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BB Biotech meldet erfreuliche Zahlen

(Bild: Fotolia / Sergey Nivens)


Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft setzt auf kleine und mittelgroß kapitalisierte Biotech-Unternehmen. Für das 1. Quartal 2017 verzeichnet sie einen Reingewinn von 375 Millionen Schweizer Franken.

 

In einem insgesamt freundlichen Börsenumfeld stieg der Aktienkurs von BB Biotech in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 7 7 Prozent in Schweizer Franken und 7,1 Prozent in Euro. Der Gesundheitsmarkt präsentierte sich in guter Verfassung. Impulse kamen vor allem aus den USA, wo die Abstimmung zur Abschaffung und dem Ersatz von „Obamacare“ vorderhand zurückgewiesen wurde. Im Einklang mit der Strategie, in vielversprechende Small- und Mid-Caps zu investieren, baute BB Biotech eine Position in Five Prime Therapeutics auf.

Gewinnmitnahmen bei den Kerninvestments Incyte, Celgene und Actelion setzten neue Barmittel frei, welche zur Aufstockung zahlreicher Mid-Cap-Beteiligungen verwendet wurden. An der Generalversammlung vom 16. März 2017 bestätigte der Verwaltungsrat die aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik bestehend aus einer fünfprozentigen Dividendenrendite sowie Aktienrückkaufprogrammen. Die Preisgestaltung von Medikamenten bleibt eines der zentralen Diskussionsthemen des US-Gesundheitssystems im 2017. Die Chancen stehen hingegen gut, dass die Produktzulassungen im Vergleich zum Vorjahr höher ausfallen werden.

Die Diskussionen um die Gesundheitsagenda zwischen Weißem Haus und Kongress prägten im ersten Quartal 2017 erneut die Gesundheitsmärkte. Erste Entwürfe zur Abschaffung und dem Ersatz von „Obamacare“ wurden zurückgewiesen, nachdem sie auch nach intensiven Verhandlungen im Kongress nicht die erforderliche Zustimmung erhalten hatten. Auch politische Äußerungen beziehungsweise Tweets und die damit verbundene kurzfristige Volatilität bremsten den insgesamt positiven Aufwärtstrend an den breiten Gesundheitsmärkten nicht aus. So beendete der MSCI World Healthcare Index das erste Quartal mit einem Plus von 8,7 Prozent in US-Dollar. Übertroffen wurde diese Performance durch den Nasdaq Biotech Index, der während desselben Zeitraums um 10,8 Prozent in US-DOLLAR zulegte.

BB Biotechs Performance im ersten Quartal 2017

Für die ersten drei Monate des laufenden Jahres verzeichnete BB Biotech eine Gesamtrendite von 7,7 Prozent in Schweizer Franken und 7,1 Prozent in Euro. Das Portfolio schloss das Quartal mit einer positiven Rendite von 12.5 Prozent in Schweizer Franken, 12,4 Prozent in Euro und 14,4 Prozent in US-Dollar. Der daraus resultierende Reingewinn belief sich auf 375 Millionen nach einem Verlust von 1,2 Milliarden Schweizer Franken in derselben Vorjahresperiode. Ein negativer Währungseffekt infolge der Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken schlug im ersten Quartal mit einem Minus von 1,9 Prozent zu Buche.

Die Berechnungen der Gesamtrendite für BB Biotech schließen die Dividende von 2,75 Schweizer Franken pro Aktie mit ein, die vom Verwaltungsrat von BB Biotech vorgeschlagen und an der diesjährigen Generalversammlung vom 16. März 2017 durch die Aktionäre genehmigt wurde. Der Verwaltungsrat bestätigte die Fortsetzung der 2013 eingeführten Ausschüttungspolitik, die eine Rendite von 5 Prozent auf den gewichteten Durchschnittskurs der Aktie von BB Biotech im Dezember des jeweiligen Geschäftsjahres berücksichtigt.

Das im April 2016 gestartete elfte Aktienrückkaufprogramm wird fortgeführt. Es erlaubt BB Biotech den Rückkauf von höchstens zehn Prozent ihrer ausstehenden Aktien über eine maximale Dauer von drei Jahren. Mit Blick auf die weitere Auflösung der Differenz zwischen Innerem Wert und Aktienkurs hat BB Biotech im ersten Quartal 2017 keine eigenen Aktien über die zweite Handelslinie erworben, die sie seit April 2016 nicht mehr in Anspruch genommen hat.

