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Apple – Neues iPhone, neue Kursrekorde?

Die Glaubensgemeinschaft der Apple-Jünger scheint zu erodieren... (Bild: Getty Images, Graphik: The European)


Das neue iPhone X ist da. Oder wie es Apple-Chef Tim Cook nennt: „Die Zukunft des Smartphones.“ Mit gewohnt großem Tamtam stellte es Apple am Dienstagabend im „Steve Jobs Theater“ in seiner neuen Glamour-Firmenzentrale in Cupertino vor. Einmal mehr konnte sich der Konzern mit dem angebissenen Apfel großangelegte Werbemaßnahmen sparen – die übernahm kostenfrei die Medienlandschaft. Doch für Apple-Anleger ist die Situation heikel. Warum?

Auch wenn der wertvollste Konzern der Welt derzeit einmal mehr in aller Munde ist – der Hype um seine Neu-Präsentationen scheint abgenommen zu haben. Die nächsten Monate werden nun spannend. Kann Apple mit seinem neuesten Smartphone-Modell nochmal einen draufsetzen? Oder ist Schluss mit Wachstum? Seit Anfang des Jahres ist die Apfel-Aktie um fast 40 Prozent nach oben geklettert. Inzwischen steht ein Kurs von umgerechnet 133,85 Euro zu Buche. Und mit einem Börsenwert in Höhe von 830 Milliarden Dollar ist das Tech-Wunder mit deutlichem Vorsprung weiterhin der wertvollste Konzern der Welt.

1,2 Milliarden intelligente Telefone hat man seit 2007 global verkauft. Angesichts solcher Zahlen müssen die Erwartungen an das nun neu vorgestellte iPhone X in den vergangenen Monaten hoch gewesen sein. Vielleicht auch deshalb verpasste es die Aktie der Kalifornier am Tag der neuen Smartphone-Einführung einen saftigen Kursgewinn zu präsentieren. Am Ende stand bei hohen Handelsumsätzen sogar ein Minus von 0,4 Prozent auf der Anzeigetafel. Bleibt die große Frage: Wie geht es nun weiter? Letztlich hängt die Antwort von den kommenden Umsatz- und Gewinnzahlen ab. Und die wiederum hängen zu zwei Dritteln von den Absatzzahlen des iPhones ab. Da muss Apple angesichts seiner hohen Aktienbewertung nun liefern. Und ob sie das in einem bedeutend hohen Maß tun können, erscheint ob des zunehmend gesättigten Marktes für die Alleskönner-Handys fraglich.

In den kommenden drei Monaten sei durchaus ein Rückschlag von bis zu zehn Prozent im Bereich des Möglichen, äußerste sich beispielsweise Gene Munster, Partner der Risikokapitalgesellschaft Loup Ventures.  Im vergangenen Jahr sei der Aktienkurs um mehr als die Hälfte gestiegen. Viele Investoren hätten dem iPhone eine Rückkehr zum Wachstum zugetraut, so die Expertin gegenüber CNBC. Nun sei es entscheidend, ob Apple vor allem mit Blick auf die ersten beiden Quartale 2018 den Erwartungen gerecht werde. Bis dahin vergehen noch ein paar Monate weshalb Munster auf kurze Frist Gewinnmitnahmen als wahrscheinlich ansieht.

Auch die Neue Helvetische Bank äußert sich in einer Analyse skeptisch: „Die Glaubensgemeinschaft um Apple beginnt zu erodieren, insbesondere bei den Teenagern, den wichtigen Kunden von Morgen.“ Schuld daran könnte vor allem der weiter steigende Preis des iPhones sein. Das Premium-Gerät „X“ wird in Deutschland mit einem Speicher von 64 GB für 1.149 Euro zu haben sein. Das iPhone 8 und 8 Plus, welche als billigere Alternativen funktionieren sollen, kosten in der 64 GB-Variante 799 beziehungsweise 909 Euro. Geht es nach einer Umfrage der britischen Bank Barclays, ist das für viele Kunden zu teuer. Nur 18 Prozent der derzeitigen iPhone-Besitzer wären der Studie nach bereit, das Gerät für eine solche Summe zu kaufen.

