boerse am sonntag - headline

Strategisch den Markt schlagen – mit europäischen ETFs

(Bild: Fotolia / vege)


Ursprünglich waren ETFs dazu gedacht, kostengünstig gängige Aktien-Indizes abzubilden, nicht mehr und nicht weniger. Anleger wollen Kosten für Fondsmanager sparen, denen es oft nicht gelungen ist, den Markt zu schlagen. Mittlerweile werden allerdings auch ganze Anlagestrategien in ETFs verpackt. Das ist beispielsweise beim AMUNDI Europe Equity Multi Smart Allocation Scientific Beta UCITS ETF (WKN:A2ACPV) der Fall. Ziel ist es, Anlegern einen Mehrwert, in diesem Fall eine höhere Rendite, gegenüber den üblichen Indizes mit Marktkapitalisierungsgewichtung zu generieren.

Von Christian Bayer

Momentan gehören die Alternative Beta- bzw. Smart Beta-ETFs zu den wachstumsstärksten Segmenten der Indexfonds-Branche. Dabei handelt es sich um eine Abbildung von Indizes, die nach anderen Kriterien („Faktoren“) zusammengestellt werden als die herkömmlichen Indizes, die die Marktkapitalisierung der Aktien berücksichtigen. Diese Faktoren können beispielsweise eine geringe Volatilität oder hohe Dividenden berücksichtigen. Allerdings haben auch diese Zusammensetzungen ihre Tücken. Ein Beispiel: Vor der Finanzkrise gehörten europäische Banken zu den attraktiven Dividendentiteln. Die Branchenkonzentration führte dann als Folge der Krise allerdings zu überdurchschnittlichen Verlusten in den Dividenden-Indizes. Zudem wurden die Ausschüttungen gestrichen. Mit Faktor-ETFs stehen Anleger daher nicht in jeder Marktphase auf der Gewinner-Seite. So hinkten auch Value-ETFs längere Zeit dem breiten Markt hinterher. Also bleibt die Frage offen, wann welcher Faktor-ETF am besten genutzt wird.

Europa-ETF

Der Amundi-ETF soll Anlegern helfen, die Fallen eines einseitigen Faktor-Investierens zu vermeiden. In dem Strategieindex, der dem Produkt zugrunde liegt, werden unterschiedliche Faktoren kombiniert. Dabei handelt es sich um die Faktoren Value, Momentum, Marktkapitalisierung des Unternehmens und niedrige Volatilität. Hinzu kommt eine spezielle Diversifikationsstrategie, die für eine optimale Streuung der Titel sorgt. Amundi greift bei der Index-Kalkulation auf einen erfahrenen Smart Beta-Experten zurück, das EDHEC Risk Institute (ERI).

Der Index, den der ETF abbildet, beinhaltet Aktien mit mittlerer und hoher Marktkapitalisierung aus den europäischen Industrieländern. Im Index entfallen mit Stand vom 30. Juni knapp 25 Prozent auf Großbritannien. Zu den größten Index-Positionen zählen beispielsweise die in London gelisteten Aktien des Kreuzfahrtschiff-Konzerns Carnival und des Spezialversicherers Hiscox. Der Index ist über 549 Titel gestreut, so dass die Gewichtung der am stärksten vertretenen Titel gerade bei 0,6 Prozent liegt. Unter den einzelnen Sektoren sind Finanztitel mit knapp 23 Prozent am stärksten vertreten, gefolgt von Industrieunternehmen mit 19 Prozent.

Fazit

ETFs, die verschiedene Faktoren bündeln, sind ohne Zweifel erklärungsbedürftig. Messen sollte man sie am Mehrwert und an den Kosten. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,40 Prozent p.a. liegt der AMUNDI Europe Equity Multi Smart Allocation Scientific Beta deutlich unterhalb der Kosten aktiv gemanagter Fonds. Seit Auflegung im Januar 2016 konnten Anleger 22 Prozent erzielen. Vergleicht man den Strategie-ETF mit der Wertentwicklung eines Produkts, der den breiten europäischen Markt abbildet, wie der Amundi STOXX Europe 600 (WKN: A0X9R1), hat der Strategieindex auf Sicht von einem Jahr mit 17,7 Prozent gegenüber dem STOXX Europe 600 mit 15,0 Prozent die Nase vorne.

05.08.2017 | 14:16

Artikel teilen: