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Netflix: filmreife Erfolgsstory

Viele, viele bunte Bilder.... (Bild: Netflix)


Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google: So heißen die digitalen Überflieger unserer Zeit. Ihre Chartkurse befinden sich in schwindelerregenden Höhen, und für sie gibt es inzwischen sogar einen eigenen Begriff: FAANG-Aktien. Ihr Potential scheint bei weitem noch nicht ausgezeizt. Speziell den Streaming-Anbieter Netflix hat Wim Weimer für Sie analysiert.

Dieses Jahr feiert Netflix, seit 2002 an der Börse, sein 20. Jähriges Firmenjubiläum und blickt dabei auf eine einzigartige Erfolgsstory zurück. Als Firmengründer Reed Hastings, der bis heute die Geschicke des Konzerns an vorderster Front als CEO leitet, am 29. August 1997 im kalifornischen Los Gatos Netflix zum Leben erweckte, hatte er einen ungewöhnlichen Beweggrund – Ärger. 40 Dollar Strafe verlangte die Videothek seines Vertrauens als Strafe für eine verloren gegangene Videokassette. Das empfand Hastings als deutlich zu teuer. Auf dem Weg ins Fitnessstudio fiel ihm auf, dass er dort für eine einzige monatliche Zahlung von 40 Dollar unlimitiert häufig trainieren durfte. Was für das Fitnessstudio galt, müsse doch auch für das Verleihen von Videokassetten gelten, dachte sich Software-Programmierer Hastings und gründete mit Marc Randolph kurzerhand Netflix.

Anfangs verschickte Netflix die Filme noch per Post – in der Anzahl unbegrenzt gegen eine monatliche Gebühr. Zehn Jahre später, 2007, wagte das Unternehmen dann den digitalen Vorstoß und ermöglichte seinen Kunden die Filme übers Internet zu beziehen. Inzwischen machen 104 Millionen Abonnenten in 130 verschiedenen Ländern von diesem Angebot Gebrauch. Netflix-Eigenproduktionen wie die mehrfach preisgekrönte Politserie „House of Cards“ locken immer mehr Kunden an und verschaffen dem Unternehmen einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Amazon. Damit dieser ausgebaut werden kann, investiert Netflix im kommenden Jahr beachtliche sieben Milliarden Dollar in Exklusiv-Content. Bislang hat der US-Konzern schon 200 Serien, Filme und Dokumentationen selber produziert und damit 72 Preise eingefahren. Mittelfristig soll sogar die Hälfte des Angebots Netflix Originals sein.

Dass dieses Geschäftsmodell ankommt ist nicht nur an den 125 Millionen Stunden Videos zu sehen, die täglich über die Plattform geschaut werden, sondern auch an den stetig steigenden Umsatzzahlen. Im zweiten Quartal kamen gut fünf Millionen neue Kunden hinzu und bescherten Netflix einen Sprung um 32 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Trotz der hohen Kosten für die Eigenproduktionen haben sich dabei sogar die Gewinnzahlen positiv entwickelt. Beachtliche 65,6 Millionen Dollar verdiente der Streamingsanbieter im vorigen Quartal, was ein Plus von 60 Prozent bedeutet. Auch der Blick auf die charttechnische Entwicklung sorgt für Euphorie. Im Juli erklomm die Aktie ihr Rekordhoch bei 191,50 Dollar.

Sensationelle 3.000 Prozent Kurssteigerung!

Seit ihrem Börsengang vor 15 Jahren hat sich das Papier damit um über 3.000 Prozent verteuert. Dabei stellte der Sprung aufs Parkett nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 große Herausforderungen für technikaffine Unternehmen wie Netflix dar. In den fünf Jahren zwischen 2012 und 2016 – in diesem Zeitraum betitelte eine Studie der renommierten Boston Consulting Group Netflix als den stärksten „Wertschöpfer“ weltweit – brachte es die Aktie zudem auf eine beachtliche durchschnittliche Jahresrendite von 65,7 Prozent.

Angesichts dieser beeindruckenden Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren an der Börse stellt sich die Frage, ob das Netflix-Papier seinen Zenit wohlmöglich schon überschritten haben könnte. Für das dritte Quartal geht der Streaminganbieter von 4,4 Millionen Neukunden aus, was einem Rückgang im Vergleich zum aktuellen Quartal gleichkäme. Um dennoch weiter zu wachsen, käme daher eine Preissteigerung in Frage. Allerdings zeigte sich 2014, dass die Kunden darauf sehr empfindlich zu reagieren scheinen. Also gilt es als unrealistisch, dass Netflix diese Option zieht. Steigen dürfte indes allerdings künftig der Konkurrenzdruck, da insbesondere Amazon mit seinem Streamingsdienst Prime sich mittel- bis langfristig zum unangefochtenen Branchenprimus entwickeln möchte. Außerdem hat Disney beschlossen, selbst ein Streaming-Angebot mit seinen beliebten Inhalten zu entwickeln und kündigte daher jüngst seinen Vertrag mit Netflix.

Ein Indiz für fallende Kurse sind auch die jüngsten Insiderverkäufe von Netflix-Managern, also von denen, die über die Zukunft des Konzerns dem Vernehmen nach am besten Bescheid wissen. Besagte Verkäufe haben sich in jüngster Zeit erheblich beschleunigt, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass die Aktie als überbewerter gilt. Schlagen die Eigenproduktionen allerdings voll ein, ist ein anhaltender Höhenflug des Papiers durchaus wahrscheinlich. Aktuell kostet das Papier gut 70 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Und schon damals unkten viele Experten, dass es mit dem märchenhaften Höhenflug von Netflix bald vorbei sein würde. Doch die Erfolgsstory ging und geht weiter. WIM

Wim Weimer

15.09.2017 | 22:40

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