vor Verlusten sind.
Doch zurück zum Hedging: Wie kann man sich effektiv vor Verlusten schützen, wenn es in die falsche Richtung geht? Vielen kommt sicher sofort ein Gedanke – Stop-Loss. Auf nichts wird in der Literatur so herumgeritten wie auf der Notwendigkeit, Verluste zu begrenzen, indem man einen Trade schließt. Zu viele haben schon ihr gesamtes Konto verloren, während sie wie gebannt auf die Wende gewartet haben, die nie kam. Doch mit dem Schließen eines Verlust-Trades stellt sich genau das ein, was man vermeiden will. Man erleidet einen Verlust. Und eine Reihe solcher Verluste kann die gleiche Wirkung haben wie das Aussitzen. Am Schluss ist der Schaden groß.
Irgendwie scheinen die Profis in den Investment-Banken die Dinge anders anzugehen. Denn dass bei der Deutschen Bank oder Goldman Sachs routinemäßig größere Verluste durch Stop-Loss entstehen, ist angesichts der Rekordgewinne, welche die Banken dieses Jahr wieder bilanziert haben, zumindest unwahrscheinlich. Profis sichern sich ab, indem sie immer mit dem Schlimmsten rechnen. Die Frage muss also lauten: „Wie kann ich Geld verdienen, wenn meine Position ins Minus rutscht?" Die Antwort liegt nicht in der Position selbst. Das Geld muss aus einer anderen Quelle stammen. Dafür gibt es die Möglichkeit, eine zweite Position einzugehen, die in diesem Fall im Plus ist. Dafür werden meistens Derivate wie Optionsscheine benutzt. Doch die haben einen Zeitwertverlust und sind schwierig zu berechnen.
Aktien-Spreads
Warum also in die Ferne schweifen? Sehen wir uns einen einfachen Fall mit der Aktie von Apple an (AAPL). Die Aktie hat eine bewegte Vergangenheit und wurde von vielen als einer der aussichtsreichsten Technologiewerte gehandelt. Doch sollte man deswegen auf Apple setzen? Oder wäre es an der Zeit, mit einem Short auf das Ende des Hypes zu warten? Im Vergleich mit dem NASDAQ-Index (rote Linie), in dem die Aktie gelistet ist, hat Apple teilweise besser abgeschnitten – und dann wieder schlechter. Ein Blick auf den Chart zeigt, dass die Richtung der beiden zwar nicht unbedingt vorhersagbar gewesen wäre, wohl aber der Wechsel der Seiten. Mal lag Apple über dem NASDAQ-Kurs, dann wieder umgekehrt. Um sich im Falle eines Apple-Shorts gegen einen steigenden Markt zu schützen, hätte man also in eine entsprechende Menge von NASDAQ-CFDs investieren können. Nun ist es nicht mehr wichtig, ob Apple steigt oder fällt, sondern ob Apple im Vergleich zum NASDAQ steigt oder fällt. Ein wichtiger Hinweis am Rande: Die Werte müssen für den Vergleich entsprechend angepasst werden. Mit 230 US-Dollar liegt Apple natürlich immer unterhalb der 1.925 Punkte des NASDAQ.
Index-Spreads
Ähnliches lässt sich mit Indizes anstellen. NASDAQ und der EURO STOXX 50 sind hier allerdings ein schlechtes Paar. Wir suchen Werte, die eine enge Verwandtschaft verbindet. Hier bieten sich der S&P 500 und der Dow Jones Industrial Average an, denn alle Aktien des Dow Jones sind im S&P 500 enthalten. Ein Blick auf den entsprechenden Chart zeigt, dass sich beide Indizes ähnlich entwickeln. Doch hin und wieder entstehen Lücken. Dabei liegt der Dow Jones (rote Linie) mal über und mal unter dem Kurs des S&P 500. Das lässt sich ausnutzen. Liegt der Dow Jones höher, verkauft man eine entsprechende Menge an CFDs short, während man den gleichen Wert in S&P 500-CFDs kauft. Das Verhältnis ist derzeit etwa 9,25. Das heißt, man kauft etwa neun CFDs für den S&P 500 und verkauft nur ein CFD für den Dow Jones. Bewegt sich der Markt nun auf und ab, passiert im Portfolio nichts. Denn das Geld, das die Long-Position verdient, verliert die Short-Position zur selben Zeit. Bewegen sich die Linien jedoch aufeinander zu, so gewinnt eine Seite mehr als die andere verliert.
