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Trumps Vorschusslorbeeren sind weg

Keine Freude an Trumps Präsidentschaft haben Anleger, die ihre Millionen in US-Immobilien investiert haben. (Bild: Fotolia / tom934)


Am 6. April, sieben Monate vor den US-Wahlen, schrieb ich, dass ich bei einem Sieg von Trump einen schwächeren Dollar erwarte. Ich bekräftigte das am Tag vor der Wahl und schrieb, dass ich bei einem Sieg von Trump einen Verfall des Dollar erwarte und mich nicht wundern würde, wenn der Euro dann sogar über Marke von 1,20 Dollar stiege. Der Dollarverfall nun da. Und er zeigt, was die Märkte von Trump halten.

Von Rainer Zitelmann

„Es würde mich nicht wundern, wenn der Euro dann sogar auf über 1,20 Dollar steigen würde.“ Als ich das am 7. November schrieb, stand der Euro bei 1,10 Dollar. Was ich für Trumps Wahlsieg erwartete, war also ein massiver Verfall des Dollar.

Doch es kam zunächst ganz anders. Der Dollar gab nur ganz kurz nach, stieg dann aber fast unaufhaltsam und erreichte seinen Höchststand am Tag der Wahl von Trump am 20.Dezember, als der Euro unter 1,04 Dollar rutschte. Die Euro-Dollar-Parität schien in greifbarer Nähe. Damals war die an den Märkten vorherrschende Stimmung: Trump ist vernünftig geworden. Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Trump wird der Wirtschaft gut tun. Er wird die Steuern massiv senken, in die Infrastruktur investieren, die Inflation antreiben und damit auch zu steigenden Zinsen führen. All das wäre für den Dollar gut. Und diese Erwartungen spiegelten sich in dem Dollaranstieg nach der Wahl wider.

Unter der Überschrift „Die Dollar-Überraschung“, schrieb ich am 19. November, die Märkte rechneten offenbar mit massiven Infrastrukturinvestitionen und einem Anstieg der Inflation. Der Dollaranstieg sei aber auch ein Zeichen dafür, dass „die Marktteilnehmer auf einen ‚vernünftigen’ und berechenbaren Trump setzen. Sollte es indes anders kommen, könnte zu einem späteren Zeitpunkt das geschehen, was für die Zeit unmittelbar nach den US-Wahlen erwartet wurde, nämlich eine Abwertung des Dollar.“ So ist es jetzt in der Tat gekommen.

Die Stimmung hat sich gedreht

Indem ich diese Zeilen schreibe, am 20. Juli 2017, ist Trump ein halbes Jahr im Amt – und der Euro ist auf 1,1646 Dollar gestiegen. Es ist also nicht mehr weit bis zu den 1,20 Euro, die ich am Tag vor der Wahl für den Fall eines Sieges von Trump vorhersagte. Im Vergleich zum Höchststand am Tag der Wahl von Trump durch die Wahlmänner ist der Dollar um etwa zwölf Prozent gefallen. Da ich stark in US-Immobilien investiert bin, hat mich Trump eine Menge Geld gekostet. Dass das „nur“ auf dem Papier ist, beruhigt mich überhaupt nicht, denn alle Preise sind nur Zeitwerte auf Papier – ob nun von Aktien, Gold, Immobilien oder Währungen.

Am Euro/Dollar-Kurs lässt sich sehr gut die Stimmung der Märkte (und nicht nur der) über Trump ablesen, denn weder die Politik der EZB noch der FED hat sich gravierend verändert. Die EZB bleibt bei ihrer Niedrigszinspolitik, die FED bei der Politik moderater Zinsanhebungen. Die Veränderungen im Dollarkurs sind ganz überwiegend auf Trump zurückzuführen:

- Die Steuerreform ist in weite Ferne gerückt

- Obamacare bleibt zunächst, weil Trump mit seiner alternativen Reform gescheitert ist

- Von den gigantischen Infrastrukturinvestitionen hat man noch nichts gehört

- Der kurz nach den Wahlen bei Marktteilnehmern vorherrschende Eindruck, Trump sei „vernünftig“ geworden, hat sich nicht bestätigt

- Trump ist ein schwacher Präsident.

Die Ernüchterung spiegelt sich im Dollarkurs wider. Und wie wird sich der Dollarkurs weiter entwickeln? Politisch ist eine Vorhersage nicht möglich, da bei einem unberechenbaren Präsidenten auch der Dollarkurs unberechenbar ist. Bei Trump ist alles möglich.

20.07.2017 | 21:13

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