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BB Biotech: solide Zahlen

(Bild: Fotolia / Sergey Nivens)


BB Biotech schliesst das dritte Quartal mit einer zweistelligen Performance in Schweizer Franken ab. Produktzulassungen und solide Unternehmenszahlen im dritten Quartal 2017 verleihen dem Biotech-Sektor weiteren Schwung.

Es sind gleich einige Faktoren, die dem Sektor und BB Biotech zu einem erfreulichen Quartalsergebnis verholfen haben. Während sich die Unsicherheiten um Preiskontrollen in den USA etwas gelegt haben, melden Biotech-Unternehmen solide Quartalszahlen und neue Produktzulassungen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde hat in diesem Jahr schon mehr Medikamente zugelassen als im gesamten Vorjahr. Mit dem Kauf von Kite Pharma durch Gilead erfolgte eine weitere Übernahme. Sollte sich die geplante US-Steuerreform durchsetzen, dürfte sich eine Beschleunigung an M&A-Aktivitäten abzeichnen.

Im dritten Quartal legte die Aktie von BB Biotech um 10,7 Prozent in Schweizer Franken, 6,4 Prozent in Euro und 9,6 Prozent in US-Dollar zu. In den ersten neun Monaten 2017 weist BB Biotech eine Gesamtrendite von 24,2 Prozent in Schweizer Franken, 15,7 Prozent in Euro und 30,8 Prozent in US-Dollar aus. Der Reingewinn für das dritte Quartal beläuft sich auf 365 Millionen Schweizer Franken, für das laufende Jahr sind es 843 Millionen Schweizer Franken. Zum Vergleich: im jeweiligen Vorjahreszeitraum standen ein Gewinn von 392 Millionen Schweizer Franken beziehungsweise ein Verlust von 778 Millionen Schweizer Franken zu Buche.

Die US-Aktienmärkte legten im dritten Quartal dank solider Unternehmensergebnisse und eines weiterhin günstigen Zinsumfeldes rund fünf Prozent zu, Europäische Aktien avancierten um rund drei Prozent. Gesundheitstitel schlossen fester – darunter auch der Nasdaq Biotechnology Index mit einem Plus von 7,7 Prozent. Im dritten Quartal stieg BB Biotechs Aktienkurs um 10,7 Prozent in Schweizer Franken, 6,4 Prozent in Euro und 9,6 Prozent in US-Dollar. Den Kursanstiegen standen Währungsschwankungen gegenüber. Im dritten Quartal büsste der US-Dollar auf den Euro weitere 3,4 Prozent ein, während er gegenüber dem Schweizer Franken um 1,1 Prozent aufwertete. Damit hat der US-Dollar seit Jahresanfang 12,3 Prozent auf den Euro und glatt fünf Prozent gegenüber dem Schweizer Franken an Wert verloren.

Positives Umfeld

BB Biotech erwartet für die Biotech-Branche angesichts der starken Fundamentaldaten anhaltende Mittelzuflüsse. Aufgrund der Unsicherheiten im US-Präsidentschaftswahlkampf und etwaiger Preiskontrollen im US-Arzneimittelmarkt waren viele Anleger 2016 im Biotech-Sektor untergewichtet. Aber wie bereits mehrfach erwähnt, erwartet BB Biotech nur schrittweise Veränderungen im US-Gesundheitswesen - die Abschaffung des Affordable Care Act wurde wiederholt verschoben und alle Seiten sind um einen umsichtigen Umgang mit dem Thema Preisgestaltung von Medikamenten bemüht. Wie auch andere Unternehmen zeigte sich BB Biotech durch die Ernennung von Dr. Scott Gottlieb zum Leiter der US-Arzneimittelbehörde (FDA) ermutigt. Der jüngst bekannt gegebene Rücktritt des Gesundheitsministers Tom Price, Gottliebs Vorgesetzter, ändert nichts an BB Biotechs positiver Einschätzung des Biotech-Sektors. Die FDA hat im laufenden Jahr bereits mehr Präparate als im gesamten Vorjahr zugelassen.

