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Crashgefahr an den Börsen: Minenaktien mit eindrucksvollem Comeback

Kriegsgefahr macht Goldminen und andere Schürfstättem wieder deutlich profitabler. (Bild: Fotolia / Taras Vyshnyra)


Plötzlich sind sie wieder zurück auf dem Schirm der Investoren: Aktien von Bergbau- und Rohstoffkonzernen wie BHP Billiton, Rio Tinto, Glencore oder Newmont Mining. Der plötzliche, überraschend starke und andauernde Preisanstieg vieler Edelmetalle, insbesondere der von Gold, hat ihnen kräftige Kursgewinne beschert. Und jetzt könnte es erst richtig losgehen. Vor allem die Ängste vor einem baldigen Börsencrash und einer Eskalation in Nordkorea hinterlassen ihre Spuren.

Der Goldpreis, er steigt und steigt und steigt. Seit Anfang Juli hat der Kurs des Edelmetalls mehr als elf Prozent an Wert gewonnen. Von 1.213,29 auf 1.353,41 US-Dollar ging es nach oben. Nun steuert der so wertvolle Rohstoff sogar schnurstracks auf die charttechnisch entscheidende Linie bei 1.370 Dollar zu. Schafft er es sie zu durchbrechen, könnten noch weitere goldene Monate bevorstehen. Der Weg in Richtung 1.700-1.800 Dollar, so schätzen einige Analysten, wäre damit frei.

Neben dem Metall selbst, könnten an den Märkten nun aber vor allem auch die Aktien einiger Minenkonzerne für Furore sorgen. Nicht nur Gold schnellt in die Höhe, auch viele weitere Edel- und Industriemetalle klettern auf ihrem Chartbild gen Norden. So verteuerte sich in den vergangenen zwölf Monaten Kupfer um 45 Prozent, Aluminium um 27 Prozent und Zink um 37 Prozent. Und auch Nickel legte um 18 Prozent zu. Gut möglich, dass die über Jahre anhaltende Durststrecke der Bergbau- und Rohstoffkonzerne nun ihr Ende findet. So hat beispielsweise die Aktie von BHP Billiton, dem größten Bergbauunternehmen der Welt, von Ende Juni bis heute knapp 23 Prozent an Wert gewonnen. Und folgt dabei in Sachen Kursverlauf schon das ganze Jahr über besonders auffällig dem Chartbild des Goldpreises, was angesichts der rosigen Aussichten in Bezug auf das Edelmetall Hoffnung auf mehr macht.

Ebenso stützten die Ankündigungen, man wolle sich möglicherweise aus der US-Schieferölförderung zurückziehen und das milliardenschwere Kali-Investitionsprojekt in Kanada zunächst auf unbestimmte Zeit verschieben, den Kurs. Damit reagierte der australisch-britische Konzern unter anderem auf Paul Singer, Manager des Hedgefonds Elliott, der genau das gefordert hatte. Die erst vor kurzem veröffentlichten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016/2017 sind nach Ansicht der US-Bank Morgan Stanley zwar eher schwach ausgefallen, bei einem Nettogewinn in Höhe von 5,89 Milliarden US-Dollar und das wiederum im Vergleich mit den 6,4 Milliarden Dollar Verlust im Jahr zuvor ist die Bezeichnung „schwach“ allerdings auch relativ. Sollten die globalen Rohstoffpreise weiter steigen hat die Aktie durchaus Potenzial, auch wenn sie mit einem Kurs in Höhe von 1.405 Pfund inzwischen die Erwartungen vieler Analysten schon übertroffen hat und zudem kürzlich trotz kurzzeitigem Ausbruch an der Marke von 1.480 Pfund aus dem Januar des laufenden Jahres scheiterte.

Der wohl größte Konkurrent für BHP Billiton kommt ebenfalls aus Australien und trägt den Namen Rio Tinto. Das Bergbauunternehmen fördert über die verschiedensten Tochterunternehmen unter anderem Gold, Diamanten, Eisenerz und Kupfer. Zudem sind die Australier durch die Alcan-Übernahme zum größten Aluminiumproduzenten der Welt aufgestiegen. Und gerade die Preise für Aluminium und Kupfer waren zuletzt nochmal deutlich stärker in die Höhe geklettert als der für Gold. Und auch der Preis für Eisenerz zieht seit Juni dank starker Nachfrage aus China wieder an. Kupfer könnte zudem vom Hype um das Elektroauto profitieren. Die LBBW schätzt, dass im Jahr 2025 50 Millionen Elektrofahrzeuge weltweit auf den Straßen unterwegs sein werden. Und für die E-Auto-Produktion wird zirka das Vierfache an Kupfer benötigt als für konventionell angetriebene Fahrzeuge.

