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Bankensanierung: Indiens wichtiger Schritt zu mehr Wachstum

(Bild: Fotolia / salko3p)

Dr. Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)


Die Währungsreform, eine neue landesweit einheitliche Mehrwertsteuer, die Einführung von Sozialversicherungsnummern für nahezu alle Inder – der indische Premierminister Narendra Modi hat seit seinem Amtsantritt 2014 bereits einige Meilensteine seiner ambitionierten Reformagenda umgesetzt.

Von Ulrich Stephan

Dass Modis ambitioniertes Programm in einem so großen Land wie Indien mit seinen 29 Bundesstaaten, der sozialen Bandbreite innerhalb der Bevölkerung und der nach wie vor vergleichsweise ausufernden Bürokratie und Korruption nicht immer reibungs- und kritiklos ablief, liegt auf der Hand. Umso mehr können Modi diese Maßnahmen als Erfolge angerechnet werden.

Nun hat Modi sich einer weiteren großen Herausforderung angenommen: der Rekapitalisierung der öffentlichen Banken. Denn diese sind seit Jahren durch faule Kredite – sogenannte Non Performing Loans (NPL) – belastet, was sich einschränkend auf die Vergabe neuer Kredite auswirkt: Das Volumen von NPL ist auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2000, wobei rund 90 Prozent davon auf den Bilanzen der Staatsbanken lasten. Gleichzeitig ist das Wachstum der Kreditvergabe so niedrig wie zuletzt vor 25 Jahren – mit entsprechend hemmenden Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit und damit die wirtschaftliche Entwicklung im Land.

Kapitalhilfen für öffentliche Banken

Eine Kapitalspritze von umgerechnet 32 Milliarden US-Dollar – das entspricht rund 30 Prozent des Eigenkapitals der indischen Staatsbanken – soll hier für Abhilfe sorgen. Dadurch sollen Anreize geschaffen werden, die NPL als solche zu deklarieren, ohne die Eigenkapitalquote zu sehr zu belasten – auch die Ausgabe neuer Kredite soll durch die Erhöhung des Eigenkapitals vereinfacht werden. Modi erhofft sich dadurch eine Zunahme der Kreditvergabe und schließlich eine Beschleunigung des indischen Wirtschaftswachstums. Im Gegensatz zum Maßnahmenpaket von 2015 – als dasselbe Problem schon einmal, allerdings mit deutlich geringeren Mitteln angegangen wurde – erscheint die Summe aus Sicht der Deutschen Bank dieses Mal ausreichend, um den Marktteilnehmern das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der indischen Staatsbanken zurückzugeben.

Positive Impulse für Aktienmarkt erwartet

Kurzfristig lässt sich das Problem stockender Investitionen damit zwar kaum beheben – zumal die Kreditnachfrage vonseiten der Wirtschaft temporär eher moderat ist. Mittelfristig dürfte die Rekapitalisierungsmaßnahme die private Investitionstätigkeit und damit die indische Wirtschaft aber stützen. Das könnte sich auch auf den Aktienmarkt des Landes positiv auswirken: Im Zusammenspiel mit einer erwarteten Erholung der Unternehmensgewinne bleiben indische Aktien aus Sicht der Deutschen Bank damit insgesamt eine interessante Investmentmöglichkeit für entsprechend risikobereite Anleger.

Dr. Ulrich Stephan ist Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

03.11.2017 | 17:42

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