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Sind das die besten Lithium-Aktien 2018?

(Bild: Stutterstock)


Lithium könnte zum Rohstoff der Zukunft avancieren. Ohne das Leichtmetall ginge nicht nur E-Autos buchstäblich der Strom und der vielfach geforderten Verkehrswende der Schwung aus. Bereits jetzt übersteigt die Nachfrage die Förderung. Und immer mehr Unternehmen wollen an dem Boom teilhaben. Am Finanzmarkt sind hohe Kurszuwächse möglich. Zeit für einen Blick auf die vielversprechendsten Werte.

An der Börse wird Lithium schon lange als Metall der Zukunft gehandelt. Der Preis für den wertvollen Rohstoff hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Davon profitierten nach und nach auch immer mehr Explorer, Förder-Gesellschaften und Unternehmen aus der Weitverarbeitung, wie beispielsweise die Batterie-Hersteller. Inzwischen stehen die Aktienkurse jener Firmen und Konzerne hoch, die Wette auf eine baldige Verkehrswende und die weltweite Fahrzeugelektrifizierung wollen viele Anleger nicht ausschlagen. Dass diese Wette aufgeht, ist allerdings von entscheidender Bedeutung. Lithium wird zwar für viele verschiedene Produkte benötigt, vor allem ist das Leichtmetall aber essentieller Grundstoff für die E-Auto-Batterie. Die Chancen, dass davon bald eine große Anzahl benötigt wird, stehen gut. Immer mehr Hersteller, inzwischen auch BMW, Daimler und Volkswagen preschen mit Milliardeninvestitionen vor. Tesla baut eine eigene Batteriefabrik, auch VW hat über solch ein Unterfangen nachgedacht und 50 Milliarden bereitgestellt.

„Es wird erwartet, dass die Anzahl der neu verkauften Elektroautos in den kommenden Jahren auf fünf bis sechs Millionen Fahrzeuge ansteigt, was einem Marktanteil von ungefähr fünf bis sieben Prozent entspricht“, schreibt der Lynxbroker-Experte Sascha Sadowski. In der Folge sei bereits 2025 mit einem zusätzlichen Bedarf an Lithiumcarbonat von bis zu 300.000 Tonnen zu rechnen. Damit würde sich das derzeitige Marktvolumen in Höhe von 210.000 Tonnen mehr als verdoppeln. Da in den kommenden Jahren aber nur wenige Förderstätten neu in Produktion gehen würden, rechneten viele Experten mit Engpässen, erklärt Sadowski. Das dürfte den Lithium-Preis weiter in die Höhe treiben und damit auch die Erschließung neuer Minen und überhaupt die Förderung des Rohstoffs für die Bergbau- und Chemieunternehmen rentabler machen. An der Börse könnten Anleger mit diesen fünf Werten davon profitieren.

Sociedad Quimica Minera de Chile (SQM), der chilenische Chemie-Krösus ist mit einer Marktkapitalisierung von zirka 14 Milliarden US-Dollar ineben dem US-Konzern Albemarle der größte Lithium-Produzent der Welt und an der US-Börse NYSE gelistet. Dass ausgerechnet ein Unternehmen aus dem südamerikanischen Küsten-Staat solche eine bedeutende Rolle einnimmt, dürfte nur auf den ersten Blick verwundern. Chile nämlich weiß die nach Bolivien größten Lithium-Reserven der Welt in seinen Böden. Die abbaubaren Vorkommen des Landes werden auf 7,5 Millionen Tonnen geschätzt.

Für SQM wird dieser Lithium-Reichtum immer mehr zum Segen. Inzwischen ist das Leichtmetall wichtigster Profit-Bringer und damit für 61 Prozent des Gesamtgewinns und 30 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Alles in allem haben die Südamerikaner in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres einen Umsatz in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar erzielen können – ein Plus von zirka 14 Prozent. Der Gewinn je Aktie stieg in der Folge von 0,75 auf 1,21 US-Dollar.

