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Der Kampf um Kobalt wird heißer

Das begehrte Metall.... so sehen es die Mineure. (Bild: Shutterstock)


Egal ob Apple, Tesla, Volkswagen oder BMW. Alle wollen sie ihn haben, den wertvollen Rohstoff, ohne den bislang kein Smartphone funktioniert und kein E-Auto fährt. Um Kobalt entbrennt allmählich ein erbitterter Kampf zwischen Staaten, Industrien und Konzernen. Für Anleger ein herrliche Auseinandersetzung. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Preis für eine Tonne des Schwermetalls vervierfacht.

Von Oliver Götz

Längst sind Nickel, Lithium und Kobalt die neuen Stars am globalen Rohstoffmarkt. Lange wollte sie keiner haben, mit Blick auf die weltweite Fahrzeug-Elektrifizierung stellen sie nun jedoch beinahe täglich neue Preisrekorde auf. Erdöl, Silber oder Gold scheinen sie in Sachen Attraktivität längst verdrängt zu haben. Vor allem Lithium und Kobalt gelten – obwohl zunächst ausreichend auf der Erde vorhanden – aufgrund bislang geringer Erschließung als besonders knapp. So verwundert es wenig, dass sich nun vor allem um Kobalt ein großer Kampf zu entfachen scheint. Im Gegensatz zu Lithium, das hauptsächlich in Südamerika und China vorkommt, werden derzeit 65 Prozent des globalen Kobalt-Angebots mit Vorkommen aus dem Kongo gedeckt, sprich aus einer der gefährlichsten Konfliktregionen der Welt. Das bringt schon per se hohe Unsicherheiten mit sich, und nun wollen auch noch die unterschiedlichsten Player ein Stück ab, vom lukrativen Kobalt-Kuchen.

Allen voran China. So hat kürzlich das Chemie-Unternehmen GEM als Teil der Wertschöpfungskette von Batteriezellen einen Mega-Deal mit dem Rohstoffkonzern Glencore abgeschlossen, der dem Unternehmen zukünftig mehr als 30 Prozent der gesamten Kobaltproduktion der Schweizer sichern soll. Der Vertrag soll drei Jahre lang laufen, 2020 die Liefermenge dann bei 21.000 Tonnen liegen, im laufenden Jahr planen die beiden Unternehmen wohl mit 13.800 Tonnen.

Und GEM ist bei weitem nicht allein mit seiner „Kobalt-Gier“. China will in Sachen E-Auto und Batterie-Produktion hoch hinaus, positioniert sich mit Blick auf letztere schon jetzt als Zulieferer Nummer Eins. Erst vor kurzem hat so beispielsweise auch Volkswagen, immerhin der größte Automobilhersteller der Welt, mit den Batterieproduzenten aus China und Südkorea einen Liefervertrag im Wert von 25 Milliarden Dollar unterzeichnet. Weitere Autohersteller könnten folgen. Und die Batterieproduzenten werden wohl alle nicht um das Schwermetall Kobalt herumkommen.

Zudem scheinen immer mehr Konzerne darüber nachzudenken, selbst Verträge mit den Rohstoff-Produzenten abzuschließen, um die maximale Versorgungssicherheit garantiert zu haben. So verhandeln wohl unter anderem VW und Tesla direkt mit Glencore. BMW kündigte in Person von Vorstand Markus Duesmann mit Bezug auf Lithium und Kobalt Anfang Februar gegenüber der an: „Ziel ist, uns den Materialstrom bis zur Mine zu sichern, und zwar für die kommenden zehn Jahre.“ Am Ende könnte das 100.000 Tonnen Kobalt entsprechen, so Duesmann weiter. Und auch Apple sitzt Berichten zufolge bereits am Verhandlungstisch. Mehrere tausend Tonnen jährlich will man sich von Minen-Konzernen für zunächst fünf Jahre zusichern lassen. Schließlich braucht es das wertvolle Metall auch für die Smartphone-Batterie. Bislang wird sogar rund ein Viertel der gesamten Produktion für das moderne Mobiltelefon verwendet. Mit den Autoherstellern kommt nun zusätzliche und vor allem riesige Konkurrenz auf Apple oder auch Samsung zu. Während in der Smartphone-Batterie gerade mal acht Gramm Kobalt stecken, braucht der E-Auto-Akku 8000 Gramm, also tausendmal so viel.

Es ist dieser Kampf der in Verbindung mit der Hoffnung auf den baldigen Durchbruch der E-Mobilität den Kobaltpreis nun schon seit Monaten die Kursleiter nach oben klettern lässt. Mit 89.000 Dollar ist ein Tonne so viel Wert, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Vor einem Jahr waren es noch 35.000 Dollar gewesen. Innerhalb von 24 Monaten hat sich der Preis vervierfacht. Ein Großteil von Experten und Analysten glaubt an eine baldige Überquerung der 100.000-Dollar-Linie. Die Chancen, dass das klappt, sind dem Anschein nach gut. Alles entscheidend jedoch ist, dass um Kobalt wirklich und langanhaltend gekämpft wird. Manch Batteriehersteller testet nämlich schon alternative Materialien. Damit unterliegt die vermeintlich sichere Kobalt-Rally spätestens auf dem zweiten Blick auch einem großen Risiko.

20.03.2018 | 16:08

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