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Höher, Weiter, Schneller - Adidas!

Adidas: Ein absoluter Volltreffer. (Bild:Fotolia)


Erstmals knackt Europas größter Sportartikelhersteller die magische Gewinngrenze von einer Milliarde Euro. Die Anleger zeigen sich begeistert und die Adidas-Aktie feiert ihr Allzeithoch. Ob es aber so erfolgreich weitergehen kann, ist fraglich.

Das nennt man mal einen Einstand. Gleich bei seiner ersten Bilanzvorlage präsentiert der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted ein Rekordergebnis. Im vergangenen Jahr konnte die Marke mit den drei Streifen ihren Umsatz um 18 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro steigern. Der Gewinn explodierte regelrecht und verzeichnete ein Plus von 41 Prozent auf 1,019 Milliarden Euro. Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen legte die Adidas-Aktie am Mittwoch in der Spitze um neun Prozent zu, und feierte ihr Allzeithoch bei 174,50 Euro.

Ähnlich erfolgreich soll es nun auch weitergehen. Für 2017 rechnet Rorsted mit einem Umsatzplus von bis zu 13 Prozent, während der Gewinn um ein Fünftel auf 1,225 Milliarden Euro anwachsen soll. Bis 2020 sollen die Einnahmen jährlich um zehn bis zwölf Prozent klettern und der Gewinn im Bereich von 20 bis 22 Prozent gesteigert werden. „Wir sind ein Wachstumsunternehmen in einem Wachstumsmarkt. Und jetzt ist es an der Zeit, unsere Ziele für 2020 anzuheben“, erklärt der 55-jährige Däne die ambitionierten Ziele seines Unternehmens. Bisher rechnete Adidas bis 2020 mit einem hohen einstelligen Umsatzwachstum und einem Gewinnplus von 15 Prozent pro Jahr.

Trotz dieser Aussichten hält sich die Begeisterung der Analysten in Grenzen. Nur rund ein Drittel der Experten rät zum Kauf des Papiers. Jeder sechste Analyst empfiehlt sogar, sich von der Adidas-Aktie zu trennen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr sprach sich die Hälfte für einen Kauf aus, während nur jeder Zehnte für einen Verkauf plädierte. Adidas hat mit dem Fluch der guten Tat zu kämpfen. Die Aktie ist inzwischen so hoch bewertet, dass ihr von vielerlei Seiten eine Steigerung kaum noch zugetraut wird. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnissen für das laufende Jahr beträgt beinahe 26, für 2018 liegt es bei über 21. Nike- obwohl Branchenprimus – weist für dieses Jahr einen Wert von 21 und fürs kommende einen von 18,5 aus. Das Risiko in Adidas zu investieren ist also trotz aller Positivschlagzeilen und Zukunftsambitionen hoch.

Im vergangenen Jahr trugen niedrigere Produktionskosten und höhere Preise für zahlreiche Produkte mit den drei Streifen zum historischen Ergebnis bei. Ebenso profitierte Adidas vom schwachen Euro gegenüber dem Dollar. Außerdem kurbelten mit der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen zwei Megaevents die Verkäufe der Hezogenauracher kräftig an. Auf diesen Schub muss Adidas vorerst verzichtet. Durch Digitalisierung und Individualisierung der Produkte und einen immer stärker werdenden US-amerikanischen Markt könnte Adidas dennoch weiter wachsen.

Wim Weimer

08.03.2017 | 23:09

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