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Gold: für Anleger derzeit ohne Glanz

Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Derzeit für Anleger eher ein wenig wie Blei im Depot... (Bild: Degussa)


Die Deutsche Bank sieht auf absehbare Zeit kaum Potential für einen steigenden Goldpreis. Schon in den vergangenen Wochen gaben die Notierungen spürbar nach – und dieser Abwärtstrend könnte anhalten. Was können Anleger tun, die auf das Edelmetall gesetzt hatten?

Von Ulrich Stephan

Um Gold ranken sich viele Mythen – es gilt seit jeher als ein Symbol von Macht, Reichtum und Stabilität. Kein Wunder, dass es auch bei vielen Anlegern eine besondere Stellung einnimmt, etwa als sogenannte Krisenwährung. Im Zuge der Zuspitzung des Nordkoreakonflikts und des Ausbleibens konkreter wirtschaftsfördernder Maßnahmen von US-Präsident Trump im ersten Halbjahr 2017 machte das Edelmetall seinem Ruf alle Ehre: Die Nachfrage nach Gold zog an und sein Preis in US-Dollar stieg vom Jahresanfang bis zu seinem Jahreshöchststand am 7. September 2017 um 13,5 Prozent. Viele Anleger fragen sich daher: Kann Gold aktuell ein interessantes Investment sein?

Aus Ertragssicht lautet die Antwort eher nein: Die Deutsche Bank sieht auf absehbare Zeit kaum Potenzial für einen steigenden Goldpreis. Schon in den vergangenen Wochen gaben die Notierungen spürbar nach – und dieser Abwärtstrend könnte anhalten. Zwar ist es jederzeit möglich, dass geopolitische Konflikte wie etwa der Nordkoreakonflikt oder größere Käufe von Notenbanken wie beispielsweise in Russland den Goldpreis kurzfristig steigen lassen. Ein nachhaltiger Preiseffekt wird dadurch jedoch nicht erwartet – vorausgesetzt es kommt zu keiner Eskalation.

Ein weiterer ganz maßgeblicher Aspekt für das fehlende Preispotenzial bei Gold sind zudem die mittlerweile wieder deutlich verbesserten Aussichten für die US-Wirtschaft und die niedrige Arbeitslosigkeit im Land, welche die US-Notenbank in ihrer restriktiveren Geldpolitik bestärken dürften. Denn die hohe wirtschaftliche Dynamik scheint sich auch auf die Löhne durchzuschlagen, wenn auch wenn nur allmählich: Da US-Unternehmen im Schnitt immer länger brauchen, um freie Stellen zu besetzen, ist die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer bei Lohnabschlüssen zuletzt gestiegen, wodurch die durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um rund 2,4 Prozent angezogen sind. Eine Folge der gestiegenen Einkommen ist die höhere Kaufkraft der US-Konsumenten. Die Deutsche Bank erwartet, dass sich diese in den kommenden Monaten in einer erhöhten Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit einhergehend in höheren Preisen und schließlich Inflationsraten niederschlagen könnte. Diese Entwicklung wird unter anderem durch die Erholung beim Ölpreis und die konkretere Formen annehmende US-Steuerreform gestützt.

In diesem Umfeld erwartet die Deutsche Bank, dass die US-Notenbank Fed ihre bis dato nach wie vor expansive Geldpolitik zunehmend restriktiver gestalten wird: Neben der bereits angelaufenen Verkürzung ihrer Bilanzsumme – indem auslaufende Anleihen nur noch in geringerem Umfang reinvestiert werden – ist mit vier weiteren Leitzinsschritten bis Ende 2018 zu rechnen. Dafür spricht auch, dass der Anfang November von US-Präsident Donald Trump auserkorene Nachfolger von Fed-Chefin Janet Yellen bisher stets ein Unterstützer ihrer Entscheidungen war: Jerome Powell dürfte nach Einschätzung der Deutschen Bank die US-Geldpolitik nach seinem möglichen Amtsantritt im Februar 2018 auf dem aktuellen Kurs halten.

Insgesamt dürften diese Entwicklungen auch das Zinsniveau am US-Kapitalmarkt beeinflussen: Während sich die möglichen Leitzinsschritte der US-Notenbank Fed unmittelbar auf den US-Geldmarktzins auswirken, ist auch mit Auswirkungen auf US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten zu rechnen. Hier dürfte sich die Bilanzverkürzung auch auf das Zinsniveau auswirken, da die Nachfrage nach Staatsanleihen durch die Notenbank sinkt. Die Deutsche Bank erwartet Ende 2018 ein Zinsniveau bei zehnjährigen US-Staatsanleihen von rund drei Prozent.

Für Anleger bedeuten steigende US-Zinsen, dass sie mit Gold – einem Investment, das selbst keine Zinsen abwirft – beispielsweise im Vergleich zu US-Staatsanleihen höhere entgangene Zinserträge befürchten müssen, also die „Opportunitätskosten“ eines Goldinvestments steigen. Das drückt in der Regel die Nachfrage und damit den Goldpreis. Bis zum Jahresende 2017 erwartet die Deutsche Bank insgesamt weiter fallende Notierungen auf 1.250 US-Dollar und zum Ende des Jahres 2018 auf 1.230 US-Dollar. Bei diesen Prognosen wurde berücksichtigt, dass die Marktteilnehmer die vier möglichen US-Leitzinsanhebungen bisher noch nicht vollständig eingepreist zu haben scheinen. Je nachdem wie dies in den kommenden Monaten geschieht, ist sogar ein stärkeres Absinken des Goldpreises möglich.

Für Anleger sind das derzeit keine guten Aussichten für ein Goldinvestment. Zwar kann Gold als Beimischung im Portfolio eine Absicherungsfunktion übernehmen. Aktuell betrachtet die Deutsche Bank neue Engagements in das Edelmetall jedoch skeptisch.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

15.11.2017 | 20:39

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