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Advent und Weihnachtsgeschäft: passt das zusammen?

Geschenke unterstreichen Freude und kulturelle Praxis: Der Advent ist zurecht die Zeit der Freude auch für Einzelhändler. (Bild: Fotolia / eyetronic)


Advent – abgeleitet vom lateinischen adventus, „Ankunft“ –, eigentlich Adventus Domini, lateinisch für „Ankunft des Herrn“, bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, also Weihnachten, vorbereitet. So steht es korrekt in der Wikipedia zu lesen. Zugleich ist der erste Adventssonntag das kirchliche Neujahresfest.

Das Warten ist ein zentraler Aspekt dieser rund vierwöchigen Zeit im Dezember. Zum einen wartet man auf Weihnachten, das Fest, mit dem die Christenheit der Geburt Jesu gedenkt und sie als Menschwerdung Gottes feiert. Einerseits erinnert man sich an das erste Kommen Jesu in seiner Geburt. Zum anderen wartet man darauf, dass Jesus das zweite Mal erscheint, am Ende der Tage, zum Jüngsten Gericht. Nach diesem Verständnis sollen Buße, Fasten, Gebete und gute Werke in dieser Zeit im Mittelpunkt stehen.

Wie passt das Weihnachtsgeschäft da hinein?

Weihnachten ist ein Fest der Freude, der besinnlichen Fröhlichkeit. Diese frohe Stimmung durch Geschenke an die Lieben zu untermauern und mit den Kindern zugleich die kulturelle Praxis des Weihnachtsfestes einzuüben: das ist sinnvoll und gut. Daher ist gegen Konsum nichts einzuwenden.

Die Konsum-Stimmung könnte besser kaum sein als in diesem Jahr, davon ist zum Beispiel in der Branche der Unterhaltungselektronik die Rede. Die Händler schauen mit großer Vorfreude auf die Vorweihnachtszeit. Voraussichtlich werde das Umsatzvolumen rund 9,3 Milliarden Euro erreichen, das wäre ein Zuwachs um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erfuhr dpa. Generell dürfte die Branche hierzulande von steigenden Einkommen, Rentenerhöhungen, der niedrigen Arbeitslosenquote sowie einem weiterhin starken Ersatzbedarf an Fernsehgeräten profitieren.

Auch der Buchhandel kann wieder mit einem Umsatzssegen rechnen – mit Einnahmen in Höhe gut 950 Millionen Euro im Weihnachtsgeschäft. Das Gesamtvolumen an Geschenken wird laut GfK-Prognose wieder das Niveau des Vorjahres erreichen: 14,3 Milliarden Euro entfallen auf Geschenke und Gutscheine, zusammen mit den Geldgeschenken werden summa summarum 17,8 Milliarden Euro bewegt. „Der Handel kann sich auf ein gutes Weihnachtsgeschäft freuen, ist sich GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth sicher.

Die Tradition des Advents: älter als die des Weihnachtseinkaufes

Die ersten Belege für eine Art Adventsliturgie in der Kirche im 4. Jahrhundert stammen aus Spanien und Gallien. Zu jener Zeit dauerte die Vorbereitungszeit nur drei Wochen und war vor allem durch Gottesdienstbesuche, Fasten und gute Werke gekennzeichnet. Andere Quellen setzen den Ursprung des Advents in das 5. Jahrhundert und verbinden ihn mit Bischof Perpetuus von Tours. Der forderte eine achtwöchige Fastenzeit, die sich vom 11. November (Martinsfest) bis zum Erscheinungsfest (Epiphanias) am 6. Januar ziehen sollte. Dass sich diese Zeit bis zum 6. Januar ausdehnte, beruhte darauf, dass der Epiphaniastag bis etwa zum Jahre 1500 inhaltlich im Mittelpunkt der Adventzeit stand. So ist es auf der Seite der Evangelischen Kirche in Deutschland, EKD, formuliert.

Seit mehreren Jahrhunderten hat sich jedoch in allen christlichen Kirchen weltweit die vierwöchige Adventszeit durchgesetzt, so die EKD weiter, in der die Menschen Straßen und Wohnungen schmücken und sich auf die Ankunft des Heilands vorbereiten. Das Fasten soll an drei Tagen pro Woche erfolgen, es handelte sich also im Gegensatz zur Passionszeit um eine . Die Kirche achtete einst streng darauf, dass die Auflagen für die ersten drei Wochen der Adventszeit eingehalten wurden. Freudvolle und fröhliche Veranstaltungen, etwa Eheschließungen, Fleischgenuss oder öffentliches Vergnügen wie zum Beispiel Tanzfeste waren verboten. Derzeit lässt sich dies hierzulande nicht streng einhalten, denn die Kirche ist sehr in den Hintergrund gedrängt.

Der Handel wird überleben, wenn das christliche Fest bleibt

Doch die Zeit des Wohlstands und des Friedens wird auch für Mitteleuropa enden. Not und Gewalt sind auf der Erde im Vormarsch, sie werden nicht vor den Grenzen des alten Europa, des seit dem 4. Jahrhundert durch Rom christlich geprägten Kontinents Halt machen. Doch auf Krieg folgt Frieden. Der Kirche steht dann, falls Europa weiterbestehen soll, eine Renaissance bevor. Falls nicht eine andere Religion alle Traditionen verbietet und unterdrückt, die Europa hat, wird der Wohlstand wiederkommen; gerade auch der Handel mit Geschenken wird dann wieder weiterblühen. sig

25.11.2016 | 19:03

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