Rohstoff-Spreads
Den Ursprung hat das Spread-Trading wahrscheinlich in den Rohstoffmärkten. Hier gibt es oft enge Verwandtschaften von Produkten, die durch ihre Produktion voneinander anhängig sind. Ein Beispiel ist Rohöl und Heizöl. Beide bewegen sich fast immer parallel, jedoch nur fast. Auch hier zeigt der Chart ein Auseinanderdriften gerade zum aktuellen Zeitpunkt. Hier ließe sich ein lohnender Spread-Trade starten. Auch Rohöl und Sojaöl sind gute Kandidaten, seit aus Soja Biodiesel gewonnen wird. Noch enger verwandt sind Sojaöl und Tierfutter aus Sojaresten, genannt 'Soy Meal'. Denn durch Pressen der Bohnen wird Sojamilch und Sojaöl gewonnen. Der Rest ist Abfall und wird verfüttert. Wie viel Öl auf den Markt kommt, wird also automatisch durch die Menge von 'Soy Meal' bestimmt und umgekehrt. Der entsprechende Chart zeigt, dass sich derzeit auch hier eine gute Trading-Chance ergibt, denn der Spread ist weit geöffnet.
Kalender-Spreads
Eine andere Art des Spread-Tradings mit CFDs nutzt die Laufzeit verschiedener Rohstoff-Futures. Es ist nachvollziehbar, dass der Ölfuture, der nächsten Monat abläuft, sensibler auf aktuelle Ereignisse reagiert als der Future vom Dezember. Hintergrund ist, dass sich Raffinerien mit Öl zeitnah eindecken. Bricht nun eine Pipeline in einer Ölregion, so steigt der Preis vorübergehend. Doch das Rohr ist sicherlich innerhalb weniger Wochen geflickt. So entsteht eine Preisdifferenz zwischen dem aktuellen Öl-Future und dem vom Jahresende. Wir haben spaßeshalber den Kurs der zwei Futures über den Chart des Dow Jones Industrial Average gelegt und eine interessante Beobachtung gemacht. Während sich auch beim Öl ein Spread ergibt, den Profis traden, läuft der Preisanstieg des Öls ebenfalls parallel mit dem Aktienmarkt. Doch es gibt manchmal Unterschiede, die sich als Spread nutzen lassen, wie man im letzten Herbst sieht. Auch zu Jahresbeginn hatte das Öl noch einmal einen Sprung gemacht, den die Aktien jedoch nicht nachvollzogen. Ergebnis war ein Preiseinbruch.
Unterstützung durch CFD-Broker
Derzeit bieten CFD-Broker keine Spread-Funktionalität an. Vor allem in der Chartsoftware ist es daher schwer, einen Spread zu visualisieren. Man muss sich hierbei anders behelfen. Außerdem bieten nicht alle Broker CFDs auf entfernte Futures an, weil sie zum Beispiel Öl-CFDs am Monatsende einfach weiterführen. In diesem Fall lassen sich keine Kalender-Spreads aufbauen.
Fazit:
Durch die Idee des Hedgings lassen sich Positionen absichern und Verluste vermeiden. Ein Stop-Loss ist bei einem Spread nicht erforderlich bzw. gar nicht möglich. Spread-Trading setzt nicht auf die eigentliche Kursentwicklung, sondern ausschließlich auf die Verschiebung eines Verhältnisses zweier Positionen zueinander. Um ein willkürliches Auseinanderdriften zu vermeiden, sollten dabei nur Positionen verwendet werden, die auch tatsächlich voneinander abhängig sind. Der Unterschied im Preis der beiden Seiten muss dabei entsprechend berechnet und durch Positionsgrößen kompensiert werden.
| Aktien-Spreads: Beispiel Apple und NASDAQ | ||
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| Index-Spreads: Beispiel S&P 500 und Dow Jones | ||
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| Rohstoff-Spreads: Beispiel Rohöl und Heizöl | ||
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| Rohstoff-Spreads: Beispiel Sojaöl und Soymeal | ||
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| Kalender Spreads: Beispiel: Öl-Futures und Dow Jones | ||
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