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Chinesischer Investor für europäische Kinos

Kommt ein Dino und hat Hunger.... (Bild: Damian Wanda)

Deal perfekt: Damian Wanda übernimmt Legendary Pictures (Bild: variete.com)


Und wieder ein chinesischer Investor: AMC Entertainment, ein in den USA ansässiger Unterhaltungs-Konzern, übernimmt 50 Kinos in den baltischen Staaten und Skandinavien – und zahlt bar. Erst im November hatte AMC 26 Multiplex-Kinos in Deutschland und Österreich übernommen. AMC ist die erste chinesische Firma, die Eigentümerin von Firmen im Mekka der Filmbranche ist: in Hollywood.

Der US-Kinobetreiber AMC Entertainment gehört zu dem Unterhaltungskonzern des chinesischen Milliardärs Wang Jianlin mit Naman Dalian Wanda, der als Konglomerat von Einzelfirmen aufgebaut ist. Im letzten Jahr sorgte AMC durch die Übernahme des Filmstudios Legendary Entertainment in den USA für Aufsehen – wurden doch durch deren Tochterunternehmen Legendary Pictures die „Jurassic-Park“-Filme produziert.

Nun weitet der Kinobetreiber AMC also sein Europageschäft aus. Schulden muss Wang Jianlin dafür nicht machen. Für 929 Millionen Dollar in bar übernimmt seine Kinogruppe die in Stockholm ansässige Nordic Cinema Group, wie AMC mitteilte. Grundsolide finanzierte chinesische Konzerne machen seit einiger Zeit dadurch Furore, dass sie sich in den deutschen Mittelstand einkaufen. Herausragende Beispiele dafür sind ChenChina, das den Spezialmaschinenbauer KraussMaffei übernahm, und der Mischkonzern Midea, zu dem jetzt der Roboterbauer Kuka gehört.

Gefräßig fast wie ein Tyrannosaurus Rex

Die Nordic Cinema betreibt 68 Kinos in rund 50 Städten in den skandinavischen Ländern sowie im Baltikum. Der Betreiber soll aber nicht bei der AMC direkt, sondern bei der Tochter Odeon & UCI eingegliedert werden, die Wang Jianlin erst im November des letzten Jahres übernommen hat. Das interessante für den hiesigen Markt ist, dass Odeon & UCI allein in Deutschland und Österreich 26 Multiplex-Kinos unterhalten. Mit den neu akquirierten Kinos betreibt AMC dann insgesamt 1.000 Lichtspielhäuser in 15 Ländern.

Dalian Wanda ist nicht zu unterschätzen, in US-Medien ist die Bezeichnung „China’s property and entertainment giant“ gang ung gäbe. Vor nur etwas über einem Jahr verleibte der Konzern das Filmstudio Legendary Entertainment ein, das unter anderem die Batman-Filme und „Jurassic World“ produzierte. Damit hat sich erstmals ein chinesischer Investor in Hollywood eingekauft. Am 11. Januar 2016 hatte die Mutterholding der AMC bekanntgegeben, dass sie sich mit den Anteilseignern auf einen Erwerb von Legendary Entertainment zum Preis von 3,5 Milliarden Dollar geeinigt habe.Im deutschen Mittelstand ist zu beobachten, dass chinesische Konzerne sich gezielt mit Weltmarktführern und anderen hidden champions verbünden, um sich durch deren Kompetenz selbst zu stärken. Diese Entwicklung macht auch vor der Unterhaltungsbranche offensichtlich nicht halt.

23.01.2017 | 20:46

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