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US-Wirtschaft wächst dynamischer – gutes Umfeld für Anleger

(Bild: Fotolia / spiritofamerica)

Dr. Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)


Ein vergleichsweise schwaches erstes Quartal, ein etwas besseres zweites – und jetzt ein starkes drittes? Die Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft scheint sich aktuell tatsächlich zum Besseren zu wenden. Nach den Enttäuschungen bezüglich der ausgebliebenen wirtschaftsfördernden Maßnahmen vonseiten der neuen US-Regierung unter Donald Trump sendet die größte Volkswirtschaft der Welt derzeit wieder deutlich positivere Signale.

Von Ulrich Stephan

Insbesondere der Einzelhandel konnte positiv überraschen – das ist umso bedeutender, als dass die US-Wirtschaft stark vom Binnenkonsum getragen wird. Im Juli 2017 legten die Umsätze im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent zu, das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als von den Marktteilnehmern erwartet. Gleichzeitig wurden die Juniwerte deutlich nach oben korrigiert. Insgesamt sprechen diese Zahlen dafür, dass sich die von einigen Seiten befürchtete Wachstumsschwäche des privaten US-Konsums zumindest in absehbarer Zeit nicht manifestieren dürfte.

Im Gegenteil scheint in diesem Bereich durchaus noch spürbares Wachstumspotenzial zu bestehen. Unterstützen könnte eine solche Entwicklung auch der weiterhin positive Trend bei der Beschäftigung: So zeigte sich der US-Arbeitsmarkt zuletzt äußerst stark und übertraf mit 209.000 neu geschaffenen Stellen im Juli die Erwartungen der Analysten. Auch die Arbeitslosenquote, die im selben Monat von 4,4 Prozent auf 4,3 Prozent sank, spiegelt das positive Bild wider.

Gute Stimmung in der Industrie

Neben dem Konsum hat sich auch die Lage im Verarbeitenden Gewerbe deutlich verbessert: Der Empire State Manufacturing Index – ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung des Bundesstaates New York – sprang im August auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Dabei konnten insbesondere die Auftragskomponente und die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden zulegen – eine Entwicklung, die aus Sicht der Deutschen Bank auf eine erhöhte Kapazitätsauslastung (Juli 2017: 76,7 Prozent, Tiefpunkt 2009: 66,7 Prozent, Quelle: Board of Governors of the Federal Reserve System) und zumindest eine Fortsetzung, wenn nicht gar Verstärkung des Aufschwungs in der gesamten US-Industrie hindeutet.

Insgesamt nähren die derzeitigen Konjunkturdaten die Hoffnung auf ein starkes drittes Quartal für die US-Wirtschaft. Die Deutsche Bank erwartet aktuell ein Wachstum von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das „GDP Now“-Modell“, eine Prognose zum Bruttoinlandsprodukt der Atlanta Fed, schätzt hierfür sogar ein annualisiertes Wachstum von 3,8 Prozent (Quelle: Federal Reserve Bank of Atlanta, Stand 16.08.2017). Sollte Donald Trump entgegen vieler Erwartungen dann doch noch zumindest einen Teil seiner angekündigten Wirtschaftsmaßnahmen in die Tat umsetzen können, könnte sogar positives Überraschungspotential bestehen.

Positiveres Umfeld für US-Aktien

Aus Sicht entsprechend risikobereiter Anleger rückt die mögliche wirtschaftliche Belebung in den Vereinigten Staaten den US-Aktienmarkt wieder etwas stärker in den Fokus des Interesses. Zumal den guten Konjunkturaussichten nur wenig Gegenwind von geldpolitischer Seite drohen dürfte. Wie die US-Notenbank Fed in ihrem jüngsten Protokoll vom 16. August klarstellte, wird sie auch wegen der nach wie vor verhaltenen Inflationsdynamik im Lande die Abkehr von ihrer lockeren Geldpolitik nur sehr moderat vornehmen. Zwar dürfte der geldpolitische Straffungskurs fortgesetzt werden, mit einem schnellen Abbau der Fed-Bilanzsumme oder stark steigenden Leitzinsen ist bis auf Weiteres jedoch nicht zu rechnen. Die Deutsche Bank sieht insgesamt weiteres Kurspotenzial am US-amerikanischen Aktienmarkt – auch wenn Anleger mit entsprechender Risikobereitschaft die weiteren wirtschaftlichen und (geld-)politischen Entwicklungen jenseits des Atlantiks jederzeit genau im Auge behalten sollten.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

25.08.2017 | 00:34

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