1-2-3-Einstieg
1-2-3-Einstieg
Es mag kaum überraschen, dass nicht alle um das Seelenheil und die Gewinnmarge ihrer Interessenten besorgt sind, sondern vielmehr vor allem ihren eigenen Gewinn im Kopf haben. Seit der Finanzkrise ist die bunte Welt der Börsengurus um eine Gruppe reicher geworden: die der „Wir haben es euch ja schon immer gesagt"-Gurus. Schon etwas älter ist dagegen der Versuch, Trendeinstiege immer wieder neu zu verpacken und gewinnbringend in Newslettern und Schulungen zu verkaufen. Dabei sind diese wahrscheinlich die älteste Methode, um an der Börse Geld zu verdienen.
In der letzten Ausgabe hatten wir bereits eine Variante für einen Einstieg in einen Trend gezeigt. Damals handelte es sich um den Heiligen Gral. Die heute vorgestellte Methode ist ähnlich in ihrem Versuch, einen Trend möglichst früh zu erkennen und profitabel auszunutzen. Der Einstieg erfolgt dabei etwas anders. Um im Jargon der Gurus zu bleiben: Der Einstieg in den erfolgreichen Trend ist so einfach wie 1-2-3.
Beispiel S&P 500
Da diese Methode sowohl in Tages- als auch Stunden- und Minutencharts funktioniert, gibt es eine unendliche Zahl von möglichen Beispielen. Unser erstes Beispiel zeigt den Tageschart des S&P 500. Er zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Ärgerlich, wenn man den verpasst hat. Hinterher ist es immer leicht, im Chart einen Trend zu entdecken. Doch am Anfang sieht der Wendepunkt wie eine weitere Welle im Abwärtstrend aus. Diesen Punkt nennen wir Punkt 1. Zum Wendepunkt wird dieser erst, wenn der Kurs über ihn hinaussteigt. Damit ist der Abwärtstrend, der durch niedrigere Hoch- und Tiefpunkte definiert ist, gebrochen. Der Punkt, bis zu dem der Kurs nun läuft, ist Punkt 2. An diesem Punkt beginnt eine Korrektur. Natürlich könnte der Kurs erneut fallen, bis er Punkt 1 unterschreitet. In diesem Fall brauchen wir nichts mehr zu tun, denn unser Setup entsteht dann nicht.
Fällt der Kurs jedoch nicht bis zu Punkt 1 zurück, sondern dreht vorher wieder nach oben, so haben wir nun Punkt 3. Dass dies der richtige Punkt ist, erkennen wir daran, dass der Kurs von ihm aus weiter nach oben steigt. Steigt der Kurs über Punkt 2, so wollen wir einsteigen. Beim Aufwärtstrend geschieht dies durch einen Kauf. Es bleibt dabei dem persönlichen Geschmack und der Tradingsituation überlassen, ob davor eine Stop-Buy-Order benutzt wird, oder ob man einfach den Mausknopf drückt. Bei Tagesscharts dürfte wohl eher der automatische Einstieg infrage kommen, denn wer will schon tagelang vor dem Bildschirm warten? Andererseits ist bei Minutencharts das Platzieren einer Stop-Order möglicherweise zu zeitaufwändig. Dann ist man mit einem direkten Kauf schneller, wenn der Kurs Punkt 2 erreicht hat.
Im Chart des S&P 500 sind die drei Punkte eingezeichnet. Doch es soll nicht unerwähnt bleiben, dass nicht alle Setups tatsächlich auch Gewinn bringen. Natürlich gibt es auch Einstiege, die daneben gehen. Für diesen Fall muss man gerüstet sein. Sprechen wir also über das Risiko. Eine der eisernen Trading-Regeln aller erfolgreichen Trader besagt, dass man mehr Gewinn machen sollte als Verlust. Das muss man nicht lange erklären. Wir setzen daher das Gewinn/Verlust-Verhältnis mit zwei zu eins an. Damit kann jeder zweite Versuch in die Hose gehen, ohne dass wir Geld verlieren. Setzt man den Stop-Loss bei Punkt 3, so ergibt sich eine Spanne, die im Chart mit dem Wort 'Risiko' markiert ist. Das Doppelte dieser Spanne ist die Entfernung, in der wir den Ausstieg planen. Hier kann eine Limit-Sell-Order gesetzt werden, mit der wir verkaufen. Von nun an läuft alles automatisch. Entweder verdient der Trade sein Geld, oder er wird ausgestoppt.
