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Old economy hievt DAX auf Allzeithoch

Old economy revisted: RWE-Kraftwerk im westfälischen Bergkamen (Bild: RWE)


Was für Nachrichten! Am Sonntag wurden die Grünen in hohem Bogen vom Wähler aus der Landesregierung in NRW geworfen, tags drauf war es der deutliche Tagesgewinn des Kohle- und Kernkraftkonzerns RWE, der dem DAX ein neues Allzeithoch bescherte. Erstmals schloss der Leitindex über 12.800 Punkten. Wichtige Indikatoren deute nun auf einen weiteren Anstieg.

RWE, immerhin Deutschlands größter Stromproduzent, hat nach den herben Verlusten im vergangenen Jahr wieder einen Gewinn verbucht. Das ist in Nordrhein-Westfalen von großem Interesse, weil viele Kommunen die Dividenden von RWE, sofern sie fließen, und auch die Stromsteuern fest in ihre Haushalte eingeplant haben. Für die kommunalen Haushalte aber steht letztendlich, wenn sie defizitär werden, das Land ein. Der RWE-Gewinn ist also eine willkommene Morgengabe für den neuen Ministerpräsidenten Armin Laschet von der CDU.

Doppelt zufrieden dürfte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz lächeln. Die Bilanz der Landtagswahl dürfte ihm ebenso sehr gefallen wie die seines Unternehmens. Der Stromproduzent mit Verwurzelung im Rheinland und in Westfalen verbuchte im ersten Quartal 2017 eine Nettoergebnis von 946 Millionen Euro. Das sind zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis verringerte sich allerdings um 18 Prozent, die Gesamtbilanz blieb aber mit 689 Millionen Euro im deutlich positiven Bereich. RWE wies erstmals auch Zahlen für „RWE stand alone“ aus. Dies soll die Ergebnisse der Kerngeschäftsfelder Braunkohle & Kernenergie, Stromerzeugung und Energiehandel wiedergegeben – zuzüglich der Innogy-Dividende. Schmitz will so klarer zeigen, wie die verwendbaren Mittel erwirtschaftet werden, die die Basis für die Dividende bilden. „RWE stand alone“ erreichte ein Ebitda von 514 Millionen Euro und ein um Sondereffekte bereinigtes Nettoergebnis von 203 Millionen Euro.

Doch das ist nur eine erte Etappe. Schmitz muss für den Braunkohletagebau von RWE im rheinischen Revier eine langfristige Lösung finden. Die Grünen konnten beim thema Kernkraft nicht anders handeln als mit strikter Ablehung oder ablehnender Restriktion – und mit Schwarz-Gelb im Land dürfte für RWE leichter ein pragmatischer Kompromiss zu finden sein, bei dem einerseits die Umwelt, andererseits aber auch die Unternehmensinteressen eine angemessene Rolle spielen.

RWE befeuert den DAX

Der Weg zurück in die Gewinnzone war schmerzhaft. RWE musste Milliardensummen auf seine Kraftwerke abschreiben und stürzte in ein Loch, das gefühlt die Größe des Tagebaus Garzweiler hatte: ein Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro stand im letzten Jahr zu Buche. Die Stammaktien mussten zwei Mal in Folge auf eine Nulldiät bei den Dividenden gesetzt werden.

Jetzt sieht es wieder besser aus: „Wir sind gut ins Jahr gestartet und können unseren optimistischen Ausblick und die angestrebte Dividende von 50 Cent für 2017 bekräftigen“, sagte Finanzvorstand Markus Krebber. Dabei ist das operative Geschäft weiter schwierig, wie das Handelsblatt feststellt: „Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab um gut sechs Prozent auf 2,1 Milliarden Euro nach. Die Lage in der konventionellen Stromproduktion sei weiter schwierig.“ RWE gehe aber weiter von einer Verbesserung der Ergebnisse im laufenden Jahr aus.

Eine Verbesserung ergab sich auch für den DAX, und zwar in puncto Allzeithoch. Die US-Börsen stützten mit einem leichten Plus zum Wochenstart die rekordfahrt des DAX. Der Grund für die positive Stimmung ist der steigende Ölpreis. Die Energieminister Saudi-Arabiens und Russlands, Chalid al-Falih und Alexander Nowak, hatten am Montag in Peking erklärt, zur Stabilisierung der Ölpreise sollte die Ende November beschlossenen und zunächst bis Juni befristeten Förderkürzungen bis März nächsten Jahres beibehalten werden. Diese Verständigung der Ölgiganten Saudi-Arabien und Russland auf eine Verlängerung der Förderbremse half dem Ölpreis auf die Sprünge – und dieser dem Dow Jones. Das machte auch den Händler in Frankfurt Laune. Am Frankfurter Aktienmarkt standen erneut zahlreiche Bilanzen im Fokus. Der Dax stieg um 0,3 Prozent auf 12.807 Zähler und schloss damit nur knapp unter der am Vormittag markierten neuen Bestmarke von 12.832 Punkten.

Chartanalyse

Seit Ende März trat die Aktie des Energieversorgers RWE unterhalb einer immens wichtigen, aber nicht minder massiven Widerstandszone auf der Stelle. Und nach Meinung von Lynxbroker sah es nicht so aus, als würde die Energie des bullischen Lagers ausreichen, um diese Hürde zu bezwingen. Aber zum Wochenstart wendete sich das Blatt. Die Bilanz des ersten Quartals 2017 erwies sich als stark genug, um die Käufer-Seite zum Angriff auf die Widerstandszone zu bewegen, die zwischen 15,75 und 16,49 Euro angesiedelt ist. Und sollte es ihnen gelingen, diese heikle Zone zu überwinden, wäre der Weg aus charttechnischer Sicht frei bis in die Region von 21 Euro. Hier befand sich die Aktie in den vergangenen Jahren. Denn dazwischen sehen die Lynxbroker keinerlei nennenswerte Widerstände. Kann ein solcher Befreiungsschlag trotz dieser immensen Kosten, die vor allem der Atomausstieg für die Versorger verursacht, tatsächlich gelingen?

Was den Optinmisten in dieser Lage Mut macht, ist die Aussage seitens der Unternehmensführung, dass man imstande war, die Probleme, die sich aus den gesunkenen Strompreisen am Markt ergeben hatten, in den Griff zu bekommen und man deswegen zu einen mit dem Jahresstart zufrieden sei und zum anderen das Ziel einer Dividende von 50 Cent pro Aktie für das laufende Jahr bekräftigen könne.

Entscheidet der Optimismus?

Eigentlich ist das Zahlenwerk von RWE so grandios nicht. Der Umsatz lag mit 13,3 Milliarden Euro unter Vorjahreswert und Analystenprognose, der Gewinn vor Steuern und Zinsen traf die Erwartungen der Experten, lag aber mit 2,1 Milliarden unter dem Ergebnis des ersten Quartals 2016, das mit rund 2,3 Milliarden fast zehn Prozent besser angeschlossen werden konnte. Der von RWE selbst ausgestrahlte Optimismus war es also vor allem, der ansteckend wirkte und zum Einstieg motivierte. Dazu kommt, dass es mit diesem Anstieg gelang, die bisherigen Jahreshochs zu überwinden. Zu beachten ist indes, dass die Widerstandszone bei gut 16 Euro erst einmal komplett überboten sein muss, damit das Pendel deutlich und längerfristig zugunsten der Bullen und ausschlagen wird. sig / lynxbroker

16.05.2017 | 00:04

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