Aktien im Aufwind

Kein Wunder also, dass auch Rio Tinto seinen Aktionären beim Anblick des Chartbildes wohl ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Beinahe 60 Prozent legte die Aktie des Konzerns innerhalb eines Jahres zu, steht inzwischen bei 3.624 Pfund. Das ist ein deutlicher Aufschlag gegenüber dem Goldman-Sachs-Kursziel von gerade einmal 2.900 Pfund. Wesentlich optimistischer präsentiert sich mit 4000 Pfund da schon JP Morgan. Im Vergleich zu den Wettbewerbern und insbesondere zu BHP Billiton sähe die Aktie gut aus, meint Analyst Fraser Jamieson. Bewertung, Barmittelzufluss, Bilanz, Kapitaleinsatz und Produktionswachstum stimmten ihn positiv. Dank der gestiegenen Rohstoffpreise konnte Rio Tinto zudem seinen um Sondereffekte bereinigten Gewinn im ersten Halbjahr 2017 auf 3,9 Milliarden Dollar steigern. Ein Plus von 152 Prozent. Da auf kurze Sicht ein Ende des Preisanstiegs vieler Rohstoffe nicht in Sicht scheint, könnte Rio Tinto sein Ergebnis im zweiten Halbjahr nochmals steigern.

Von den steigenden Kupferpreisen konnte übrigens auch das deutsch MDax-Unternehmen Aurubis profitieren. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg gehört zu den größten Kupferproduzenten weltweit und konnte der eigenen Aktie dabei zusehen wie sie innerhalb eines Jahres um fast 60 Prozent auf 75,92 Euro stieg. Weiterhin konnten auch die Papiere von Glencore und Anglo American, zwei weitere Bergbau-Großkonzerne aus der Schweiz und Großbritannien, in den letzten Monaten an Wert zulegen. Beide Unternehmen hatten ebenfalls Umsatz und Gewinn deutlich steigern können.

Barrick Gold, das größte Goldunternehmen der Welt, hinkt dagegen in Sachen Aktienkurs noch etwas hinterher. Im Zeitraum eines Jahres verlor das Papier knapp zwölf Prozent an Wert, erholte sich angetrieben von der Mitte Juli gestarteten Goldpreis-Rallye aber etwas. Derzeit steht ein Kurs von 14,61 Euro zu Buche. Die Umstände für eine Fortsetzung der Erholung könnten zudem kaum besser sein. Staatschuldenproblematik, niedrige Zinsen, der Konflikt mit Nordkorea, die zunehmende Angst vor einem Börsencrash und nicht zuletzt eine günstige Situation am Terminmarkt könnten den Goldpreis weiter in die Höhe treiben. Da Minenaktien oft mit einer Art Hebel auf die Preisentwicklung des Edelmetalls reagieren sind die Gewinnchancen bei Barrick Gold oder auch anderen Goldminenaktien wie beispielsweise Newmont Mining, dem zweitgrößten Produzenten der Welt, oder Newcrest Mining, Australiens führendem Goldunternehmen, als hoch einzuschätzen. Damit einhergehend allerdings auch ihr Verlustpotential.

Die Durststrecke ist überwunden

Als es zwischen 2011 und 2015 mit dem Goldpreis um 45 Prozent nach unten ging, verlor der bedeutendste Goldminenindex weit mehr, nämlich zirka 85 Prozent. Und während sich Gold in den letzten zwei Monaten um zirka elf Prozent verteuerte, konnte der „NYSE Arca Gold Bugs“-Index, in dem 17 wichtige Goldminenaktien gelistet sind, ein Plus von 20 Prozent verbuchen. Gerade für spekulationsfreudige Anleger liegen da natürlich ein paar nette Optionen auf dem Börsenparkett. Die Chancen sind nicht von der Hand zu weisen. Die Risiken allerdings auch nicht.

Grundsätzlich aber herrscht derzeit ein sehr positive Stimmung, was die Kursentwicklung vieler Industrie- und Edelmetalle betrifft. Und das nicht nur bei Anlegern, sondern auch bei Analysten, Banken und sonstigen Experten. RBC Capital Markets sieht in den nächsten zwölf Monaten bei der Aktie von Barrick Gold ein Steigerungspotenzial von 18 Prozent, bei Newmont Mining eines von sieben Prozent. Insgesamt, so schreiben die Kanadier in einer Studie, sehe man bei fünf der sechs größten Goldminenkonzerne noch Luft nach oben. Nach Einschätzung von LBBW-Fondsmanagerin Yanjun Gast seien zudem trotz der nun erfolgten Preisanstiege viele Rohstoffe noch immer auf einem „historisch niedrigen Niveau“.

Und nicht wenige Experten sehen durch eine überraschend gute Konjunktur in China – im zweiten Quartal konnte die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent verkünden – und der vielen dortigen Großbauprojekte die weltweite Rohstoff-Nachfrage weiter steigen. Mit ein bisschen Glück könnte aus dem eindrucksvollen Comeback also auch noch eine ebenso eindrucksvolle und länger anhaltende Rallye werden. Oliver Götz

24.09.2017 | 22:22

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