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US-Aktien: Neue Impulse durch anziehenden Konsum?

Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Potential nach oben: die in New York City stehenden Immobilien zeigen die Richtung. (Bild: Fotolia / Oscity)


Der Konsum in den USA entwickelt sich weiterhin vergleichsweise schwach. Erste Signale für anziehende Kauflaune sind jedoch zu beobachten, was zu positiven Impulse für den US-Aktienmarkt führen könnte. Wie aber passen steigen de Zinsen in den USA und eine anziehende Kauflaune zueinander?

Von Ulrich Stephan

Der US-Konsum scheint auf den ersten Blick rund zu laufen – zumindest wenn man darauf schaut, was die US-Amerikaner auf die hohe Kante legen. Denn die Sparquote jenseits des Atlantiks liegt nach Angaben der Deutschen Bank derzeit bei scheinbar mageren 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutschen haben im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 9,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Seite gelegt. Betrachtet man die US-Sparquote jedoch über einen längeren Zeitraum, so wird deutlich, dass sich die US-Bürger in Sachen Konsum für ihre Verhältnisse derzeit keinesfalls herausgaben. Im Gegenteil: Im letzten Wirtschaftszyklus 2002 bis 2007 lag die Sparquote privater Haushalte mit durchschnittlich 3,9 Prozent deutlich niedriger als heute. Tatsächlich gibt es beim Konsum in den Vereinigten Staaten also durchaus noch Luft nach oben – und damit auch für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

Der Konsum spielt für die US-Wirtschaft eine entscheidende Rolle, schließlich trägt er mit rund 70 Prozentzum gesamten Bruttoinlandsprodukt bei. Seit 2009 legten die Konsumausgaben je US-Bürger jedoch lediglich um knapp elf Prozent zu – während es in vergangenen wirtschaftlichen Aufschwungphasen zum Teil mehr als 30 Prozent waren. Haben die Amerikaner ihre Lust am Konsum verloren? Die Deutsche Bank geht eher davon aus, dass die Kauflaune in der größten Volkswirtschaft der Welt wieder deutlicher steigen könnte.Wenn von Kauflaune die Rede ist, bedeutet die zwangsläufig, dass auch die Sparquote ins Blickfeld rückt. Und in der Tat – diese Quote könnte wieder sinken.

Doch ein weiterer, nicht zu unterschätzender Grund für diese Einschätzung ist das anziehende Zinsniveau in den Vereinigten Staaten. Das mag paradox klingen, schließlich erwartet man eine erhöhte Konsumneigung eher bei sinkenden Zinsen, weil sich das Sparen dadurch immer weniger lohnt. Doch es scheint, als hätte das ungewöhnlich niedrige Zinsniveau der Vergangenheit bei vielen Menschen eben nicht die Konsumfreude befeuert, sondern vielmehr die Angst vor Vermögensverlusten geschürt. Als Reaktion darauf wurde mehr anstatt weniger gespart. Eine weitere Normalisierung des US-Zinsniveaus könnte dementsprechend wieder zu einer niedrigeren Sparquote führen – und damit zu höherem Konsum. Hier geht es also weniger um die objektiven Zahlen, sondern vielmehr um das Sentiment von Sparern und Verbrauchern.

Immobilienmarkt mit Potential

Ein weiterer Grund für den positiven Konsumausblick der Deutschen Bank ist die Abnahme der Verschuldung privater US-Haushalte: Lag sie 2007 noch bei fast 130 Prozent des verfügbaren Einkommens, sind es auf das Jahr 2016 bezogen nur noch rund 100 Prozent. Dazu trug vor allem die um fast 1,3 Billionen US-Dollar geringere Belastung durch Hypothekendarlehen in diesem Zeitraum bei, die Vermögenswerte stiegen analog. Dieser reduzierte Schuldenstand könnte Raum für einen moderaten Wiederanstieg der Verschuldung bieten – zum Beispiel über Hauskäufe. Hier war zuletzt bereits eine steigende Tendenz zu beobachten. Ökonomen gehen daher davon aus, dass im Jahr 2017 die Verkäufe bestehender Immobilien auf über fünf Millionen ansteigen und somit den höchsten Wert seit 2007 erreichen könnten. Gemessen am Höchststand von 7,25 Millionen verkauften Häusern im Jahre 2005 besteht jedoch noch weiteres Potential.

Ein Anziehender Konsum in den könnte Aktienkurse an der Wall Street stützen. Insgesamt sind die Perspektiven für einen anziehenden US-Konsum aus Sicht der Deutschen Bank derzeit recht gut. Von einer steigenden Kauflaune der US-Amerikaner dürfte die gesamte US-Wirtschaft profitieren – und mit ihr die Kurse an den US-Börsen. Auch aus diesem Grund könnten die Vereinigten Staaten für entsprechend risikobereite Aktienanleger weiter zu den interessantesten Investmentregionen gehören.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

03.04.2017 | 10:41

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