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Setzt der Kupferpreis seinen Aufwärtstrend fort?

Dr. Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

(Bild: Fotolia / 3desc)


Kupfer findet in ganz unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen Anwendung. Wie bei vielen anderen Rohstoffen spielt auch für die Entwicklung des Kupferpreises die Nachfrage des „Großverbrauchers“ China eine wesentliche Rolle, die immerhin knapp 48 Prozent der globalen Gesamtnachfrage ausmacht. Das bedeutet Phantasie.

Von Ulrich Stephan

Wenngleich sich die Wirtschaft im Reich der Mitte aktuell in einem Transformationsprozess von der „Werkbank der Welt“ hin zu einer stärker binnenmarktorientierten Ökonomie mit nachhaltigerem Wachstum befindet, besitzt die produzierende Industrie für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach wie vor eine große Bedeutung. Die Lage der chinesischen Wirtschaft beeinflusst daher maßgeblich die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten.

Bisher präsentiert sich China in diesem Jahr wirtschaftlich durchaus robust: Sowohl im 1. als auch im 2. Quartal 2017 lag das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 6,8 beziehungsweise 6,9 Prozent über den Erwartungen der Marktteilnehmer. Und die Dynamik scheint weiterhin hoch: So zog der private Einkaufsmanagerindex Caixin für das Verarbeitende Gewerbe im Juli mit 51,1 Punkten im Vergleich zum Vormonat (50,4) an – und liegt nach wie vor über der Schwelle von 50 Punkten. Neben den realisierten Wachstumsraten bleibt somit auch die Stimmung für die nahe Zukunft positiv.

Kupferpreis seit Jahresbeginn gestiegen

Von der soliden chinesischen Konjunktur konnten zuletzt auch die Notierungen zahlreicher Rohstoffe profitieren – zusätzlich unterstützt durch die jüngste USDollarschwäche. Denn da Rohstoffe in der Regel in US-Dollar gehandelt werden, sind sie in anderen Währungsräumen günstiger, was sich positiv auf die Nachfrage auswirken kann. Das gilt auch für Kupfer, dessen Preis schon seit Beginn des Jahres zulegen konnte: Seither stieg er um rund 15 Prozent auf aktuell 6.352 US-Dollar pro Tonne (Stand: 2. August 2017). Neben der Nachfrage insbesondere aus dem Reich der Mitte spielte auch die Angebotsseite eine Rolle. So sorgten am Kupfermarkt unter anderem Streiks in der weltweit ertragreichsten Kupfermine in Chile für erhebliche Produktionsausfälle und somit für Angebotsdefizite.

Die zuletzt positiven Entwicklungen auf der Nachfrageseite könnten sich künftig noch verstärken: Die Deutsche Bank hat ihre Erwartung für das Wachstum der chinesischen Kupfernachfrage in den kommenden drei Jahren von je 2 auf rund 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach oben korrigiert. Die Gründe liegen zum einen im aktuellen, im März 2016 vom Volkskongress beschlossenen Fünfjahresplan. Dieser beinhaltet unter anderem den Ausbau des Stromnetzes, welcher einen der wichtigsten Treiber der chinesischen Kupfernachfrage darstellen könnte. Hier sieht der Fünfjahresplan Investitionen in Höhe von umgerechnet 216 Milliarden Euro vor – eine Verdopplung im Vergleich zum vorhergehenden Fünfjahresplan.

Zum anderen könnte eine steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen die  Kupfernachfrage treiben. Denn während zum Beispiel in einem Auto mit Verbrennungsmotor rund 23 Kilogramm Kupfer verbaut werden, sind es laut Schätzungen des Internationalen Kupferverbands bei Hybridfahrzeugen zwischen 40
und 60 Kilogramm. Alleine in China geht die Deutsche Bank bis zum Jahr 2020 für den Markt der Elektromobilität von einem jährlichen Wachstum in Höhe von etwa 28 Prozent aus.

Kupferinvestment scheint für Privatanleger derzeit kaum interessant

Zu beachten gilt es jedoch, dass ein großer Teil der positiven Erwartungen bereits in die aktuellen Kupfernotierungen eingepreist sein dürfte. Bis Jahresende rechnet die Deutsche Bank daher sogar mit einem leichten Absinken der Preise: Die Jahresendprognose für 2017 beträgt aktuell 5.600 US-Dollar pro Tonne – und auch für das Ende des kommenden Jahres liegt die Erwartung mit 6.000 US-Dollar pro Tonne unter dem aktuellen Wert. Außerdem könnten angesichts der gestiegenen Preise die Produzenten ihre Kapazitäten ausweiten, um höhere Erträge zu generieren, was die Notierungen aufgrund des gestiegenen Angebots zusätzlich belasten würde.

Aufgrund seiner hohen Leitfähigkeit für Elektrizität und Wärme sowie seiner Korrosionsbeständigkeit wird das Metall nicht nur beispielsweise in Wasserrohren, sondern auch in Kabeln oder Motoren verwendet Daher dürfte der Kupferpreis auch in Zukunft maßgeblich von der weiteren Konjunkturentwicklung abhängen – in China und weltweit. Sollte es hier zu einer Abkühlung kommen, dürfte das auch am Kupferpreis nicht spurlos vorübergehen. Insgesamt scheint ein Investment für Privatanleger angesichts der zahlreichen Unsicherheiten aus Sicht der Deutschen Bank derzeit uninteressant.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

05.08.2017 | 13:55

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