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Sonntag 13. Juni 2010

Indikatorkombinationen

In der Trading-Welt gehen die Meinungen darüber auseinander, wie sich mit Charts am erfolgreichsten Geld verdienen lässt. Während eine Gruppe auf die reine Kursbewegung schwört ("Price Action"), verwendet die Mehrheit mathematische Indikatoren, die vom Preis durch teils komplizierte Berechnungen abgeleitet sind. So entstehen Zusatzkurven, die die Entscheidung zum Ein- oder Ausstieg erleichtern sollen.

 

Einer der weniger bekannten Indikatoren ist der DSS. Sein Kürzel steht für 'Double Smoothed Stochastics' und wurde von Walter Bressert entwickelt. Eine ähnliche Kurve ergibt sich jedoch auch bei einem Indikator von William Blau, der auf dem gleichen Prinzip beruht. Trading-Signale ergeben sich, wenn sich der Indikator in seinen Extrembereichen bewegt. Diese liegen für Long-Signale unter 20 und für Short-Signale über 80.

 

Fehlsignale beim DSS

Anhand des Stunden-Charts für EUR/USD zeigt sich der schwingende Charakter dieses Indikators, der immer dann verlässliche Ergebnisse liefert, wenn auch die Preiskurve zu Schwingungen neigt. Synchronisiert man durch geschickte Parameterwahl das Auf und Ab des Preises mit dem Indikator, so lässt sich vorhersagen, wann das nächste Extrem erreicht ist. Soviel zur Theorie. In der Praxis lässt sich gerade bei Währungen beobachten, dass Schwingungen oftmals abrupt beendet werden. In diesem Fall ist der DSS kein verlässlicher Indikator. Auch eine Seitwärtsbewegung oder einen Trend ohne erkennbare Schwingung verträgt er schlecht. Hier liefert er Fehlsignale. In unserem Chart-Beispiel sieht man die Einstiegssignale, die durch Pfeilchen dargestellt werden. Drei Signale waren jedoch nicht erfolgreich, wie sich im Nachhinein herausstellte.

 

Trotzdem handelt es sich beim DSS um einen brauchbaren Indikator. Er sollte jedoch gefiltert werden, um die Fehlsignale zu eliminieren. Hier kommen andere Indikatoren zum Zug, die diese Aufgabe übernehmen können. Wir stellen deswegen heute eine Kombination aus DSS, Stochastik und RSI vor. Diese Indikatoren sollen nur Beispiele sein. Sie können selbst entscheiden, welche Indikatoren für Sie am leichtesten zu interpretieren sind. Als Objekt unserer Untersuchungen verwenden wir jedoch nicht EUR/USD. Der Grund hierfür liegt in der Zufälligkeit, mit der sich dieses Paar bewegt. Gerade weil dieses Paar sich so großer Beliebtheit erfreut, ist es ein Spielfeld für Anfänger und automatisierte Systeme. Dies sorgt für einen hohen Rauschanteil in niedrigen Zeithorizonten, der den Einsatz von Indikatoren erschwert.

 

Indikatorkombination bei USD/CHF

Als wesentlich schwingungsfreundlicher hat sich in letzter Zeit das Verhältnis zwischen US-Dollar und Schweizer Franken erwiesen. Wirft man einen Blick auf den 4-Stunden-Chart (oder 240-Minuten-Chart), so wird dies sofort deutlich. Der 4-Stunden-Chart wird seit Jahren von professionellen Tradern im Forex-Bereich verwendet. Der höhere Zeithorizont hilft dabei, das Rauschen in der Preiskurve zu reduzieren. Gleichzeitig gibt der angezeigte Zeitraum jedoch einen Überblick über das allgemeine Marktgeschehen, und man läuft nicht Gefahr, durch die Betrachtung kleinster Veränderungen den Blick für die größeren Bewegungen zu verlieren. So lassen sich hier Schwingungen besonders gut erkennen.

 

Wie bereits erwähnt, zeigt der DSS Einstiege durch seine Extremwerte an. Auch bei den anderen beiden Indikatoren lässt sich auf diese Weise auf gute Handelszeitpunkte schließen. Der RSI ist eigentlich ein Vertreter aus der Familie der Momentum-Indikatoren. Nimmt die Preiskurve nach oben Fahrt auf, so steigt der RSI. Sinkt sie dagegen, so sinkt auch der RSI. Das führt noch nicht automatisch zu Schwingungen. Historisch lässt sich jedoch beobachten, dass Märkte mit genügend vielen Teilnehmern und Transaktionen zu einem Schwingungsverhalten neigen. Steigt der Preis eine Weile an, so steigen die ersten Spekulanten aus und nehmen Gewinne mit. Dies führt zu einem niedrigeren Preis, durch den weitere Anleger dazu verleitet werden, schnell auszusteigen. So dreht der Kurs nach unten, bis sich wieder genügend viele Trader finden, die das Preisniveau als günstig empfinden. Dieses Auf und Ab zeigt sich dann auch im RSI. Er hat seine Extrembereiche bei 30 bzw. 70. Spitzen in diesen Bereichen deuten auf eine Wende hin.

