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Viel Licht und ein wenig Schatten bei Volkswagen

Fährt automatisch vor: der VW Sedric. (Bild: Volkswagen)

Fährt auch automatisch zum Ziel: das Self Driving Car. (Bild: Volkswagen)


Volkswagen geht technologisch in die Offensive. Sehr konsequent und zukunftsweisend gedacht ist der neue Sedric, ein Auto ohne Pedale und Lenkrad, das auf gesprochene Befehle reagiert. Letzteres könne man, so manche Kritiker, vom VW-Konzern ansonsten nicht behaupten: die EU-Kommission zum Beispiel betrachtet die Vergangenheit und möchte Strafzahlungen für den Dieselskandal auch in Europa. Die Rechtslage jedoch gibt dem Autobauer Recht.

In den USA zahlt Volkswagen wegen geschönter Abgaswerte Milliarden an Autobesitzer, in Europa gehen die VW-Kunden finanziell leer aus. Die EU-Kommission will es nicht dabei belassen. Justizkommissarin Vera Jourova deswegen verlangt finanzielle Entschädigungen an die 8,5 Millionen betroffenen Autofahrer in Europa und forderte am Dienstag „konkrete Ergebnisse“ bis Ende April. Doch fanden  und Verbraucherschutzbehörden der EU-Länder bei einer Sitzung in Brüssel noch keinen gemeinsamen Rechtsstandpunkt. Und ohne einen Beschluss gegen Volkswagen, dem auch Deutschland beitreten müßte, gibt es keine Strafzahlungen, denn in einem solchen Fall entscheidet nationales Recht in dem Land, in dem der betroffene Konzern seinen Rechtssitz hat. Die EU-Kommission selbst hat kaum eine Handhabe gegen VW.

Sedric – self driving car

Volkswagen hat am Vorabend der Automobilmesse in Genf sein erstes Konzept eines selbstfahrenden Autos vorgestellt. Das Sedric getaufte Fahrzeug soll die Zukunftsstrategie des Konzerns repräsentieren.Dies ist ein deutlciher Schritt in Richtung der erfolgreichen Entwicklung von sogenanntem automatisierten Fahren. Experten sind sich einig, dass dies ein künftiger Wachstumsbereich der Automobilbranche sein wird. „Unser Concept Car steht für ein neues Selbstverständnis und für eine neue Form der Zusammenarbeit und des Know-how-Transfers im Konzern“, sagt Vorstandschef Matthias Müller.

Sedric soll auf Knopfdruck vollautomatisch vor dem Haus vorfahren und seine Insassen ebenso vollautomatisch an das gewünschte Ziel expedieren. Die jetzt erfolgte Vorstellung des selbstfahrenden Gefährts soll die Bedeutung des vollautomatisierten Fahrens in der Zukunftsstrategie des Konzerns unterstreichen, hieß es. „Viele Elemente und Funktionen dieses Concept Cars werden wir in den kommenden Jahren in den Fahrzeugen unserer Marken wiederfinden“, ergänzte Müller.

Wie das Handelsblatt berichtet, hat VW hatte im Rahmen seiner bis 2025 ausgelegten Strategie auch eine dreizehnte Marke gegründet, Moia. Sie sollten moderne Formen der Automobilnutzung wie Car-Sharing oder Taxidienstleistungen über Apps anbieten. Die Vorstellungen reichten dabei hin bis zu vollständig autonom fahrenden Taxiflotten, wie das Blatt berichtet. Die VW-Aktie hat auf die Vorstellung des Sedric noch nicht nennenswert reagiert, liegt aber auf Erholungskurs nach dem annus horribile seit Bekanntwerden des Dieselskandals. Analysten und Experten trauen dem VW-Papier aber in nicht allzu ferner Zukunft wieder Kurse über 200 Euro zu. sig

08.03.2017 | 13:53

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