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Ausgerechnet Mercedes!

Damals, als der Stern noch heller glänzte... (Bild: Shutterstock)


Jedes Kind kennt den Mercedesstern, die drei Strahlen mit Kreis außen herum. Nur wenige kennen den Ursprung. Nein, es war nicht ein genialer Marketingmann, der „den Stern“ erfand, wie man heutzutage vermuten könnte, sondern es war solides unternehmerisches Denken der Benz‘schen Motorenschmiede.

Von Florin Josef Hoffmann

Die Erfindung des Automobils war eine Sternstunde. Sicherlich eine Sternstunde für die Ingenieure, wohl aber auch für alle Länder, in denen Autos fahren. Und auch wenn der Kraftwagen die Probleme der Welt letztendlich nicht löst: unendich viel ist mit diesem Fortbewegunsmittel erreicht worden. Unbestritten waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Erfinder dieses so epochalen, neuen Geräts der schwäbische Ingenieur Gottlieb Daimler und einige Tüftler, die ihm halfen.

Der erste Daimler-Motor wurde nicht in ein Auto eingebaut, denn solche Kraftwagen gab es, streng genommen, noch gar nicht. Er fauchte und rumpelte vielmehr in einem kleineren Ausflugsboot, mit dem man vor Stuttgarts Toren auf dem Neckar herumschippern konnte und das heute der Autokonzern stolz im Daimler-Benz-Museum in Stuttgart präsentiert. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft waren die drei Richtungen, die der erste Stern unternehmerisch-perspektivisch anzeigen sollte, zuerst noch ohne Kreis darum. Der Kreis entstand, als man den Stern als Dekoration auf eine kreisrunde Achsabdeckung aufpresste. Die Falzung des Sterns und seine Umrandung ergab sich dann von selbst. Vor allem in die Luft wollten offensichtlich ein paar Jahre später die bayerischen Motorenbauer, die sich mit dem Propeller in ihrem kreisrunden, weiß-blauen Firmenzeichen anfangs einseitig auf den weiß-blauen Himmel Bayerns festlegten. Mit ihren Motoren und ihren Autos am erfolgreichsten waren dann beide am Ende zu Lande.

Sternstunden der Menschheit? Wirtschaftlich gesehen sicherlich, ökologisch gesehen, kann das Fragezeichen dahinter stehen bleiben. Sternstunden der deutschen Wirtschaft? Mit Sicherheit, auch wenn der Stern überhell im Dienste eines bösen Regimes leuchtete, das den Himmel des 20. Jahrhunderts über zwölf Jahre hinweg verdunkelt hat. Was davor und anschließend „beim Daimler“ geleistet wurde, spricht für sich. Und es hat sich natürlich längst bis China herumgesprochen. So hat denn auch Li Shufu Gefallen an den Aktien der Daimler AG gefunden. Und nachdem Li der Chef des größten chinesischen Autobauers ist, kann er sich eine ganze Menge Daimler-Aktien leisten: 9,7 Prozent. Damit ist er größter Einzelaktionär des schwäbischen Autibauers. Geely, seiner Firma, gehört übrigens auch ein einstmals schwedischer Autobauer namens Volvo.

 Wer zehn Prozent der Daimler AG kauft, kauft mehr als eine Autofabrik. Er kauft sich ein in die Erfindung des Automobils, er kauft sich ein in die schwäbische Gründlichkeit, die messbar ist, weil der Schwabe am Band eben langsamer arbeitet als andere – aber eben genau deshalb auch besser und penibler –, was die Unternehmensleitung gelegentlich veranlasste, zwecks Beschleunigung Rheinländer dazwischen zu schmuggeln – wenn man derlei Geschichten Glauben schenken mag. Er kauft sich ein in einen vielfachen Formel 1-Weltmeistermacher, in den Erfinder der Knautschzone, und den Gestalter des „Adenauer-Mercedes“ und „der“ Sportwagenlegende 300 SL mit den Flügeltüren.

„Schaffe boim Daimler“ war einst im Lebenslauf ein Qualitätssiegel besonderer Art. Jetzt schafft dort bald im Aufsichtsrat jemand mit, der einen Teil unserer Seele ins Ausland transportiert – nach Kuka und Putzmeister der größte Coup der großen Asiaten hierzulande. Es gab vor der Globalisierung Zeiten, in denen die Deutsche Bank aus Patriotismus Aktienpakete der Daimler-Benz AG aufkaufte, um deren Verkauf ins Ausland zu verhindern. Tempi passati. Die Globalisierungswelle rollt. Der Ausverkauf der Seele der deutschen Wirtschaft auch.

03.03.2018 | 00:41

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