Die erfreuliche Performance des Biotech-Sektors im dritten Quartal wurde durch mehrere Faktoren begünstigt: So legten umsatzstarke Unternehmen solide Zahlen für das zweite Quartal 2017 vor, ausserdem erhielten zahlreiche Medikamente ihre behördliche Zulassung und schliesslich meldeten Firmen Erfolge bei einer Vielzahl potenziell wertvoller Produktkandidaten in der klinischen Pipeline. Noch bedeutsamer für den langfristigen Ausblick dürfte jedoch die Tatsache sein, dass die Branche beachtliche Durchbrüche bei neuen Behandlungsansätzen bekannt gegeben hat, darunter Fortschritte bei RNA-basierten Wirkstoffen, innovativen Gentherapien, zellbasierten Verfahren und neuartigen Antikörperformaten. Am Horizont zeichnen sich weitere spannende Technologien ab, die über transformatives Innovationspotenzial verfügen, wie etwa die CRISPR/Cas-Technologie zur Genom-Editierung und weitere neuartige RNA-basierte Therapien jenseits von Antisense-Mechanismen und RNA-Interferenz.

Fusions- und Übernahmetrends

Die Fusions- und Übernahmeaktivitäten im Biotech-Sektor hielten sich im laufenden Jahr bisher in Grenzen. Gileads Bekanntgabe seiner zwölf Milliarden US-Dollar schweren Kite-Übernahme stellte daher für Investoren eine angenehme Überraschung dar. Weitere Akquisitionen könnten folgen - nicht nur durch Gilead, das bereits entsprechende Absichten geäussert hat, möglicherweise gestärkt durch die positive Marktreaktion auf besagte Transaktion. Mit Blick auf die beachtlichen Fortschritte innerhalb des Sektors und die geplante Steuerreform in den USA, die möglicherweise günstige Bestimmungen für die Repatriierung von im Ausland erwirtschafteten Gewinnen umfasst, ist mit einem wachsenden Interesse von grösseren Pharmaunternehmen an Übernahmen zu rechnen und einem voraussichtlichen Anstieg der M&A-Aktivitäten zu Beginn des nächsten Jahres.

BB Biotech weist für die ersten neun Monate 2017 eine Gesamtrendite von 24,2 Prozent in Schweizer Franken, 15,7 Prozent in Euro und 30,8 Prozent in US-Dollar aus. Der Innere Wert stieg während dieses Zeitraums um 28,8 Prozent in Schweizer Franken, 20,2 Prozent in Euro und 35,6 Prozent in US-Dollar und lag damit deutlich über der Gesamtrendite des NBI von 26,5 Prozent in US-Dollar. Die Berechnungen der Gesamtrendite und des NAV von BB Biotech schließen die Dividende von 2,75 Schweizer Franken pro Aktie mit ein, die am 22. März ausbezahlt wurde. In den ersten neun Monaten sorgte der Wertzuwachs durch Portfoliobeteiligungen von BB Biotech für einen Reingewinn von 843 Millionen Schweizer Franken gegenüber einem Verlust von 778 Millionen im gleichen Vorjahreszeitraum.

Highlights und Neuigkeiten bei den Beteiligungen

BB Biotechs Portfoliounternehmen veröffentlichten im dritten Quartal zahlreiche Meldungen zu ihren klinischen Pipelines. Alnylam und sein Partner Sanofi teilten mit, dass ihr in der Entwicklungsphase befindliches RNAi-Therapeutikum Patisiran bei Patienten mit erblicher ATTR-Amyloidose und Polyneuropathie sämtliche klinischen Endpunkte des Versuchs erreicht hat. Alnylam möchte gegen Ende 2017 einen Zulassungsantrag in den USA und Anfang 2018 einen Antrag auf Marktzulassung in Europa stellen. Die Meldung sorgte für einen kräftigen Kurssprung der Alnylam-Aktie, da Anleger darin eine Validierung der Plattform und gute Neuigkeiten für das Produkt sehen.