 

Dritter Indikator in der Runde ist der Stochastik-Indikator. Auch er misst die Bewegungsrichtung. Eigentlich ist er mit dem DSS verwandt, wie schon der Name suggeriert. Der DSS verwendet einen Stochastik-Indikator und glättet diesen noch einmal. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kurven auch etwa gleichzeitig steigen und fallen. Doch der Stochastik-Indikator besitzt wie der RSI die Möglichkeit, bei anhaltendem Trend in seinem Extrembereich zu verbleiben, während der DSS ständig schwingt.

 

Drei Kurven

Alle drei zusammen ergeben die Kurven, die im 4-Stunden-Chart unten eingezeichnet sind. Rot ist dabei der RSI, orange der Stochastik-Indikator und blau der DSS. Sieht man sich nun die Zeitpunkte an, zu denen alle drei in ihrem Extrembereich lagen, so stellt man fest, dass zu diesen Zeiten oft sehr gute Einstiegspunkte existierten. Der DSS verbringt dabei längere Zeit im Extrem als die anderen, da er noch einmal geglättet und dadurch träger ist. Der RSI ist ein guter Frühindikator. So lässt sich eine Regel wie folgt aufstellen:

Liegt im Kurs eine Abwärtsbewegung vor und hat der RSI einen Bereich unter 30 berührt oder durchlaufen, so besteht ein Kaufsignal, wenn auch DSS und Stochastik in ihren Extrembereichen liegen und dort nach oben drehen. Umgekehrt gilt es für Short-Signale: War der RSI über 70 und drehen Stochastik und DSS im Extrembereich nach unten, so ist es Zeit für den Verkauf bzw. Short-Selling. Dieses System lässt sich nun auf alle Charts anwenden, in denen schwingende Bewegungen vorliegen. Wer es selbst versuchen möchte, sollte die Werte der Indikatoren variieren, um die höchste Trefferquote zu finden.

 

Wechsel des Zeithorizonts

Verbessern oder zumindest bestätigen lassen sich die Ergebnisse, wenn man den Zeithorizont wechselt. Sieht man sich den Stundenchart zu den Zeiten an, zu denen die Handelssignale eingezeichnet sind, so stellt man fest, dass häufig auch dort mit denselben Indikatoren Einstiege angezeigt werden. Dies sollte Mut machen, denn je deutlicher sich Chancen in verschiedenen Zeithorizonten präsentieren, desto sicherer kann man sein, dass viele andere Trader ebenfalls zu diesem Zeitpunkt einsteigen. So wird aus der Chance Realität.

 

Doch es gibt auch Zeithorizonte, bei denen das System versagt. Sieht man sich zum Beispiel einen Tageschart an, so bewegen sich die Indikatoren zwar hin und wieder mit dem Kurs, doch ebenso häufig kommt es zu Fehlsignalen. Problematisch sind ebenfalls 1-Minuten- und 5-Minuten-Charts. Hier können verschiedene Gründe eine Rolle spielen: Entweder die Indikatoren sind so stark dejustiert, dass sie ihre Aussagekraft verlieren, oder es liegen keine messbaren Schwingungen vor. Es gilt daher durch historische Charts zu prüfen, ob es überhaupt sinnvoll ist, diese Methode zu verwenden.

 

Fazit:

Wer nach einer Möglichkeit sucht, indikatorbasiert Handelssignale zu generieren, der ist gut beraten, mehrere Indikatoren zu kombinieren. Mit RSI, Stochastik und DSS lässt sich ein System aufbauen, das die Unzulänglichkeiten jedes einzelnen Indikators ausgleicht und so zu sichereren Handelssignalen führt. Da dieses System jedoch Wendepunkte identifiziert, ist man auf Zeithorizonte angewiesen, in denen Schwingungen vorhanden sind.


Beispiel EUR/USD Stundenchart
Beispiel USD/CHF 4-Stunden-Chart
Beispiel USD/CHF Stundenchart
Beispiel USD/CHF Tageschart



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