An der Börse geht es für SQM schon seit dem Jahr 2015 aufwärts. Über die letzten zweieinhalb Jahre verteuerte sich die Aktie der Chilenen um mehr als 300 Prozent von umgerechnet 12 auf knapp 52 Euro. Kurz zuvor markierte der Kurs ein neues Allzeithoch bei 53,10 Euro. Damit ist das SQM-Papier bereits hoch bewertet. Steigt der Lithium-Bedarf jedoch wie erwartet weiter an und wird das E-Auto zur weltweiten Erfolgsgeschichte, dürfte es an weiterem Potenzial nicht mangeln. Vor allem, da die Lithiumreserven, auf die SQM zugreifen könne, dem Unternehmen auch in naher Zukunft die Rolle eines Marktführers garantiere, wie Experte Sadowski betont. Mit neuen Projekten in Argentinien, Chile und Australien versuche man seine Marktführerschaft zudem schon über das Jahr 2018 hinweg weiter und deutlich auszubauen.

Albemarle Corporation

Das hat sich auch der US-Konzern Albemarle zum Ziel gesetzt. Der zweite große Lithium-Produzent dürfte bereits jetzt in etwa ein Drittel des globalen Lithium-Geschäfts unter seiner Kontrolle wissen und forciert weitere Explorationsprojekte. Zudem will man in Australien eine neue Lithiumhydroxidanlage bauen und ab 2025 jährlich 100.000 Tonnen des Stoffes produzieren. Damit ginge – ausgehend von den aktuellen Lithium-Preisen – eine Steigerung des Jahresumsatzes von 1,4 Milliarden US-Dollar einher.

Kein Wunder, dass solche Zukunftspläne einhergehend mit einer bemerkenswerten Marktstellung am Finanzmarkt positive Spuren hinterlassen und zunehmend Investoren anlocken. Lag der Kurs der Albemarle-Aktie Mitte 2016 noch bei knapp 60 Euro, ist der Anteilsschein der US-Amerikaner inzwischen 110,50 Euro wert. Das entspricht beinahe einer Verdopplung des Kurswerts. Im November des vergangenen Jahres erklomm das Papier sein bisheriges Rekordhoch bei 124,60 Euro. Den darauffolgenden Rücksetzer könnten Anleger nun als Einstiegschance nutzen. Vielleicht lohnt es sich aber auch noch länger zu warten. Nach dem starken Kursanstieg, könnte sich die Konsolidierung durchaus noch fortsetzen. Auch Sadowski sieht weiterhin „Korrekturgefahr“. Er rät Anlegern dazu, „einen etwas längerfristigen Anlagehorizont zu haben“.

Lithium als Garant für hohe Gewinne

Die realwirtschaftliche Performance von Albemarle liefert alles in allem aber wohl trotz hohen Kurses genügend Gründe für einen Einstieg. Für 2017 rechnen die Verantwortlichen mit einem Umsatz von drei Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie wird irgendwo zwischen 4,40 und 4,50 Dollar erwartet. Und die steigende Nachfrage nach Lithium dürfte das Konzernwachstum weiter antreiben. Inzwischen erwirtschaften die Amerikaner mit dem Lithiumgeschäft 27 Prozent ihres gesamten Nettogewinns. Vor zwei Jahren lag der Anteil noch bei sechs Prozent. Und er dürfte „weiterhin überproportional steigen“, schreibt Experte Sadoswki.

Neben den beiden marktbeherrschenden Großkonzernen sind im Lithium-Geschäft auch noch viele kleinere und teils sehr junge Unternehmen aktiv. Am Aktienmarkt versprechen sie hohe Renditen und könnten sich mit steigender Lithium-Nachfrage zu beliebten Übernahmezielen entwickeln. Investments in diese „Lithium-Start-Ups“ sind aber nicht ohne Risiko. Viele der Unternehmen sind bislang reine Explorer, fördern also noch kein Lithium. Und die Geschichte zeigt, dass im Rohstoffsektor schon viele Firmen daran gescheitert sind schlussendlich auch profitträchtig in Produktion zu gehen.

Der australische Rohstoffkonzern Orocobre hat diesen Schritt bereits erfolgreich gemeistert. Seit 2015 fördert man in Argentinien über die Salar-de-Olaroz Mine, an der man zu zwei Dritteln beteiligt ist, Lithiumcarbonat. Experten bescheinigen der Mine eine Lebensdauer von mindestens vier Jahrzehnten. Insgesamt sollen 6,4 Millionen Tonnen des wertvollen Rohstoffs in dem bekannten südamerikanischen Salzsee lagern.

