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SPD näher an AfD als an Union

Bild: Campo Data / The European


In der Schlussphase des Wahlkampfs scheint die AfD neuen Zulauf zu verzeichnen. Die Meinungsforscher erwarten inzwischen ein klar zweistelliges Ergebnis für die Rechtspopulisten. Im Vergleich zur Bundestagswahlwahl von 2013 – damals erzielte die AfD 4,7 Prozent – dürfte sie ihr Ergebnis mehr als verdoppeln. Nach derzeitiger Umfragenlage würde die AfD drittstärkste Kraft in Deutschland. Die SPD hingen fällt in den Umfragen weiter zurück. Sie muss am Sonntag mit dem schlechtesten Ergebnis in der bundesrepublikanischen Geschichte rechnen.

Falls es abermals zu einer Großen Koalition kommt, wird die AfD den Oppositionsführer oder die Oppositionsführerin im Bundestag stellen. Das ist, für sich genommen, bemerkenswert. Aber noch weit bemerkenswerter ist, wie nahe sich AfD und SPD inzwischen gekommen sind. Nach aktuellem Umfragestand trennen beide Parteien nurmehr 8,5 Prozentpunkte.

Der Abstand zwischen SPD und Union beträgt hingegen 14 Prozentpunkte. Allerdings bröckeln auch für CDU/CSU die Zustimmungswerte immer weiter ab und liegen jetzt nur noch bei rund 35 Prozent. Starke Ergebnisse werden für FDP und Linkspartei signalisiert, wobei die Linken ihre Mobilisierung der vergangenen Wochen in die Schlusstage hinein offenbar nicht fortsetzen können. Sie stagnieren jetzt bei zehn Prozent. Etwas stabilisieren können sich auch die Grünen, die mit acht Prozent relativ sicher wieder in den neuen Bundestag einziehen dürften – allerdings den klar letzten Platz belegen.

Für eine schwarz-gelbe Koalition scheint es nicht zu reichen. Eine Große Koalition hätte trotz der großen Verluste beider Volksparteien immer noch eine klare Mehrheit – aber auch eine Jamaica-Koalition aus Union, FDP und Grünen wäre mehrheitsfähig. Insgesamt verschiebt sich die politische Achse der Republik wohl deutlich nach rechts.

Sollte die SPD unterhalb der magischen Marke von 20 Prozent landen, dann wäre das das mit Abstand schlechteste Ergebnis für die deutsche Sozialdemokratie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Doch nicht nur das. Es stünde wohl auch eine Palastrevolution ins Haus. Ob Martin Schulz Oppositionsführer im Bundestag werden möchte? Oder leichtgewichtiger Juniorpartner als Minister von Merkels gnaden? Oh, wie lange ist es her, seit Schulz, im Brüsseler Glorienschein stehend, auf gleicher eben mit Merkel reden konnte!

Weder die Dieseldebatte noch der fast schon wieder vergessene Fipronilskandal beflügeln die Zustimmungswerte für die Grünen. Vielleicht schwant es vielen Menschen, dass sie zugleich eine Gender-Schulpolitik erhalten, wenn sie der erklärten Umweltpartei die Stimme geben. Und Reglementierungen aller Art anstatt wirksamer Umweltschutzmaßnahmen. Der legendäre Satz von Claudia Roth schließlich könnte die Grünen auch wieder Stimmen kosten: „Ihr Ausländer, lasst uns nicht mit den Deutschen allein!“ Derartige Beschimpfung kommt eben nicht überall gut an, und seit September 2015 hat dieser Stoßseufzer ein ganz neues Geschmäckle bekommen. Vielleicht erscheint eine Koalition, in der Angela Merkel und Claudia Roth gemeinsam die Flüchtlingsströme lenken, vielen Wähler auch nicht ganz ideal zu sein.

Seit dem 1. März versorgt die BÖRSE am Sonntag Sie, liebe Leser, mit aktuellen Umfragen und Informationen zur Bundestagswahl. Heute haben wir für Sie den aktuellen Umfragemittelwert aus den neuesten Zahlen von Allensbach, Emnid, Forsa, GMS, Infratest, INSA und der Forschungsgruppe Wahlen zusammengestellt, den CAMPOD DATA für The European und die BÖRSE am Sonntag erhoben hat.

21.09.2017 | 23:31

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