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Zoll oder nicht Zoll, das ist hier die Frage

Stahlproduktion (Bild: Shutterstock)


Der Export von Stahl in die USA soll künftig mit 25 Prozent verzollt werden, wenn es nach dem Willen des US-Präsidenten Trump geht. Und auch die Einfuhr von Aluminium aus dem Ausland soll durch einen Strafzoll von zehn Prozent deutlich unattraktiver werden. Die entsprechenden Dokumente hat Trump bereits unterzeichnet und damit weltweit für Kritik gesorgt. Auch wenn es wohl nicht um „Sein oder Nichtsein“ geht: für Anleger ist es eine Frage von Bedeutung.

Von Sascha Sadowski

Weltweite Kritik hat sich Trump mit seinem Zolldekret eingehandelt. Insbesondere die großen Handelspartner wie China, die EU, Japan und Südkorea haben sich missbilligend geäußert. Nach den Plänen der US-Regierung sollen lediglich Kanada und Mexico von den Einfuhrzöllen verschont bleiben, offiziell weil sie sich noch in Verhandlungen zum nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA befinden.

Die offizielle Version klingt natürlich deutlich positiver als die inoffizielle, denn die USA sind auf die Stahl- und Aluminium-Importe aus den Nachbarstaaten angewiesen. Selbst wenn die US-Stahl- und Aluminiumindustrie bis auf das maximal mögliche hochgefahren wird, würde das nicht den Bedarf der Industrie decken. Kanada ist der größte Lieferant der USA für beide Produkte, Mexico immerhin noch der viertgrößte Stahllieferant. Dass ausgerechnet diese beiden Länder nun von den geplanten Zöllen ausgenommen wurden, ist schon sehr auffällig. Ganz davon abgesehen haben beide Länder bereits verlauten lassen, dass sie die NAFTA-Verhandlungen und die neuen Zölle unabhängig voneinander sehen. So leicht werden sie sich also hoffentlich nicht erpressen lassen.

Die Handelspartner der USA haben derweil zum Gegenschlag ausgeholt und angekündigt, ebenfalls über Zölle auf US-Produkte nachzudenken. Peking kündigte „harte Maßnahmen“ an, sollten die Zölle chinesischen Unternehmen schaden. Südkorea als drittgrößter Importeur von Stahl in die USA möchte die Chance ergreifen, neue Märkte für seine Stahlproduktion zu erschließen, will aber auch sein Möglichstes tun, um auf die Liste derjenigen Länder zu gelangen, die von den Zöllen ausgenommen sind. Japan will zunächst abwarten, ob und wie japanische Unternehmen belastet werden, bevor es sich weiter äußert.

In der EU regt sich derweil Widerstand gegen die Einführung der US-Zölle. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström ist der Meinung, dass die EU von dieser Maßnahme ausgenommen bleiben sollte und kündigte an, dass die EU Einfuhrzölle auf amerikanische Produkte prüft und gegebenenfalls in die Tat umsetzen könnte. Der Plan der EU, Zölle auf US-Produkte zu erheben ist ja an sich legitim, allerdings ist die derzeit kursierende Liste der möglichen Produkte mit Orangensaft, Bourbon, Levis Jeans und Erdnussbutter doch eher lachhaft, selbst wenn der Orangensaft dann 1,50 Euro statt 1,29 Euro pro Liter oder die Levis 501 statt 89,90 Euro plötzlich 109,90 kostet. Diese Maßnahmen werden zwar die Verbraucher zu einem gewissen Grad spüren, einen wirklichen Schaden wird das für die US-Wirtschaft aber nicht bedeuten. Gleiches gilt auch für die vielfach erwähnte Harley Davidson, denn wie oft kauft man sich schon ein neues Motorrad und ein Liebhaber wird auch bereit sein, den höheren Preis zu bezahlen.

Noch bleibt abzuwarten, ob sich Trump mit seinem angeblich leicht zu gewinnenden Handelskrieg durchsetzen wird, denn auch im eigenen Land bekommt er inzwischen spürbaren Gegenwind von Handelsexperten. Sie diskutieren derzeit, ob Trumps Berufung auf die Nationale Sicherheit vor den Augen der World Trade Organisation (WTO) Bestand haben wird, sollte es zu einer Klage der Handelspartner kommen. Sollten die USA mit ihrer Begründung der Zölle scheitern, könnte die WTO sie verbieten. Eine Weigerung der USA, dieses Urteil umzusetzen würde dann dazu führen, dass die USA aus der WTO ausscheiden wird. Dann könnten sie die Organisation jedoch auch nicht mehr anrufen, um sich gegen Einfuhrbeschränkungen und Zölle anderer Länder zu wehren, was zu einer Isolation führen würde. Ob Trump es darauf ankommen lassen will, wird die Zukunft zeigen.

Sascha Sadowski ist Finanzexperte beim Online-Broker LYNX in Berlin.

16.03.2018 | 13:58

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