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Techaktien: Geheimtipp für 2018

Dr. Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

(Bild: Evonik)


Aktuell stehen einige Marktteilnehmer dem Technologiesektor dennoch skeptisch gegenüber. Denn mit den Kursen haben auch die Bewertungen zugelegt: Auf Basis der Gewinnerwartungen für das Jahr 2018 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Techsektor innerhalb des MSCI World derzeit bei 19,2 – während der Gesamtindex mit einem KGV von 16,9 bewertet ist.

Vergleicht man die jüngste Wertentwicklung der unterschiedlichen Sektoren im weltweiten Industrieländerindex MSCI World, gibt es einen klaren Gewinner: den Technologiesektor. Dieser legte im bisherigen Jahresverlauf in US-Dollar gerechnet bis zum 13. Dezember 2017 um fast 39 Prozent zu. Aufgrund seiner vergleichsweise hohen Gewichtung von knapp 17 Prozent trug er auch entscheidend zur positiven Performance des MSCI World insgesamt bei: Der Index, der rund 1.600 Unternehmen aus 23 Staaten beinhaltet, stieg seit Jahresbeginn um rund 22 Prozent.

Aktuell stehen einige Marktteilnehmer dem Technologiesektor dennoch skeptisch gegenüber. Denn mit den Kursen haben auch die Bewertungen zugelegt: Auf Basis der Gewinnerwartungen für das Jahr 2018 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Techsektor innerhalb des MSCI World derzeit bei 19,2 – während der Gesamtindex mit einem KGV von 16,9 bewertet ist.

Gewinnerwartungen zuletzt gestiegen

Betrachtet man die Gewinnaussichten der Technologieunternehmen für die nächsten 12 Monate, so scheint deren auf den ersten Blick relativ hohe Bewertung gerechtfertigt zu sein: Für das Jahr 2018 rechnen die Analysten im Schnitt mit Gewinnsteigerungen in Höhe von 11,4 Prozent. Dazu kommen für den Techsektor anhaltend positive Gewinnrevisionen: Aktuell liegen die Schätzungen für 2018 rund 4,2 Prozent höher als noch vor drei Monaten.

Technologieunternehmen mit hohen Nettomargen

Ein Grund für die positiven Gewinnaussichten der Techunternehmen liegt in ihren vergleichsweise hohen Nettomargen: Für das kommende Jahr erwarten die Analysten einen prozentualen Gewinnanteil am Umsatz in Höhe von durchschnittlich 17,5 Prozent im Vergleich zu 10,5 Prozent für die Unternehmen im MSCI World insgesamt. Das liegt daran, dass viele Unternehmen aus der Technologiebranche in sogenannten Winner-Takes-It-All-Märkten tätig sind.

Das bedeutet: Setzt sich eine bestimmte Technologie, ein Produkt oder eine Dienstleistung gegen die direkte Konkurrenz durch – etwa weil eine kritische Masse an Benutzern erreicht ist –, dann werden die Mitbewerber oft aus dem Markt verdrängt. Der Anbieter mit dem erfolgreichen Produkt profitiert dann in besonderem Maße. So war es bereits in den 1980er-Jahren, als sich die VHS-Kassette gegen diverse Konkurrenzformate durchsetzte und diese quasi vom Markt verschwanden. In der jüngeren Vergangenheit war dieser Effekt beispielsweise unter den Anbietern von Onlinesuchmaschinen oder auch sozialen Medien zu beobachten.

Selektives Vorgehen scheint ratsam

Obwohl sich seit Jahresbeginn der gesamte Technologiesektor sehr positiv entwickelte, sollten Investoren selektiv vorgehen. Denn wo es nur wenige Gewinner gibt, kann es zwangsläufig viele Verlierer geben. Das gilt sowohl mit Blick auf die konkrete Unternehmensauswahl als auch auf das Geschäftsfeld. Aus Sicht der Deutschen Bank bieten breite Anlagen in digitale Trends wie zum Beispiel das Internet der Dinge, Big Data, Cloud-Computing und E-Payment Potenzial für einen entsprechend risikobereiten Anleger. Darüber hinaus könnten Anbieter von Cyber-Security-Lösungen zu den Hauptprofiteuren der zunehmenden Datenflut und globalen Vernetzung gehören.

Weiterhin positive Aussichten für Aktien

Grundsätzlich sieht die Deutsche Bank den Technologiesektor weiterhin positiv. In einem insgesamt positiven Aktienmarktumfeld sollten entsprechend risikobereite Anleger jedoch auch andere Sektoren im Blick behalten – insbesondere zyklische, also konjunktursensible Branchen, die von einem anziehenden Weltwirtschaftswachstum profitieren dürften. So könnten beispielsweise Sektoren wie zyklischer Konsum, Industrie oder auch Finanzen interessante Bestandteile eines Aktienportfolios darstellen.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

05.01.2018 | 00:22

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