Bestehende Portfoliopositionen wurden vor dem Hintergrund volatiler und aufwärtstendierender Biotech-Aktienmärkte sorgfältig angepasst. Die durch weitere Gewinnmitnahmen bei den Kerninvestments Incyte, Celgene und Actelion generierten Barmittel wurden zur Aufstockung der Positionen in Novo Nordisk, Ionis Pharmaceuticals und zahlreichen Mid-Cap-Beteiligungen verwendet.

BB Biotech setzte ihre Strategie fort, in vielversprechende Small- und Mid-Caps zu investieren, und ergänzte ihr Portfolio im ersten Quartal 2017 mit Five Prime Therapeutics. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco entwickelt den Leitwirkstoff FPA008, einen Anti-CSF1R-Antikörper (Makrophagen-Kolonie-Stimulierungsfaktor), der die Bindung der Liganden CSF1 und IL34 verhindert. Es finden klinische Versuche mit Krebspatienten zu FPA008 statt, sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Opdivo, dem PD1-Antikörper von Bristol-Myers Squibb. Zudem laufen Versuche, die den Einsatz des Wirkstoffs bei pigmentierter villonodulärer Synovialitis (PVNS) testen, ein durch Makrophagen begünstigter Tumor. Bei PVNS weisen Makrophagen hohe CSF1-Werte im Gelenk auf und locken Zellen mit CSF1-Rezeptoren an. Das hat die Akkumulation nicht-neoplastischer Zellen zur Folge, die einen Tumor bilden. Ergebnisse der Phase-II-Studie werden 2017 erwartet.

Incyte (+33,3 Prozent in US-Dollar im ersten Quartal 2017), die größte Position im Portfolio von BB Biotech per Ende März 2017, meldete weitere Fortschritte des klinischen Entwicklungsprogramms für seinen IDO1-Hemmer Epacadostat. Die Ankündigung weiterer zulassungsrelevanter Studien, die Epacadostat in Kombination mit Mercks Keytruda und Bristol-Myers Squibbs Opdivo untersuchen, machen Epacadostat zum tonangebenden Wirkstoff für den kombinierten Einsatz mit bereits zugelassenen marktführenden PD1-Antikörpern. Phase-II-Daten werden im Juni auf der ASCO-Konferenz 2017 präsentiert.

Ionis (-16,0 Prozent in US-Dollar) gab Ergebnisse seiner Phase-III-Studie zu Volanesorsen beim familiären Chylomikronämie-Syndrom (FCS) bekannt. Der primäre Endpunkt - die Reduktion des Triglyceridspiegels - wurde erreicht. So gelang Volanesorsen eine Reduktion von 77 Prozent gegenüber einem Anstieg von 18 Prozent im Kontrollarm. Das Anlegerinteresse galt allerdings dem Sicherheitsprofil des Wirkstoffs, also dem Auftreten von Thrombozytopenie (niedrige Blutplättchenanzahl) und Reaktionen an der Einstichstelle, was die Aktie von Ionis deutlich korrigieren liess. Erfreulicherweise gab es nach der Implementierung eines Überwachungsprogramms weder weitere schwere Fälle von Thrombozytopenie noch Studienausscheider während des abschließenden sechsmonatigen Verlaufs der Studie. Ionis plant die Einreichung der US-Zulassungsunterlagen im dritten Quartal 2017.

Ende Januar verkündete Johnson & Johnson die 30 Milliarden US-Dollar schwere Akquisition von Actelion (+28,0 Prozent in Schweizer Franken), die einem Übernahmepreis je Actelion-Aktie von 280 US-Dollar entspricht. BB Biotech wird auf Grundlage der Position, die sie zum Ende des ersten Quartals 2017 in Actelion hielt, nach dem für das zweite Quartal erwarteten Abschluss der Transaktion einen Erlös von rund 270 Millionen US-Dollar verbuchen. Darüber hinaus erhält BB Biotech ungefähr eine Million Idorsia-Aktien. Idorsia ist die von Actelion abgespaltene Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft. Zum Ende der Angebotsfrist am 30. März 2017 waren insgesamt 73,3 Prozent der ausstehenden Actelion-Aktien angedient worden. Ausserdem stimmten die Actelion-Aktionäre der Gründung des neuen Unternehmens Idorsia zu. Die Transaktion verläuft planmässig und dürfte im zweiten Quartal 2017 abgeschlossen werden.

