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Nachholbedarf bei bargeldlosem Bezahlen

(Bild: Fotolia / lightwriter)


Deutschland hinkt beim bargeldlosen Zahlungsverkehr deutlich hinterher / Zukunftsaussichten und Investitionsmöglichkeiten im bargeldlosen Zahlungsverkehr / Investitionspotential bei Kreditkartenanbietern, alternativen Zahlungssystemen, Mobile Wallets sowie Newcomern am Markt / Neue Studie der Dr. Jens Ehrhardt Gruppe

Elektronische Zahlungsmittel statt Münzen und Scheinen: Was schon im boomenden Online-Handel Grundlage jeder Transaktion ist, wird nun auch bei den alltäglichen Zahlungsvorgängen Realität. 2016 lag das globale Transaktionsvolumen bei 2,3 Billionen Dollar. 93 Prozent davon entfielen auf den E-Commerce. Zwischen 2016 und 2021 wird sich das über mobile Anwendungen gezahlte Volumen mehr als verzehnfachen. Wegbereiter dieser Entwicklung sind zum einen die sich ändernden Verhaltensmuster beim Bezahlen, aber auch die technischen Möglichkeiten. Ein Beispiel hierfür ist die Nahfunktechnologie NFC, die kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone ermöglicht. Aber nicht nur das Smartphone: In der Textilindustrie existieren schon Kleidungsstücke mit integrierten Chips, die kontaktloses Zahlen möglich machen. Auch Smartwatches, also Uhren, die ein kontaktloses Bezahlen ermöglichen, können bereits in einigen Supermarktketten eingesetzt werden.

In den öffentlichen Nahverkehrssystemen in Europa ersetzen Smartphones oder besondere Chipkarten in einigen Großstädten längst das Ticket für Bus und Bahn. Die gefahrenen Strecken werden automatisch erfasst und abgerechnet und der Bezahlvorgang läuft quasi im Hintergrund ab. Auch die Automobilbranche schließt sich diesem Trend an. Schon bald werden Autos mit integrierten Ortungs- und Zahlungssystemen Tankrechnungen oder Parktickets eigenständig bezahlen. Hinzu kommt, dass die private Geldübertragung zukünftig deutlich einfacher und schneller über das Smartphone abzuwickeln sein dürfte, insbesondere da wo kein Zugang etwa zu Konten besteht.

Auch wenn die Kreditkarten-Nutzung in Deutschland in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist, werden hierzulande noch ca. 78 Prozent aller Einkäufe mit Münzen und Scheinen beglichen. Im starken Kontrast dazu stehen Schweden und Dänemark als Spitzenreiter beim bargeldlosen Zahlen. Die Dänen greifen nur noch bei 25 Prozent ihrer Einkäufe zum Bargeld. In Schweden gibt es mittlerweile Läden, die überhaupt kein Bargeld mehr annehmen. Bis 2030 soll das Land komplett bargeldfrei funktionieren, so besagt es die Studie „Kartengestütze Zahlungssysteme im Einzelhandel 2017“ des EHI Retail Institute.

Ausblick 2018: Rekordsummen in Aussicht

Auch wenn Deutschland und das Bargeld aktuell noch unter Trennungsängsten leiden, haben zahlreiche Anbieter das Potenzial dieser digitalen Revolution erkannt. Die Zahlen sprechen für sich: Während der bargeldlose Zahlungsverkehr 2015 noch bei 112 Milliarden Transaktionen lag, werden für 2020 177 Milliarden Transaktionen vorhergesagt (Quelle: Statista). Das sind gute und vor allem profitable Aussichten für Anbieter von Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr – und für deren Aktionäre. Weltweit sind zurzeit rund 20 Anbieter von bargeldlosen Bezahllösungen börsennotiert. Ihre Geschäftsmodelle und Produkte reichen von der klassischen Kreditkarte über Online-Bezahlverfahren bis hin zu App-basierten Mobile Wallets.

Kreditkartenanbieter profitieren von langjähriger Erfahrung und einem ausgereiften Netz an Akzeptanzstellen. Sie zählen bislang zu den größten Profiteuren, können ihren Erfolg aber nur fortsetzen, wenn sie intelligente Kooperationen mit dem etablierten Handel und innovativen Fintechs gleichermaßen eingehen. Anbieter alternativer Bezahlsysteme profitieren insbesondere vom boomenden Online-Handel. Schon heute nutzen die Konsumenten häufiger die alternativen Zahlungsmöglichkeiten als die Zahlung über Kreditkarte oder Lastschriftverfahren. Diese Anbieter sind außerdem im Bereich mobiler Bezahl- bzw. Geldtransfersysteme aktiv. Ein Engagement, das sich auszahlt. Steigende Umsatzzahlen, Gewinnprognosen und Aktienrückkäufe wurden von den führenden Anbietern in diesem Segment bereits angekündigt. Mobile Wallets auf den Smartphones ersetzen das klassische Portomonnaie. Allein wegen der immensen Nutzerzahlen könnten die renommierten Internet-Giganten mit dieser Bezahlungsart einen maßgeblichen Anteil des Geschäfts anziehen.

Um gezielt auf den Trend zum bargeldlosem Bezahlen zu setzen, eigenen sich die Aktien der Internet-Riesen wegen der Vielzahl ihrer Geschäftsfelder aber nur begrenzt. Auch die Newcomer am Markt sind daher einen Blick wert. Zwar müssen die innovativen Neulinge vergleichsweise hohe Markteintrittsbarrieren überwinden, allerdings geht eine Dynamik von diesem Segment aus und es bietet immer wieder neue und interessante Investitionsmöglichkeiten.

Unser Fazit

Gerade in Bezug auf den strukturell anspruchsvollen Finanz- und insbesondere Bankensektor stellen die neuen technologischen Möglichkeiten aussichtsreiche Gelegenheiten dar, das Wachstumsprofil und die Investitionschancen zu verbessern. In den DJE-Fonds nutzen wir aktiv die sich bietenden Investitionsmöglichkeiten in aufstrebenden neuen Feldern des Finanzsektors.

26.09.2017 | 11:57

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