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Pass-it-on-Flaschenpost und das Leben der Dinge

Die Künstlerin Lilla von Puttkamer (rechts) schickt eine Flaschenpost auf die Reise....

.... zum Beispiel nach Venedig.

Wo diese Werke zu sehen sind, werden sie lebendig, und...

...es könnte auch eine Flaschenpost ankommen! (alle Bilder: Fersch / von Puttkamer)


Die Flaschenpost, in vergangenen Zeiten oft ein Hilferuf von Schiffbrüchigen, wird ihres Elementes beraubt und an Land gebracht. 1.000 Flaschen wurden von Lilla von Puttkamer und Albrecht Fersch mit einer Gebrauchsanweisung und einer Nachricht gefüllt, mit einem Korken verschlossen und etikettiert.

Die Aktion ist in vollem Gange, „gib-weiter-Flaschen“ werden von den Künstlern in Cafés oder auf Märkten an Passanten verteilt, Freunden oder Bekannten überreicht, in Berliner Haushalte in Wedding oder Moabit gebracht. Der Empfänger der Flaschenpost kann die Nachricht entnehmen, selbst wieder eine Nachricht hineingeben und die so veränderte Flasche jemand anderem übergeben. Die Kontrolle wird abgegeben und der Sender vertraut darauf, dass etwas spontan in die Welt Geschicktes auch ankommen kann. So kann die Flaschenpost, immer mit neuen Nachrichten gefüllt, um die ganze Welt reisen.

Die Menschen sind das Meer, und ausgehend vom Berliner Wedding gehen die Flaschen weltweit auf Wanderschaft. Der Fluss der Benachrichtigungen kann und soll sich so unbegrenzt ausbreiten. Das Projekt ist über „mikroprojekte“ vom Berliner Senat gefördert; am 21. Oktober 2017 findet ab 17 Uhr die Abschlusspräsentation im Acud Kunsthaus in Berlin statt. Wer noch eine Flaschenpost bekommen oder jemandem eine Nachricht schreiben möchte, ist hierzu herzlich eingeladen. Die einzelnen Stationen der Geopoeten lassen sich über die Website: www.geopoeten.eu nachvollziehen.

Am 2. November eröffnet die Ausstellung „Das Leben der Dinge“ bei „München leuchtet“ einem Leuchten Design Studio von Michael Rosenstein. Gezeigt werden Malerei und Objekte der Künstlerin Lilla von Puttkamer. In der digitalen Welt verlieren die materiellen Gegenstände immer mehr an Bedeutung, und das, obwohl sie Erinnerungen und Erlebnisse speichern. Erst beim Betrachten von Ihnen kann diese Ebene wieder geweckt werden. Im Trompe-lòeil Effekt gemalte Stühle erzeugen aus der Fläche einen Raum, der sich beim Näherkommen wieder entzieht. Die Objekte, da schon bei der Ausstellung „Tomorrow – neue Kunst in alten Gärten“ in Hannover zu sehen waren, verselbständigen sich. Auch aus den Bildern heraus verselbständigen sie sich, wandern als Objekte in den Raum. Die Ausstellung wird zu einer Bühne, die jeder Besucher betreten kann und seine eigene Geschichte drin wiederfinden. Und wenn die Besucher Glück haben, erreicht den einen oder anderen in München eine Flaschenpost…

www.lillavonputtkamer.de

09.10.2017 | 02:02

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