Orocobre ist mit einer Marktkapitalisierung von in etwa 800 Millionen Euro wahrhaftig ein kleiner Player am weltweiten Lithiummarkt. Mit Förderkosten von vergleichsweise niedrigen 3.500 US-Dollar pro Tonne haben sich die Australier jedoch in eine starke Wettbewerbsposition manövriert. In naher Zukunft sollen die Kosten sogar noch weiter fallen und auf 2.500 US-Dollar pro Tonne zurückgehen. Die Verkaufserlöse liegen derzeit bei rund 11.000 Dollar pro Tonne, womit zumindest dieses Projekt bereits heute hohe Profite einbringt. Insgesamt – so das selbstgesteckte Ziel  - sollten im Jahr 2017 14.000 Tonnen produziert werden. Hat das geklappt, entspräche dies einem Umsatz von 150 Millionen US-Dollar. Und 2018 soll die Produktion weiter gesteigert werden.

143 Prozent in nur sechs Monaten

Das sind nicht nur gute Aussichten, das ist auch bereits eine gute Performance im sogenannten „Jetzt“. Und so dürfte es wenig verwundern, dass die Aktie des Lithium-Förderers zuletzt nur eine Richtung kannte, nämlich die nach oben. Von ihrem letzten Tief bei umgerechnet 1,89 Euro aus dem August 2017 verteuerten sich die Orocobre-Anteile inzwischen auf 4,60 Euro. Das entspricht einem sagenhaften Kursplus von 143 Prozent. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich die Aktie beinahe verdreifacht.

Bei solchen Entwicklungen stellt sich freilich die Frage: Wie viele Kurspotenzial bleibt hier noch? Aufgrund ihrer Schwankungsanfälligkeit sei die Aktie jedenfalls nichts für Anleger mit schwachen Nerven, warnt Lynxbroker-Analyst Sadowski. Zudem biete es sich nach dem starken Kursanstieg an, erst einmal auf einen Rücksetzer zu warten. Werde die Lithiumproduktion in den kommenden Jahren bei konstant niedrigen Produktionskosten stetig gesteigert, rechne er aber durchaus noch mit Aufwärtspotenzial. Und dann gibt es da ja auch noch die üblichen Übernahmephantasien. Mit seiner hochprofitablen Mine in Argentinien dürfte Orocobre diesbezüglich ein heißer Kandidat sein.

Heiße Übernahmekandidaten

Neben Orocobre gibt es noch eine Reihe weiterer vielversprechender Unternehmen, die gemessen an den Branchenverhältnissen zwar klein sind, aber eben genau deshalb für Anleger besonders „fein“ werden könnten. Beispielswiese die beiden kanadischen Lithium-Förderer Standard Lithium und Millenial Lithium. Beides sind vor allem heiße Übernahmekandidaten. So verfügt Standard Lithium über ein großes Projekt in den USA – nicht weit von Teslas Gigafactory entfernt. Läuft hier die Produktion an, wäre das aus Transportgründen ein erheblicher Standortvorteil gegenüber Minen in Argentinien, Chile oder Bolivien. Bei Millenial Lithium derweil ist ein chinesischer Solarkonzern mit 17 Prozent eingestiegen.

Anleger wie Experten wetten derzeit auf eine baldige Komplettübernahme. Auch bei diesen beiden kanadischen Lithium-Explorern stehen die Kurse nach zuletzt starker Rally hoch, kommt es jedoch zu Übernahmen könnte es nochmals zu deutlichen Bewertungsaufschlägen kommen. Fallen diese allerdings aus, könnte es für die kleinen Player zunehmend schwer werden sich gegen die Großkonzerne zu behaupten. Denn die Rohstoff-Exploration verschlingt Unmengen an Geld, bevor überhaupt nur an profitable Förderung zu denken ist.

Fazit

Eines dürfte derweil klar sein: Die Lithium-Nachfrage steigt wohl auch in den nächsten Jahren weiter an. Und kommt es global zu einem endgültigen Durchbruch in Sachen E-Mobilität wird das Angebot zunächst kaum mit der Nachfrage mithalten können. Vor allem Aktien derjenigen Unternehmen, die Lithiumcarbonat bereits heute profitabel fördern, könnten für Anleger daher interessant sein und langfristig hohe Renditen versprechen. Die im Lithium-Sektor teils noch sehr volatilen Kursverläufe dürfen dabei allerdings nicht unterschätzt werden. Der Einstieg zur richtigen Zeit kann da schnell zum Lotteriespiel werden.

27.01.2018 | 01:00

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