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CFDs und SFDs - Trading ohne Grenzen


Der im letzten Jahr vollzogene Markteintritt der Sparkassentochter S-Broker und der Comdirect-Bank in den Handel mit CFDs war so etwas wie der Ritterschlag für das noch junge Segment. Letzteres wird hierzulande von den Spezialisten CMC Markets, IG Markets und Marketindex dominiert. CFD ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „contracts for difference“. Die Entsprechung im Deutschen lautet Differenzkontrakte beziehungsweise Kursdifferenzgeschäfte.

CFDs auf dem Vormarsch

Entwickelt wurde das Produkt am Finanzplatz London, wo es zwischenzeitlich eine enorme Bedeutung erlangte: „Rund ein Drittel der Umsätze an der London Stock Exchange gehen bereits auf CFDs zurück“, so Thomas Pfaff von S-Broker in einem ARD-Interview. Die Dominanz der britischen Anbieter kommt also nicht von ungefähr. Doch der deutsche Markt entwickelt sich sprunghaft und hat inzwischen mächtig aufgeholt: „Deutschland ist mittlerweile einer der größten CFD-Märkte weltweit. Es gibt mehr aktive CFD-Trader in Deutschland als in Frankreich, Großbritannien, Singapur und Australien. Allerdings ist der britische Spreadbetting-Markt – ein ähnliches Finanzprodukt wie CFDs – größer als der deutsche Markt“, so Uwe Helmes, zuständiger Senior Analyst der australischen Marktforschungsfirma Investment Trends in einem Interview.

Neue Finanzinstrumente

CFDs gehören wie Optionsscheine und Zertifikate zur Gruppe der derivativen Finanzinstrumente. Wie der Name bereits andeutet, ist der Differenzkontrakt ein Vertrag zwischen einem Käufer und einem Verkäufer über den Ausgleich der Kursdifferenz eines bestimmten Basiswertes. Im Gegensatz zu Zertifikaten handelt es sich bei diesen Kontrakten jedoch um ein sogenanntes unverbrieftes Finanzinstrument. Das heißt, CFDs sind keine Wertpapiere –  wie beispielsweise Aktien – und auch nicht standardisiert. Dies hat zur Folge, dass die Kontrakte in der Regel nicht über eine Börse gehandelt werden. Stattdessen wird der Markt von den Anbietern selbst organisiert, die als Market Maker auftreten und die Kauf- und Verkaufskurse für die jeweiligen Basiswerte stellen. Das hat Vor- und Nachteile.

Transparenz ist Trumpf

Um eine bestimmte Position aufzubauen, muss im Falle der Differenzkontrakte zunächst einmal nicht die komplette Position erworben, sondern lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegt werden. Dadurch entsteht, ähnlich wie bei Futures, automatisch ein bestimmter Hebel, denn der Anleger partizipiert mit jedem Kontrakt zu 100% an der Entwicklung des Basiswertes. Einziger Einflussfaktor auf den Preis ist im Grunde die Entwicklung des Basiswertes selbst. Die Volatilität oder Angebot und Nachfrage spielen keine Rolle. Die Preisbildung ist daher besonders transparent und kalkulierbar: Im Unterschied zu Optionsscheinen beträgt die Partizipation an den Veränderungen des Basiswertes immer 100%.

So funktionieren CFDs

Die Funktionsweise lässt sich an einem Beispiel nachvollziehen. Der Kaufkurs eines CFDs entspricht dem Kurs des Basiswertes, in unserem Beispiel liegt dieser bei 100 Euro. Ein Anleger kauft nun 100 CFDs mit einem Gesamtwert von 10.000 Euro. Im Gegensatz zu der Direktanlage muss der Anleger jedoch nicht den vollen Betrag aufbringen, sondern lediglich eine Margingebühr in Höhe von 5% des Volumens hinterlegen. In unserem Beispiel also lediglich 500 Euro. Steigt der Basiswert, beispielsweise eine Aktie, in den folgenden Tagen um 5% auf 105 Euro, dann hätte der Anleger einen Gewinn von 500 Euro (100 Aktien x 5 Euro Gewinn) erzielt. Bezogen auf seinen Kapitaleinsatz von 500 Euro entspricht dies einer Rendite von 100%. Bei einem direkten Kauf der Aktie hätte der Anleger 10.000 Euro aufbringen müssen und bezogen darauf lediglich 5% erwirtschaftet. Mit den CFDs hebelt der Anleger seinen Einsatz in diesem Beispiel also um das 20-Fache.