Short-Trade
Genau gespiegelt läuft der 1-2-3-Trade bei einem Short ab. Hierzu haben wir diesmal einen Stundenchart des S&P 500 verwendet. Doch natürlich funktioniert es auch mit jedem anderen Chart, der einen Trend darstellt. Punkt 1 markiert dieses Mal den Wendepunkt nach unten, also die Spitze im Chart. An Punkt 2 dreht der Kurs erneut nach oben, hat aber nicht die Kraft, wieder bis auf das Niveau von Punkt 1 zu steigen. An Punkt 3 beginnt schließlich erneut ein Abwärtsbewegung, die den Kurs schließlich unter das Niveau von Punkt 2 drückt. Hier ist der Einstieg. Das Risiko scheint hier größer. Jeder muss selbst entscheiden, welches maximale Risiko er für erträglich hält. Liegt das Ziel des Trades zu weit entfernt, besteht die Gefahr, dass es nicht erreicht wird. Auch wenn es im vorliegenden Beispiel zunächst so aussah, als würde der S&P 500 in eine Seitwärtsbewegung einschwenken, so fiel er schließlich doch nach unten durch und erreichte den von uns anvisierten Rückkaufspunkt bei ca. 1.092.
5-Minuten-Chart
Das letzte Beispiel ist abermals vom S&P 500, dieses Mal jedoch mit 5-Minuten-Kerzen. Kleine Trends finden mehrmals am Tag statt und eignen sich daher sowohl in Aktien als auch in Indizes oder Rohstoffen gut für diese Methode. Allerdings sind die Spreads und Preise von Aktien- und Rohstoff-CFDs bei vielen Brokern unattraktiv, um mehrmals täglich ein- und auszusteigen. Wir bleiben daher bei den Indizes.
In unserem Beispielchart sind dieses Mal mehrere Punkte markiert. Es soll zeigen, dass schon einzelne Kerzen eine Wende darstellen können. Vom Tief bei Punkt 1 zum roten Punkt 2 ist nur eine Kerze zu sehen. Der rote Punkt 3 entsteht dann nach zwei weiteren Kerzen, bevor der Einstieg wieder nach nur einer Kerze erfolgt. Wer dies nicht als Einstieg erkennen will oder diesen einfach verschlafen hat, der kann als Alternative die blauen Ziffern ansehen. Punkt 1 ist wieder der Wendepunkt ganz unten. Punkt 2 liegt nun jedoch höher an der Spitze einer negativen Kerze, die an ihrem Boden bereits Punkt 3 hat. Dass dies die richtige Position für Punkt 3 ist, wird nicht ersichtlich, solange nicht weitere Kerzen wieder nach oben zeigen. Doch letztlich steigt der Kurs wieder zu Punkt 2 und löst damit einen Kauf aus. Das Risiko wäre in beiden Fällen akzeptabel und das Ziel in erreichbarer Entfernung, auch wenn wir es dieses Mal nicht explizit eingezeichnet haben.
Fazit:
Mit der 1-2-3-Methode lassen sich sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen erfolgreiche Trades platzieren, mit denen man Geld verdienen kann. Die Methode funktioniert sowohl in allen gängigen Underlyings als auch in allen Zeithorizonten. Für den Fall eines Verlustes ist es wichtig, einen Stop-Loss zu setzen. Das Ziel des Trades ist eine Limit-Order, mit der Gewinn gemacht wird. Diese sollte weiter entfernt sein als der Abstand zwischen Einstieg und Stop-Loss.
| S&P 500 Tageschart: Beispiel 1 | ||
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| S&P 500 Tageschart: Beispiel 2 | ||
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| S&P 500 Tageschart: Beispiel 3 | ||
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| S&P 500 Stundenchart: Beispiel 1 | ||
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| S&P 500 Stundenchart: Beispiel 2 | ||
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| Beispiel S&P 500 5-Minuten-Chart | ||
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