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Preisanstieg bei Gold: kurzes Hoch oder langfristiger Trend?

Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Gold wird nie unmodern, so scheint es. (Bild: Degussa)


Mit der zunehmenden Unsicherheit hinsichtlich der politischen Entwicklungen in Europa und den USA rückt das Edelmetall seit einigen Monaten aber wieder in den Fokus vieler Anleger, nachdem es zuvor deutlich ruhiger um das Edelmetall geworden war. Dementsprechend zog auch der Goldpreis an – zumal . Anleger könnten dadurch den Eindruck gewinnen, dass der Kauf von Gold derzeit besonders interessant sein könnte. Doch stimmt das wirklich?

Von Ulrich Stephan

Die Stimmen, die einen Einbruch der zuletzt stark gestiegenen Aktienkurse vorhersagen, werden lauter. Ist der Kauf von Gold angesichts dessen derzeit wirklich besonders interessant? Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein differenzierter Blick auf die Aspekte, die den Goldpreis maßgeblich beeinflussen.

Betrachtet man zunächst die politische Situation in Europa und den USA, ist die gestiegene Verunsicherung der Marktteilnehmer durchaus verständlich. Während jenseits des Atlantiks trotz vieler Absichtserklärungen nach wie vor keine klare Linie der neuen US-Regierung unter Donald Trump zu erkennen ist, bereiten die anstehenden Wahlen und die damit unsichere zukünftige politische Ausrichtung in den Niederlanden und Frankreich vielen Europäern zunehmend Sorgen. Auch wenn eine gewisse Beimischung von Gold im Depot in einer solchen Phase interessant erscheinen könnte – die Deutsche Bank geht derzeit nicht davon aus, dass sich die politischen Risikofaktoren in den kommenden Monaten verstärken werden. Eine zunehmende Nachfrage nach Gold erscheint daher aktuell eher unwahrscheinlich.

Gegen eine Fortsetzung des aktuellen Goldpreisanstiegs könnten auch fundamentale Faktoren wie die Opportunitätskosten sprechen. Diese beschreiben die Tatsache, dass Gold im Gegensatz zu einer als vergleichsweise sicher geltenden Staatsanleihe keine Zinserträge erwirtschaftet. Das bedeutet: Je höher der Kapitalmarktzins ist, desto größer ist der Zinsertrag, der einem Anleger entgeht, wenn er in Gold statt in Anleihen investiert. Hohe Opportunitätskosten drücken gemeinhin auf den Goldpreis. Aktuell ist dieser Zusammenhang zwar noch nicht deutlich zu erkennen. Allerdings erwartet die Deutsche Bank in den kommenden Monaten insbesondere in den USA, aber auch in Europa weiter steigende Zinsen – und dadurch steigende Opportunitätskosten von Gold.

Zunehmend dämpfend auf den Goldpreis könnte sich auch die Entwicklung des US-Dollar auswirken. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass im Zuge der verbesserten Wirtschaftsaussichten in den USA und einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank der US-Dollar im Vergleich zu allen wichtigen Währungen (wie z. B. Euro und Yen) im Jahresverlauf weiter aufwerten könnte. Da Gold weltweit in US-Dollar gehandelt wird, würde sich das Edelmetall für Anleger außerhalb der USA verteuern und weniger interessant werden.

Insgesamt erwartet die Deutsche Bank auf längere Sicht keine Ausweitung der Goldnachfrage und damit auch keinen signifikanten Anstieg beim Goldpreis. Zwar könnten die Notierungen zum Beispiel durch Käufe im Vorfeld der indischen Hochzeitssaison oder des chinesischen Mondneujahres kurzzeitig leicht anziehen – einen langfristigen Effekt dürften diese Ereignisse jedoch nicht haben. Gold könnte damit eine mögliche Beimischung des Depots sein. Als reine Geldanlage dagegen erscheint das Edelmetall insbesondere zurzeit wenig interessant.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

03.03.2017 | 18:57

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