Günstiger geht’s nicht

Weil Kauf und Verkauf nicht über eine Börse laufen, sind Geschäfte mit CFDs zudem auch deutlich günstiger. So weisen CFDs gegenüber Index-Zertifikaten tendenziell deutlich geringere Spreads auf. Bei zahlreichen Brokern beträgt die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs für DAX und Dow Jones gerade einmal zwei Punkte. Zinskosten werden nur bei einer Haltedauer über Nacht berechnet – Kommissionen fallen meist nur beim Handel von Einzeltiteln an. Dagegen kostet ein Kauf oder Verkauf bei Zertifikaten in der Regel mindestens 5 Euro – ein Round-Turn, das Öffnen und Schließen einer Position, mithin 10 Euro. Wer täglich mehrmals kauft und verkauft, kann im Laufe einiger Wochen daher mit CFDs Hunderte Euro sparen. Die häufig kritisierte Abhängigkeit von der Kursstellung des Market Makers gilt ebenso für Zertifikate. Zwar werden deren Preise an den Derivatebörsen quotiert – die Kurse kommen jedoch auch hier vom Market Maker. Dazu kommt, dass CFDs im Gegensatz zu den Zertifikaten unter die Einlagensicherung fallen. Bei einer Pleite des Emittenten ist das eingesetzte Kapital – im Gegensatz zu Zertifikaten – also nicht verloren.

Mischform aus CFD und Zertifikat

Eine Mischform aus CFDs und Zertifikaten stellen Straight Forward Dealings dar, sogenannte SFDs. Letztere wurden von Lang & Schwarz entwickelt und sind im Gegensatz zu den CFDs verbriefte Produkte. Insofern fallen sie nicht unter die Einlagensicherung und der Anleger trägt das Kontrahentenrisiko, sprich das Risiko eines Ausfalls des Emittenten. Ein Vorteil gegenüber den CFDs ist demgegenüber, dass sich die Spreads konsequent an An- bzw. Verkaufskursen der Basiswerte orientieren: „Der ständige Vergleich mit dem Referenzmarkt XETRA gibt dem Anleger die Sicherheit, dass sein Investment im Ergebnis von nichts anderem, als von der Entwicklung der zugrunde liegenden Aktie beeinflusst wird“, so Lang & Schwarz. Weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Verlustrisiken. SFDs verfügen stets über eine Stop-Loss-Barriere. Auf diese Weise ist der maximale Verlust auf das eingesetzte Kapital begrenzt. Das ist bei CFDs nicht standardmäßig der Fall, jedoch bieten viele Broker mittlerweile entsprechende Konten oder Einstellungsmöglichkeiten an.

Schwere Geschütze

Den neuen Finanzinstrumenten gemein ist, dass es sich sämtlich um „Over the Counter“-(OTC)-Produkte handelt. Wie der Name bereits andeutet, werden diese nicht über eine Börse, sondern direkt zwischen den Transaktionspartnern abgewickelt. Die Kombination aus geringen Gebühren und hohen Hebeln von bis zu 200 machen die Produkte vor allem für Heavy Trader interessant. Die Produkte ermöglichen es ihnen, selbst mit kleiner Kapitalausstattung ein relativ großes Rad zu drehen. Auf diese Weise lässt sich auch aus Kursbewegungen von nur wenigen Indexpunkten noch Kapital schlagen. Der Anlagehorizont dieser Klientel ist auf einige Stunden begrenzt, die einzelnen Positionen werden nicht selten nur wenige Sekunden oder Minuten gehalten. Für diese Gruppe eignen sich die Differenzkontrakte also perfekt. Aber auch die wachsende Zahl trading-orientierter Anleger mit kleineren Budgets kann aus den Produkten Vorteile ziehen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich zunächst mit der Funktionsweise auseinandersetzt und ein Gefühl für die Hebelwirkung entwickelt. Demokonten der Broker und kleinere Einsätze auf SFDs – die mit einem vergleichsweise moderaten Hebel von 5 ausgestattet sind – sind hierfür prädestiniert.

Fazit

Insbesondere für semi-professionelle Anleger nehmen die Möglichkeiten mit CFDs & Co. deutlich zu. Long- und Short-Differenzkontrakte auf Aktien, Währungen, Indizes und Rohstoffe sowie ein Zugang zum Forex-Handel werden zudem auch von immer mehr Online-Brokern angeboten und machen die Produkte in der Breite bekannt. Mit den wachsenden Handlungsspielräumen entfallen immer mehr Handelsbeschränkungen. Private Akteure können so in Bereiche vordringen, die einstmals den Profis vorbehalten waren.

20.07.2012 | 00:00

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