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Endlich Gewinne – Twitter-Aktie hebt ab

Endlich Gewinne! Wall Street jubelt! (Bild: Shutterstock)


Erstmals in der Geschichte und damit zwölf Jahre nach seiner Gründung zwitschern bei dem Kurznachrichtendienst Twitter die Gewinne. Anleger und Aktionäre jubeln, an der Börse schießt der Aktienkurs um fast 30 Prozent in die Höhe. Die neue Strategie von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey scheint aufzugehen. Doch sind die schwarzen Zahlen auch nachhaltig?

In einer von Kursstürzen und Crash-Angst geprägten Börsenwoche war es wohl eine der ganz wenigen positiven Nachrichten am Finanzmarkt. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat es nach über zwölf Jahren endlich geschafft einen Quartalsgewinn vorzulegen. Und zwar einen in Höhe von 91 Millionen Dollar. Das entspricht 18 Cent pro Aktie. Im Vorjahresquartal mussten die Kalifornier noch einen Verlust in Höhe von 167 Millionen Dollar ausweisen. Der Umsatz stieg erstmals seit einem Jahr wieder leicht um zwei Prozent auf 732 Millionen Dollar. Vor allem die Werbeerlöse legten kräftig zu. Allein im Vergleich zu Quartal drei von 503 auf 644 Millionen Dollar.
Twitter-Chef Jack Dorsey legte zuletzt viel Wert auf eine steigende Anzahl von Werbevideos. In Zukunft will er das Netzwerk vermehrt darüber finanzieren. Als Vorbild dient das System von Facebook und Instagram, die Kunden die Möglichkeit bieten für variierende Beträge Werbung direkt auf bestimmte Nutzer in bestimmten Regionen mit bestimmten Interessen zuzuschneiden. Zudem hat Dorsey mit der Anhebung der Zeichenzahl für einen Tweet von 140 auf 280 Zeichen und der Möglichkeit auch Kurzvideos zu posten, für eine bessere Nutzbarkeit des Nachrichtendienstes gesorgt.

Die schwarzen Zahlen übertrafen nicht nur deutlich die Erwartungen von Analysten, sie überraschten auch Anleger und Investoren. So stieg der Kurs des Twitter-Papiers nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse zeitweise um fast 30 Prozent. Innerhalb kürzester Zeit kletterte so die Marktkapitalisierung des Tech-Unternehmens um sechs Milliarden Dollar in die Höhe. Mit einem derzeitigen Kurs von umgerechnet 25,54 Euro steht über die letzten zwölf Monate ein Plus von 40 Prozent zu Buche. Seit Oktober 2015 stand die Aktie nicht mehr so hoch.

Von seinem Rekordhoch bei etwas über 50 Euro aus dem Dezember 2013 und somit kurz nach dem Börsengang ist der Anteilsschein aber noch immer weit entfernt. Und ob ein solcher Kurs überhaupt je wieder erreicht werden kann, erscheint trotz der guten Quartalszahlen fraglich. Denn: Twitter wächst nicht mehr. Das Umsatzwachstum in Höhe von zwei Prozent entspricht eher einer Stagnation, vor allem wenn man es mit den 47 Prozent von Facebook vergleicht, die zudem schon zuvor auf viel höherem Niveau unterwegs waren. Auch die Nutzerzahlen steigen nicht. Seit März 2017 stagniert die Zahl bei 330 Millionen. In den USA ging sie im vergangenen Quartal sogar leicht zurück. Und dort macht Twitter mit 342 Millionen Dollar immerhin mehr als die Hälfte seines Umsatzes.

Der ausgewiesene Gewinn des Kurznachrichtendienstes liegt also mehr an Einsparungen und klügerem Kostenmanagement, als an durch höhere Nachfrage steigenden Erlösen. Womöglich seien viele Anleger nun übertrieben optimistisch, warnte ein Händler. Die Zeit der roten Zahlen könnte zudem nur punktuell vorüber sein. Analysten rechnen für 2018 mit nur leichten Umsatzsteigerungen und netto wieder mit Verlusten. 2019 rechnen sie mit 65 Millionen Dollar Gewinn, allerdings auf Jahressicht. Bei dem derzeitigen Kurs von 25,45 Euro käme die Aktie so auf ein KGV von 300.

Nach dem kräftigen Kursschub unter der Woche muss da erst einmal nach weiterem Aufwärtspotenzial gesucht werden. Vor allem da Kurzvideos, Statusmeldungen und vieles mehr auch auf Facebook und Instagram möglich sind. Und die haben bereits jetzt deutlich mehr Nutzer, wachsen zudem immer weiter, haben viel mehr finanzielle Mittel für Zukäufe übrig. Schnell stellt sich da eine viel größere Frage, als die nach Umsatz- und Gewinnzahlen sowie steigenden Börsenkursen. Nämlich die, wie lange Twitter bei so starker Konkurrenz überhaupt noch zwitschern kann. OG

09.02.2018 | 15:11

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