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Analystenstimme der Woche: Adidas


Umsatzrekorde, Gewinnrekorde, Kursrekorde. Die Aktie des Herzogenauracher Sportartikelherstellers Adidas war für Anleger in den letzten Jahren so etwas wie ein Rundum-Sorglos-Paket. Auch die letzten Quartalszahlen überzeugten. Mal wieder. Baader Bank-Analyst Volker Bosse sieht deshalb mit einem Kursziel in Höhe von 220 Euro noch Luft nach oben und blickt optimistisch in die Zukunft.

Von Volker Bosse

Für das dritte Quartal 2017 gab Adidas einen um Währungseffekte bereinigten Anstieg des Konzernumsatzes  um zwölf Prozent bekannt, während Nike für die Monate Juni-August nur einen Umsatz auf Vorjahresniveau vermeldete und Under Armour in Quartal drei sogar einen Umsatzrückgang von minus fünf Prozent zu verzeichnen hatte. Somit konnte Adidas insgesamt Marktanteile hinzugewinnen. Besonders stark präsentierte sich der Umsatztrend in Nordamerika, dem weltweit größten und wichtigsten Sportartikelmarkt. Hier hat Nike eine dominierende Marktposition, Adidas jedoch ist aktuell deutlich angesagter. Die Marke mit den drei Streifen ist mit 23 Prozent (ohne Währungseffekte) gewachsen, während sowohl Nike als auch Under Armour einen Umsatzrückgang  von minus drei beziehungsweise minus zwölf Prozent zu verzeichnen hatten.

Ergebnissteigerungen besser als erwartet

Das Highlight des jüngsten Quartalreports Reports war aus unserer Sicht jedoch der besser als erwartete Anstieg sowohl der Brutto- als auch der EBIT-Marge um jeweils über 200bps yoy. Dies unterstreicht die Qualität des Wachstums von Adidas. Sowohl ein verbesserter Produkt- als auch Preismix haben geholfen, den Gegenwind von der Währungsseite mehr als zu kompensieren. Die Fußball-WM 2018 wird das Umsatzmomentum im vierten Quartal beschleunigen.

Nachdem das Umsatzwachstum des Konzerns von plus 19 Prozent im ersten Halbjahr des laufenden Jahres  in Quartal drei auf plus zwölf Prozent zurückging, dürfte sich das Konzernwachstum im letzten Quartal 2017 wieder beschleunigen. Der Launch der ersten Produkte für die WM 2018 ist geplant. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft wird der Trikot-Verkauf der teilnehmenden Nationen starten und damit zusätzliche Umsatzimpulse generieren.

Problemkind Reebok

Der Schwachpunkt im Adidas-Konzern ist und bleibt Reebok. Die Marke, die 2006 gekauft wurde und damals einen Umsatz von rund  drei Milliarden Euro erwirtschaftete, hat deutlich an Bedeutung im Konzern verloren. Wir erwarten für 2017 noch einen Umsatz in Höhe von rund zwei Milliarden Euro und auch margenmäßig liegt die Marke Reebok weit hinter der Profitabilität der Marke Adidas zurück. Die Probleme liegen vor allem im Heimatmarkt von Reebok. Während die Umsätze außerhalb der USA „hoch einstellig“ wachsen, gehen die Umsätze in den USA zurück. Doch CEO Kasper Rorsted zeigte sich im „Conference Call“ zuversichtlich, dass auch dieser Trend 2018 in Richtung Wachstum dreht. Reebok könnte im kommenden Jahr somit für eine positive Überraschung sorgen, da die Erwartungen niedrig sind. Die Bereinigung der Vertriebskanäle und die Fokussierung auf Fitness sollten sich auszahlen und damit auch die Profitabilität der Marke steigen, was dann auch dem Aktienkurs von Adidas helfen dürfte.

Auf gutem Weg die Ziele für 2020 früher zu erreichen

Gemäß CEO Rorsted soll der Konzernumsatz bis zum Jahr 2020 um durchschnittliche zehn bis zwölf Prozent pro Jahr wachsen und schlussendlich eine EBIT-Marge in Höhe von elf Prozent erreicht werden. Damit einhergehend rechnen die Herzogenauracher 2020 mit einem Konzernumsatz in Höhe von 25-27 Milliarden Euro und einem Nettoergebnis in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Angesichts des aktuellen Wachstumstempos und unserer Prognosen dürfte Adidas diese absoluten Ziele bereits ein Jahr vorher als in Aussicht gestellt erreichen. Damit dürfte der Sportkonzern bereits vor Ablauf des Jahres 2020 neue Mittelfristziele ausgeben, was den Aktienkurs weiter stimulieren dürfte.

Kursziel: 220 Euro

Wir bestätigen daher unsere Kaufempfehlung und unser Kursziel in Höhe von 220 Euro. Der operative Trend im dritten Quartal hat unterstrichen, dass Adidas weiter auf der Überholspur bleibt und sich deutlich besser als vor allem die US-Vergleichsunternehmen Nike und Under Armour entwickelt.

Volker Bosse ist Co-Head Equity Research Retail and Consumer bei der Baader Bank.

18.11.2017 | 01:50

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