Vertex legte positive Phase-I- und Phase-II-Daten für drei sich in der Entwicklungsphase befindliche Dreifachtherapien bei Mukoviszidose-Patienten (CF) mit einer F508del-Mutation und einer weiteren Mutation mit Minimalfunktion vor. Die Daten deuten darauf hin, dass sich mit besagten Therapien die zugrunde liegende Ursache schwerer und schwer behandelbarer Mukoviszidose behandeln lassen dürfte. Angesichts des beachtlichen Marktpotenzials dieser Kombinationsregimes legte auch die Vertex-Aktie kräftig zu.

Im Gegensatz dazu meldete Sage Therapeutics den Misserfolg der Studie zu Brexanolon bei Patienten mit superrefraktärem Status epilepticus. Anleger haben aufgrund des grossen Potenzials dieser Indikation hohe Erwartungshaltungen eingepreist - das Team von BB Biotech stand den anstehenden Daten vorsichtiger gegenüber und verkaufte einen wesentlichen Teil ihrer Position in der Aktie im Vorfeld der Meldung. Anschliessend stockte das Team die Position zu einem günstigeren Kurs wieder auf, da es vom hohen Potenzial Brexanolons bei schweren Wochenbettdepressionen überzeugt ist.

Einige Portfoliobeteiligungen litten unter Kursschwankungen, da die FDA die Zugriffsberechtigungen für ihr Adverse Event Reporting System, die so genannte FAERS-Datenbank, seit dem letzten Septembertag für die Öffentlichkeit gelockert hat. Die FDA möchte mit diesem Schritt letztendlich zu einer höheren Transparenz bei Produktinnovationen beitragen. Auf kurze Sicht könnten sich jedoch Fehlinterpretationen der Daten negativ auf Aktienkurse betroffener Unternehmen auswirken. Das gilt zum Beispiel für BB Biotechs Portfoliounternehmen Intercept. Die FDA machte sämtliche ihr vorliegenden Sicherheitsdaten zu Intercepts Produkt Ocaliva bei schwerer Lebererkrankung zugänglich. Diese Daten umfassten Informationen zu bisher unbekannten Zwischenfällen im Zusammenhang mit höheren als empfohlenen Dosierungen des Produkts. Anleger reagierten überzogen negativ auf diese Daten, woraufhin BB Biotech ihre Intercept-Position aufstockte.

Produktzulassungen bei Portfoliobeteiligungen

Celgene und sein Partner Agios erhielten die US-Marktzulassung für Enasidenib zur Behandlung von Patienten mit relapsierter oder refraktorischer akuter myeloischer Leukämie und Mutation des IDH2-Gens (Isocitrat-Dehydrogenase 2). Die Zulassung wurde auf Grundlage einer umfangreichen Phase-I/II-Studie erteilt, die nicht nur die Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs validiert, sondern auch die zunehmende Bereitschaft der FDA zeigt, die Zulassung von Arzneimitteln zur Behandlung von Krankheiten mit einem hohen medizinischen Bedarf zu beschleunigen.

Gileads Vosevi, ein Festdosis-Kombinationspräparat aus Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir, wurde von der FDA zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Hepatitis C zugelassen. Die Zulassung stellt einen weiteren Pfeiler für Gileads tonangebendes HCV-Geschäft dar.

Ihre Zulassung erteilte die FDA auch für Novo Nordisks Fiasp (eine schnell wirkende Formulierung von Insulin aspart). Es ist ein schnelles Mahlzeiteninsulin für erwachsene Diabetiker. Beflügelt wurde der Kurs von Novo Nordisk darüber hinaus durch die erwartete Zulassung seines GLP-1-Analogons Semaglutid, das einmal wöchentlich injiziert wird. Eine Zulassung des Präparats in 2017 würde Novo Nordisks GLP-1-Franchise stärken. Ausserdem wäre das Unternehmen in der Lage, effektiver mit Trulicity von Eli Lilly zu konkurrieren. Jedoch erwartet BB Biotech im Falle der Zulassung Semaglutids eine langsame Marktaufnahme und einen harten Preiskampf auf dem US-Markt.

