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Stabile Ölpreise dank verlängerter Förderbeschränkung?

Stefano Angioni (Bild: Société Générale)

Bleibt der Ölpreis im Rahnmen? (Bild: Fotolia / krizz7)


Nach dem jüngsten OPEC-Treffen könnte am Ölmarkt die Luft erst einmal raus sein. Das könnte zunächst zu relativ stabilen Preisen führen. Ein Krisenszenario einmal ausgeschlossen spricht mittelfristig allerdings einiges für wieder fallende Notierungen.

Von Stefano Angioni

Um die Ölpreise zu stabilisieren, hatten sich die OPEC-Staaten Ende vergangenen Jahres erstmals wieder seit 2001 mit elf anderen Ölproduzenten unter der Führung Russlands auf eine gemeinsame Produktionskürzung verständigt. Die ursprünglich bis Juni laufende Förderbremse wurde auf der Sitzung am vergangenen Donnerstag in Wien nun um weitere neun Monate verlängert. Damit dürfte es in den kommenden Wochen an den Ölmärkten relativ ruhig bleiben. Stärkere Ausschläge in die eine oder andere Richtung werden von den meisten Analysten zunächst nicht erwartet. Für risikobewusste Anleger, die diese Einschätzung teilen, könnten Inline-Optionsscheine auf Öl damit eine interessante und renditestarke Investitionsmöglichkeit darstellen.

So bietet ein „Inliner“ auf die Nordseesorte Brent mit Fälligkeit Mitte September derzeit beispielsweise eine Renditechance von 27,4 Prozent. Einzige Bedingung für ein Aufgehen des Investments ist dabei, dass der zugehörige Brent Future die beiden KO-Level von 42,50 beziehungsweise 70 US-Dollar bis zum finalen Bewertungstag (8. September 2017) kein einziges Mal berührt oder verletzt. Sollte dies geschehen, kommt es zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Dazu müsste der Future allerdings entweder um etwa als 36 Prozent zulegen oder gut 17 Prozent an Wert verlieren. Werden die KO-Level mit 44 und 68 US-Dollar bei ansonsten gleichen Bedingungen noch etwas enger gewählt, ist bei selbstverständlich erhöhtem Risiko sogar eine Rendite von bis zu 39,5 Prozent möglich. Dabei sei darauf hingewiesen, dass Inline-Optionsscheine nicht unbedingt bis zum Laufzeitende gehalten werden müssen.

Aufgrund ihrer Konstruktion kann schließlich schon eine Basispreisbewegung Richtung Korridormitte zu attraktiven Zugewinnen führen. Gleiches gilt für sinkende Volatilitäten sowie abnehmende Restlaufzeiten.
Mittelfristig spricht dagegen einiges für fallende Rohölpreise. So bezweifeln viele Experten, dass sich tatsächlich alle Länder an die Zusagen halten und dauerhaft weniger Öl produzieren werden. Auch sei es wahrscheinlich, dass die USA ihre Fracking-Produktion weiter hochfahren würden – so einige Analysten. Der technische Fortschritt in diesem Bereich ist enorm und die Kosten der unkonventionellen US-Ölförderung gehen kontinuierlich zurück. Die Preissetzungsmacht der OPEC ist deshalb schon jetzt relativ gering. Hinzu kommt der Vorschlag Trumps, die Hälfte der strategischen US-Ölreserve zu verkaufen.

Zur Erinnerung: Anfang 2016 war ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte zeitweise für unter 30 US-Dollar zu haben. Partizipieren ließe sich von einem erneuten Preisverfall beim „Schwarzen Gold“ beispielsweise mit Turbos Unlimited Short auf den Brent Future. Die Stop-Loss-Barriere entspricht bei diesem Produkttyp stets dem Basispreis und die Laufzeit ist theoretisch unbegrenzt. Bei einer Knock-Out-Schwelle von 66,73 US-Dollar beträgt der Hebel entsprechender Papiere aktuell 3,90. Bei einem Knock-Out von 58,73 US-Dollar liegt er bei 7,36.

Auch mittels Put-Optionsscheinen können Anleger an fallenden Öl-Preisen partizipieren. Ein Beispiel ist ein bis Dezember 2017 laufender Put mit Basispreis bei 50 Dollar, der also „leicht aus dem Geld“ notiert. Put-Optionsscheine bergen außerdem die Möglichkeit, zusätzlich von steigender Volatilität zu profitieren. Denn in der Regel gehen fallende Preise eines Basiswerts mit steigender Volatilität einher. Ein Anstieg der Volatilität wiederum bewirkt eine Wertsteigerung des Put-Optionsscheins.

Gänzlich anders werden sich natürlich Anleger positionieren, die mit verstärkten Auseinandersetzungen im Nahen Osten rechnen. Sollten damit einhergehend deutliche Produktionsausfälle in der Region auftreten, böten sich insbesondere klassische Call-Optionsscheine mit verhältnismäßig langer Laufzeit an, die weit aus dem Geld notieren und damit entsprechend günstig zu haben sind. Ein Beispiel ist ein bis September 2018 laufender Call-Optionsschein mit Basispreis 66 Dollar. Doch Vorsicht, das Papier bezieht sich auf ein einen konkreten Öl-Future mit Fälligkeit im November 2018. Dieser Future notiert aktuell bei rund 52 Dollar – und somit leicht über dem aktuellen Spotpreis von 51,74 Dollar. Damit der Optionsschein am Laufzeitende einen inneren Wert aufweist, muss der Future am Ende über dem Strike-Preis von 66 Dollar notieren. Um mit dem Call einen Gewinn zu erzielen, ist aus heutiger Sicht am Laufzeitende sogar ein Future-Preis von rund 68 Dollar nötig.

Stefano Angioni ist Direktor im Cross Asset/Public Distribution der Societe Generale und für Emission, Vertrieb und Vermarktung von Strukturierten Produkten verantwortlich.

28.05.2017 | 00:21

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