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Weidmann soll Draghis Nachfolger werden


Als künftigen Präsident der Europäischen Zentralbank sollen Bundekanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den derzeitigen Bundesbankpräsidenten Andreas Weidmann favorisieren, so vermeldet es ein Nachrichtenmagazin. 2019 scheidet Mario Draghi aus dem Amt. Für deutsche Privatanleger und institutionelle Vermögensverwalter könnte diese Personalie eine gute Nachricht sein, falls die Meldung stimmt.

Merkel und Schäuble die Zeit für gekommen. Ein Deutschen soll nun an die Spitze der Europäischen Zentralbank aufrücken. Sie war vor Mario Draghi, der seit 2011 im Amt ist, von dem Franzosen Jean-Claude Trichet geführt worden. Trichet, den zunächst Bundeskanzler Helmut Kohl verhindern konnte, weil er eine Vergemeinschaftung von Schulden füchtete, amtierte von 2003 bis 2011. Gründungspräsident war der konservativ-liberale Niederländer Wim Duisenberg; er führte die Zentralbank von 1998 bis 2003.

Weidmann sei zur Annahme des Spitzenpostens bereit, sollte er ihm angetragen werden, so das Magazin Der Spiegel. In Berlin ist man über die frühe meldung derweil eher weniger erfreut. Eine Sprecherin der Bundesregierung verwies darauf, dass Draghis Amtszeit erst 2019 ende. „Es gibt jetzt überhaupt keinen Diskussions- und erst recht keinen Entscheidungsbedarf für seine Nachfolge“, sagte sie. Die Bundesbank sprach mit Blick auf die Meldung von „einer Diskussion zur Unzeit“. Auch sie verwies darauf, dass Draghi noch bis Ende Oktober übernächsten Jahres im Amt sei.

Schäuble hat mehrfach die unter Draghis Führung betriebene ultralockere Geldpolitik der EZB kritisiert, resümiert die Nachrichtenagentur Reuters. Der CDU-Politiker plädiert für eine geldpolitische Wende und warnt vor einer Vergemeinschaftung der Schulden im Euroraum sowie den umfangreichen Anleihenkäufen, die Kernpunkt des Programms sind, das Draghi fährt. Weidmann stand dem großangelegten Anleihenkaufprogramm wi Schäuble von Anfang an kritisch gegenüber. Er gilt zudem als scharfer Kritiker der ultralockeren Geldpolitik des amtierenden EZB-Chefs und hatte sich bereits mehrfach öffentlich für eine Normalisierung der Zinspolitik ausgesprochen.

19.05.2017 | 21:08

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