Fusions- und Übernahmeaktivitäten von BB Biotechs Portfoliounternehmen

Gilead gab die geplante Übernahme von Kite, ein Immunonkologie-Unternehmen, für 180 US-Dollar pro Aktie bekannt; der Gesamtwert der Transaktion beträgt damit zwölf Milliarden US-Dollar. Kite rechnet mit der Zulassung seiner CD19-CAR-T-Zelltherapie im vierten Quartal 2017. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Übernahme zugestimmt. BB Biotech hat ihre gesamte Beteiligung an Kite im Zusammenhang mit der angekündigten Transaktion veräußert – der Verkaufserlös belief sich auf rund 124 Millionen US-Dollar und der entsprechende Gesamtgewinn auf 75 Millionen. Die Aktien mehrerer anderer Mid-Caps aus dem Onkologiebereich erholten sich nach Bekanntgabe der Meldung. Juno, der nächste Wettbewerber Kites, legte kräftig zu, was BB Biotech im dritten Quartal zugutekam.

Im dritten Quartal nahm BB Biotech nur kleinere Portfolioveränderungen vor und stockte ihre Beteiligungen an Incyte, Ionis und Regeneron geringfügig auf. Außerdem wurde das Engagement in Alder, Cidara, Esperion, Halozyme, Intercept und Tesaro ausgebaut, Gewinne bei Novo Nordisk, Celgene und Swedish Orphan mitgenommen und die Position in Kite veräussert. Das Portfolio verzeichnet keine Neuzugänge. Das Team hält aber weiter Ausschau nach neuen Investitionskandidaten und wird Positionen in neuen Unternehmen eingehen, sofern sie attraktiv bewertet sind.

Sektor- und Portfolioausblick

BB Biotech geht nach wie vor davon aus, dass sich Preispolitik und Preisgestaltung von Arzneimitteln in den USA künftig nur schrittweise ändern werden. Das Team ist weiterhin davon überzeugt, dass herausragende neue Medikamente, die zu einem angemessenen Preis angeboten werden, erfolgreich sein werden. Dabei berücksichtigt es das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie Aspekte der Preisgestaltung in seinen Finanzmodellen und Bewertungsannahmen für neue Biotech-Produkte, um für die Aktionäre von BB Biotech überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Zu den bedeutenden potenziellen Meilensteinen für das verbleibende Geschäftsjahr 2017 zählen:
- FDA-Zulassung für Semaglutid bei Typ-2-Diabetes (Novo Nordisk)
- US-Zulassung für Axicabtagen Ciloleucel für Lymphompatienten (Gilead/Kite)
- Phase-III-Daten zu Brexanolon bei Wochenbettdepressionen (Sage Therapeutics)
- Phase-III-Daten zu Revlimid zur Behandlung von Lymphompatienten (Celgene)
- Phase-I/II-Daten zu Ivosidenib für rezidivierte oder therapieresistente AML-Patienten (Agios)

Darüber hinaus wird das Anlegerinteresse wichtigen laufenden Markteinführungen gelten, darunter Spinraza zur Behandlung spinaler Muskelatrophie (Biogen und Ionis), Ocaliva bei primärer biliärer Cholangitis (Intercept), Zejula als Erhaltungstherapie für Patientinnen mit wiederkehrendem Eierstockkrebs (Tesaro) und Ingrezza bei Spätdyskinesie (Neurocrine). Das Umsatzwachstum dieser Medikamente wird die Gewinnprognosen und Kursbewertungen für diese Unternehmen massgeblich beeinflussen. BB Biotech geht davon aus, dass die ermutigenden Erfolge im Biotech-Sektor während der ersten neun Monate auch im weiteren Verlauf des Jahres und zu Beginn des neuen Jahres anhalten werden. Das Management erwartet weitere Fortschritte bei vielversprechenden klinischen Entwicklungsprogrammen, Neuzulassungen und der Vermarktung bereits zugelassener Produkte.

23.10.2017 | 11:18

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