Zudem könnte der relativ späte Verkaufsstart des neuen Smartphone-Modells negativ auf die Verkäufe wirken. Erst ab dem dritten November wird das iPhone X im Handel sein. Gerechnet worden war derweil mit Anfang bis Mitte Oktober, wie Fort Pitt Capital-Analystin Kim Forrest betont. iPhone 8 und 8 Plus gibt es zwar deutlich früher, nämlich ab dem 22. September, entscheidend für Apple werden aber die Verkäufe des X-Modells sein. Das neue Samsung Galaxy Note 8, der Hauptkonkurrent zum neuen Luxus-iPhone, kommt schon diese Woche in die Läden.

Samsung derweil ist ein gutes Stichwort. Die Absatzzahlen betreffend beherrschen die Südkoreaner den Weltmarkt für Smartphones überdeutlich. Und Annette Zimmermann, Expertin bei Gartner, sieht zwischen iPhone X und dem neuen Samsung-Modell technologisch eine hohe Ähnlichkeit. Zudem ist die Korea-Alternative immer einen Ticken günstiger und hat nun nach Samsung-Angaben mit 650.000 Anfragen in fünf Tagen auch noch 2,5-mal mehr Vorbestellungen erhalten als das Vorgängermodell.

Piper Jaffray-Analyst Michael Olson sieht die iPhone-Absätze von Apple dagegen weiterhin wachsen. Er glaubt, die Kalifornier könnten innerhalb der nächsten zwölf Monate zirka 242 Millionen Smartphones verkaufen, was einer Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2016 entspräche. Und auch Warren Buffet höchst persönlich sprach sich in einem Interview kürzlich für eine Fortsetzung der Apple-Erfolgsstory aus. Der Konzern binde die Kunden mit seinen Produkten geschickt an sich, ein höherer Preis für die Geräte sollte demzufolge kein Problem sein. Eines muss man aber wissen: Buffet hält selbst milliardenschwere Anteile an dem Tech-Giganten aus dem Silicon Valley.

Aus Asien droht dagegen weiterer „Ärger“. Auf dem chinesischen Smartphone-Markt, immerhin der größte der Welt, ist Apple inzwischen nur noch die Nummer Fünf. Aufstrebende Firmen aus dem Reich der Mitte wie Huawei oder Xiaomi erzielen inzwischen mehr Verkäufe als die Amerikaner. Vor allem, weil sie günstiger sind. Kommt da das neue Luxus-iPhone zur rechten Zeit? Die nächsten Monate werden eine Antwort darauf geben. Der Umsatz des Apple-Konzerns war jedenfalls 2016 zum ersten Mal seit der Smartphone-Innovation rückläufig. Ob das iPhone X da eine schnelle Kehrtwende schafft bleibt abzuwarten. Neuerungen wie bessere Chips für schnellere Grafiken, die Gesichtserkennung „FaceID“, welches den Home-Button ersetzt und mit der man nun sein Smartphone entsperren kann oder über „Apple Pay“ Einkäufe bezahlen kann, haben zwar ihre Berechtigung, ein wirkliches Tech-Wunderwerk ist das neue Apple-Gerät damit aber noch lange nicht. Einzig die Möglichkeit das iPhone bald durch eine spezielle Technik ohne Stromkabel aufladen zu können, klingt spannend und könnte einen deutlich erkennbaren Mehrwert schaffen.

An der Börse werden am Ende wohl die Gewinne entscheidend sein. Auch wenn viele Analysten vorsichtig sind, erwartet die Mehrheit steigende Zahlen und versieht die Aktie des Valley-Giganten mit einer Kaufempfehlung. Die meisten Experten sehen den Kurs irgendwo zwischen 140 und 170 US-Dollar. Ob es zu Kursrekorden reicht bleibt angesichts der sich allmählich auftürmenden Herausforderungen allerdings fraglich. Oliver Götz

15.09.2017 | 00:09

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