Vertex (+48,4 Prozent in US-Dollar) veröffentlichte positive Daten von zwei Phase-III-Studien zur Kombinationstherapie aus VX-661 und Kalydeco bei Mukoviszidose-Patienten. Die Ergebnisse zeigten gegenüber Orkambi eine geringfügig bessere Wirkung und signifikant verbesserte Verträglichkeit bei Patienten mit F508del-Mutation auf beiden Allelen (homozygote Patienten). Bei Patienten mit Restfunktion des CFTR-Gens zeigten sich ein starker klinischer Nutzen und eine gute Verträglichkeit. Im Falle ihrer Zulassung dürfte die Kombinationstherapie aus VX-661 und Kalydeco sich einerseits für Patienten mit Restfunktion eignen und andererseits dazu beitragen, einen Teil der Patienten zu gewinnen, die Orkambi abgesetzt haben. Die mit viel Spannung erwarteten Studienergebnisse mehrerer Dreifachtherapien dürften in der zweiten Jahreshälfte 2017 veröffentlicht werden.

Kite (+75 Prozent in US-Dollar) präsentierte positive Top-Line-Ergebnisse seiner zulassungsrelevanten Studie für KTE-019 bei Patienten mit relapsiertem oder refraktorischem diffus grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL). Die Daten zeigen eine Gesamtansprechrate (ORR) von 82 Prozent und ein vollständiges Ansprechen (CR) von 49 Prozent, wobei letzteres in dieser schwer zu behandelnden Population im sechsten Monat 31 Prozent betrug. Die mediane Überlebenszeit war nach 8,7 Monaten Follow-up noch nicht erreicht. Diese Daten heben sich deutlich positiv von historischen Kontrolldaten ab, die ein CR von 8 Prozent und eine mediane Überlebenszeit von 6.6 Monaten aufweisen. Die FDA-Zulassung des Wirkstoffs wird Ende 2017 erwartet.

Esperion (+182 Prozent in US-Dollar) profitierte erstens von Amgens positiven Outcome-Daten zu dessen PCSK9-Antikörper (Repatha) bei kardiovaskulären Erkrankungen (CV), die nochmals bestätigten, dass das Senken der Cholesterinwerte zur weiteren Reduktion des niedrigeren CV-Risikos führen, und zweitens der FDA-Billigung seines klinischen Zulassungsprogramms.

Ausblick

Die Gesundheitsdebatte in den USA wird anhalten. Da eine rasche Einigung eher unwahrscheinlich erscheint, dürfte der Fokus eher dem Zugang zur medizinischen Versorgung als den Gesundheitskosten gelten. Die Preisgestaltung dürfte zwar weiterhin ein beliebtes Thema in den Tweets des Präsidenten sein, mit fundierteren Initiativen wird hingegen hinsichtlich wertorientierter Ansätze gerechnet. All dies könnte das Medieninteresse wieder wecken und die Anlegerstimmung erneut belasten, aber die damit verbundenen Risiken scheinen bereits seit einiger Zeit in die Aktienmärkte eingepreist.

Im Unterschied zur laufenden politischen Debatte um Arzneimittelpreise und deren staatlicher Finanzierung spürt die Branche seit Jahren stetig steigenden Druck bei der Preisgestaltung und beim Zugang zu Medikamenten seitens der Arzneimittelberater (PBM) und den privaten Krankenversicherungen. Dank dem über Jahre entwickelten und bewährten Selektionsprozess ist BB Biotech zuversichtlich für ihre Portfolio-Unternehmen. Diese stellen Arzneimittel gegen Krankheiten mit hohem medizinischem Bedarf her und richten sich dabei zunehmend an einer pharmaökonomisch getriebenen Preispolitik aus.

Im weiteren Jahresverlauf wird neben zahlreichen Resultaten klinischer Versuche eine Steigerung der Produktzulassungen gegenüber dem Vorjahr erwartet. Auch M&A-Aktivitäten dürften sich auf kurze Sicht positiv auf die Performance des Biotech-Sektors auswirken. Da die Übernahme Actelions durch Johnson & Johnson dem Portfolio von BB Biotech im zweiten Quartal beachtliche Verkaufserlöse generieren wird, sind gezielte Aufstockungen bestehender unterbewerteter Beteiligungen durchaus denkbar. Ausserdem wird BB Biotech ihr Portfolio wie gehabt um vielversprechende neue Small- und Mid-Caps ergänzen.

22.04.2017 | 00:23

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