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Wie bald kommt der Crash?

Es wird auch Kirchen treffen, glaubt man Jim Rogers (Bild: Fotolia / Nicon-Photography)


Der DAX hat in dieser Woche abermals ein Allzeithoch markiert. Das bedeutet nichts anderes als: Irgendwann kommt die Korrektur. Nach den unbestechlichen Gesetzen der Mathematik ist das unabweisbar. Doch die Märkte sind vollgepumpt mit der Geldflut aus Jahren der Nullzins-Politik. Wie stark wird dies als Exponentialfaktor für einen abwärts-Sog wirken? Die Zahl der prominenten Warner wächst. Die Frage ist nicht mehr: „Kommt der Crash?“ – vielmehr muss sie lauten: „Wie schlimm wird’s?“ Prominente Börsen-Gurus setzen jetzt bereits auf den Zusammenbruch der Märkte noch in diesem Jahr.

„What goes up, must come down”, singt Tom Petty in „Learning To Fly”. Ein Lied wie gemacht für die Ikarus-Gestalten, die über der derzeitigen Börsenlandschaft schweben: „I’m learning to fly / but I ain’t got wings / coming down / is the hardest thing.”

Bill Gross, der legendäre Fondsmanager, hat bereits im März vor einer riesigen Kreditblase gewarnt. Auf der Bloomberg Invest New York bewertete der 73-Jährige das Risikolevel im derzeitigen Marktumfeld „höher als vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008“. Statt günstiger Aktien, die später teuer abgegeben werden könnten, deckten sich Investoren bei hohen Kursen ein „und drücken dann die Daumen“. Ursache für diese Entwicklung sei vor allem die Politik der Zentralbanken. Die würden Geld ins System pumpen, das irgendwo hin müsse. Investoren hätten nur die Wahl zwischen schwach verzinsten Anleihen oder überteuerten Aktien.

Die Währungshüter würden, so Gross, mit Niedrig- und Negativzinsen zugleich für ein künstliches Ansteigen von Vermögenswerten und Aktienpreisen sorgen, während in der Realwirtschaft nur wenig Wachstum erzielt werde. Bill Gross wörtlich: „Den Schaden haben dann Sparer, Banken und Versicherungsunternehmen.“ Bereits seit 2016 kritisiert der Anleihen-Spezialist die Notenbanken: „Die Annahme, dass ein niedriger Zinssatz schlussendlich dazu führen werde, dass der gute Lauf der Finanzmärkte auf die Realwirtschaft durchschlagen wird, ist nicht zu halten.

Der größte Crash unseres Lebens

Der Milliardär und Rohstoffinvestor Jim Rogers sieht die Lage noch kritischer. Er glaubt, dass der nächste Crash unmittelbar vor der Tür steht. In einem jetzt auf ZeroHedge veröffentlichten Interview äußerte er die Einschätzung, dass die Weltwirtschaft angesichts der enorm hohen Kurswerte an den Finanzmärkten noch anfälliger sei als direkt vor der großen Finanzkrise des Jahres 2008. Eine Funke genüge, und eine unüberschaubare Zahl von Faktoren komme infrage: „Es geschieht immer dort, wo wir nicht hinsehen.“ Es könne ein Land sein, das niemand auf dem Radar hatte: „Es könnte alles mögliche sein.“ Rogers weist darauf hin, dass die Krise 2007 mit dem Staatsbankrott Islands begann – den Inselsaat am Polarkreis hatte damals niemand auf dem Schirm.

Finanzen.net berichtet dazu: „Als Auslöser der nächsten Krise kommen nach Ansicht des Investmentexperten verschiedene Ereignisse in Frage, beispielsweise die Pleite eines US-Rentenfonds, von denen viele derzeit mit Problemen zu kämpfen haben. Auch die Entwicklung in China ist in seinen Augen besorgniserregend, insbesondere das Schuldenwachstum des Landes. Einer Studie von Goldman Sachs zufolge liegt die reale Verschuldung mittlerweile bei etwa 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine Welle von Insolvenzen deutet nach Angaben von Bloomberg zudem darauf hin, dass die Unternehmensschulden noch deutlich höher sind als bislang angenommen.“

Auch die allgemeine Wirtschaftslage betrachtet Rogers höchst kritisch. Sollte sie sich dramatisch verschlechtern, wäre die US-Notenbank Fed nach seiner Ansicht „wahrscheinlich machtlos“. Er verwesit darauf, dass die Zinssätze bereits sehr niedrig sind und die Bank ihre Bilanz durch die bisherigen Anleihekäufe bereits auf 4,5 Billionen US-Dollar vervielfacht hat. Damit würden die Maßnahmen, die die Fed zweifelsohne einleiten werde, verpuffen: „Sie werden es versuchen, aber es wird nicht klappen. Sie werden ein paar Rallyes auslösen, aber diesmal wird es nicht funktionieren.“

Rogers rechnet damit, dass die kommende Krise die größte wird, die er in seinem Leben gesehen hat: „Lehman Brothers gab es seit mehr als 150 Jahren. Weg.“ So etwas werde man in Bälde öfter erleben. Und diesmal werde es nicht nur Banken und Finanzgesellschaften treffen, sondern auch Museen, Krankenhäuser und Universitäten. Nicht zu vergessen: die christlichen Kirchen. Kurzum: Rogers glaubt an den Möglichkeit, dass dem westen mit seinen kulturellen Werten der Untergang droht. Durch einen Börsencrash.

„What goes up, must come down”, singt bereits 1978 auch Alan Parsons auf dem Album „Pyramid”, und er fährt fort: „What must rise, must fall.” Das ist knallhart. Aber das ist die Wahrheit. sig

17.06.2017 | 21:14

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