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IBM-Aktie unter Druck: Buffett verkauft

IBM adieu: Warren Buffett (Bild: Twitter)


Der Wandel in der IT-Branche ist gravierend, und das bekommt einer der bedeutendsten Konzerne im klassischen Computerbau, IBM, deutlich zu spüren. Im ersten Quartal 2017 sanken die Erlöse, verglichen mit dem Vorjahreswert, um drei Prozent auf 18,2 Milliarden Dollar. Nun hat Warren Buffett im großen Stil IBM-Aktien verkauft. Der Grund ist aber nicht nur in den aktuellen Zahlen zu suchen.

Vorstandschefin Ginni Rometty hat keinen einfachen Job bei IBM. Sie forciert den Wandel vom klassischen Computerhersteller und -Dienstleister zum modernen Anbieter von Cloud-Services, Daten-Analyse, künstlicher Intelligenz und Sicherheits-Software. Warum sie das tut? ein blick auf die Zahlen von Amazon genügt. Die BÖRSE am Sonntag wird dazu am Sonntag eine ausführliche Analyse bringen. Clicken sie rein! Die Geschäftsbereiche, auf die Rometty damit setzt, verzeichnen durchaus starkes Wachstum. Der Umsatz mit Cloud-Diensten, bei denen Anwendungen auf Servern im Internet ausgelagert werden, kletterte im ersten Quartal um 33 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar.

In der Technologie-Sparte, wo der Konzern den größten Teil seiner Einnahmen erzielt, sanken die Erlöse um 2,5 Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar. Der Geschäftsbereich verzeichnete damit das erste Minus seit drei Quartalen. Der Umsatz mit Großrechnern und System-Software, wo IBM sich schon länger kein Wachstum mehr verspricht, brach um 17 Prozent ein. Der Überschuss im Gesamtkonzern ging um 13 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar (1,7 Mrd Euro) zurück. Analysten hatten zwar mit einem noch etwas geringeren Gewinn, aber mit höheren Erlösen gerechnet. Anleger reagierten bereits im April enttäuscht und schickten das IBM-Papier mehrmfach mit tagesverlusten um die fünf Prozent auf die Bretter.

Warren Buffett reagiert

Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat sich nun von einem großen Teil ihrer IBM-Aktien getrennt. Wie der Chef der Holding, Starinvestor Warren Buffett, gegenüber dem US-TV-Sender CNBC erklärte, wurde die Beteiligung von 81 Millionen auf rund 50 Millionen IBM-Aktien verringert. Der Verkauf ist, wie fianzen.net berichtet, zu einem Preis von 180 US-Dollar je Aktie über die Bühne gegangen. Damit muss der Verkauf in etwa Ende Februar über die Bühne gegangen sein, die transaktion wurde aber jetzt erst bekannt. Aktuell kostet die IBM-Aktie an der Wall Street etwa 159 US-Dollar.

Der Grund für den Verkauf war nach Angaben des Star-Investors, dass wegen der starken Konkurrenz die Beteiligung neu zu bewerten gewesen sei. Damit dürften Innovationen wie die von Amazon oder auch anderen Anbietern von Cloud-Diensten gemeint sein. Nähere Informationen zu den Gründen für den Verkauf erhoffen sich Investoren und Anleger am kommenden Wochenende. Zumal der Druck im Vorfeld der Hauptversammlung enorm gestiegen ist.

Berkshire. Hathaway, das Investment-Konglomerat von Warren Buffett, meldete kurz vor Beginn der Hauptversammlung einen Gewinneinbruch von 27 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar. Grund dafür ist das schwache Geschäft mit Versicherungen und Rückversicherungen. Berkshires Rückversicherungstochter und der ebenfalls zum Konzern gehörende Rückversicherer General Re mussten beide für die Folgen eines Zyklons in Australien aufkommen und das in einem ohnehin schwachem Markt für Rückversicherungen. Da aber Ursache und Wirkung klar erkennbar und die Wiederholungschance in etwa abschätzbar ist, drückt das die Stimmnung in Oklahoma nicht allzu sehr.

An anderer Stelle läuft es dagegen ausgesprochen gut. Berkshire hat Barreserven in Höhe von 96,5 Milliarden Dollar – ein neuer Rekord. Berkshire Hathaway ist mit einem Börsenwert von 410 Milliarden Dollar einer der größten börsennotierten Konzerne Amerikas. Zu Buffetts Konzern gehören auch rund 80 kleine und mittelständische Unternehmen. Die strategische Anpassung eines wichtigen Postens wie IBM gibt einen wesentlich deutlicheren Hinweis auf die Stärke von Berkshire Hathaway als Wirbelstürme in Australien, und seien es noch so viele. sig

05.05.2017 | 09:39

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