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Nachfrage nach Gold-Papieren steigt sprunghaft

Eigentlich war er nie aus der Mode: der gute alte Goldbarren. Und als Basis für Fondswerte und ETF taugt er auch. (Bild: Degussa)


Die Anleger kehren wieder an den Goldmarkt zurück. Nachdem im November und Dezember massiv Kapital vom Goldmarkt abgezogen wurde, wird seit Jahresbeginn 2017 wieder in großem Umfang in Gold investiert. Die verschiedenen geopolitischen Risiken beunruhigen dabei nicht nur die politischen Führungskräfte. Auch die Anleger sind besorgt. Der Goldmarkt könnte bald weitere Zuflüsse verzeichnen.

„Nachdem die Anleger im November und Dezember aufgrund der gestiegenen Risikobereitschaft massiv Kapital vom Goldmarkt abgezogen hatten, investieren sie seit Jahresbeginn 2017 wieder in großem Umfang in Gold“, sagt Sascha Specketer, Managing Director bei Source ETF und verantwortlich für die DACH-Region.  „Die verschiedenen geopolitischen Risiken beunruhigen nicht nur die politischen Führungskräfte. Auch die Anleger sind besorgt. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass der Goldmarkt weitere Zuflüsse verzeichnen wird.“

Specketer geht davon aus, dass diese Verunsicherung auch in den kommenden Monaten anhalten und zu einer erhöhten Nachfrage nach Gold führen wird.  „Im Fokus der Märkte standen im letzten Jahr zum einen die hohen Marktschwankungen und zum anderen der Schock durch den Brexit und die große Unsicherheit im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen. Solche Unwägbarkeiten bestehen auch in diesem Jahr – jetzt vor allem in Bezug auf Italien und Frankreich. Außerdem stehen in Deutschland die Bundestagswahlen bevor. Auch verläuft die Konjunkturerholung in den USA nicht so stark wie zunächst angenommen. US-Aktien sind inzwischen recht ambitioniert bewertet, und es bestehen verschiedene geopolitische Risiken etwa in Bezug auf Nordkorea, China, Russland oder hinsichtlich protektionistischer Bestrebungen.“

Ein Blick auf die Zuflüsse in den Source Physical Gold ETC verdeutlicht die gestiegene Nachfrage nach Gold. Seit Anfang 2017 haben die Anleger mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar in den Source Physical Gold ETC investiert. Seit Anfang 2016 betragen die Mittelzuflüsse sogar über zwei Milliarden US-Dollar. „Wir sind davon überzeugt, dass der Kapitalzufluss in den Goldmarkt anhalten wird“, betont Specketer.

Trumps Außenpolitik treibt den Goldpreis

Es ist nicht zuviel gesagt, wenn den Finanzmärkten aufgrund geopolitischer Risiken eine Verunsicherung konstatiert wid. Daher hat den Goldpreis kurz vor Ostern den höchsten Stand seit fünf Monaten erreicht. Der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) lag bei knapp 1275 US-Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit dem 11. November 2016.

Wie die dpa ergänzte, erklärten Händler den Preisanstieg mit einer schlechten Stimmung an den US-Aktienmärkten aufgrund einer Zuspitzung im Atomstreit zwischen den USA und Nordkorea und der Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung. Hinzu komme die gefährliche Lage im Syrien-Konflikt und damit verbunden eine verschärfte Konfrontation zwischen Russland und den Vereinigten Staaten. Gold ist bei vielen Anleger als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten beliebt.

Dollar-Spekulation als Gold-Treiber

Die historischen Entwicklungen des Dollars und der Zinsen sind äußerst bemerkenswert und beeinflussen den Goldpreis maßgeblich, wie die Wiesbadener SOLIT-Gruppe analysiert. Yellen und Co hätten es geschafft, die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen seit Mitte 2016 kräftig nach oben zu reden dabei tendierten diese seit Mitte Dezember 2016 mit rund 2,5 Prozent weitgehend seitwärts. Die starke Nachfrage nach US-Anleihen, die
deutlich höhere Zinsen abwerfen, sei seitens der Euro-Zone oder Japan äußerst hoch. In einem Umfeld kräftig gestiegener Zinsen müsse der Dollar eigentlich deutlich steigen. Dies sei jedoch nicht der Fall. Vielmehr könnte der Greenback nach unten ausbrechen. Ein schwächerer Dollar spricht, das darf hinzugesetzt werden, für eine Flucht in den sicheren Hafen des Edelmetalls. Schwächelt jedoch der Dollar weiterhin, stützt dies den Goldpreis deutlich.

Einen Anstieg des Dollars wird US-Präsident Donald Trump wohl kaum zulassen. Ein starker Dollar würde die Aussichten für die US-Exportwirtschaft und damit für die Wirtschaft insgesamt eintrüben. Deutlicher als noch vor einem halben Jahr sollte der Fokus von Anlegern auf eine Beimischung von Derivaten, die auf dem Goldpreis basieren, gelegt werden. Auch Gold in physischer Form darf, das soll nicht unerwähnt bleiben, durchaus dabei sein.

18.04.2017 | 01:01

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