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Bayer will Geschichte schreiben

Himmelhoch ragt das Bayer-Kreuz... (Bild: Bayer)

... wird Werner Baumann in seinem Schatten Geschichte schreiben? (Bild: Bayer)


Bei Bayer dreht sich derzeit alles um den historischen Deal mit dem US-Saatgutkonzern Monsanto. Es soll die größte Übernahme werden, die jemals ein deutsches Unternehmen im Ausland tätigte. Ob diese auch zum größten Erfolg wird, bleibt indes fraglich. Fest steht jedoch: Bayer befindet sich auf einem richtig guten Weg – der Pharmasparte sei Dank.

„Bayer first.“ Das große Rätsel, welches deutsche Unternehmen es wohl als erstes in die ominösen Tweets des neuen US-Präsidenten Donald Trump schaffen würde, ist seit Mitte Januar endlich gelöst. Ob der Leverkusener Chemie- und Pharmariese marketingtechnisch mit dieser historischen Begebenheit allerdings hausieren gehen sollte, bleibt angesichts der internationalen Beliebtheit des „Hasspredigers“, wie Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den mächtigsten Mann der Welt nennt, fraglich.

Dennoch soll Trump für Bayer zum Trumpf werden. Schließlich wird der geplante Megadeal zwischen dem Chemieriesen und dem Saatguthersteller Monsanto in den USA derzeit kartellrechtlich geprüft - es wäre eine Überraschung, sollte die Übernahme bereits vor Jahresende in trockenen Tüchern sein. Der Knackpunkt: Die Marktmacht, die eine solche Fusion generieren würde, könnte für die ohnehin schon hoch konzentrierte Agrochemiebranche gefährliche Folgen haben, weshalb vermehrt Stimmen laut werden, die die Übernahme von Monsanto durch die Bayer AG mindestens als kritisch beurteilen. Strategisch wäre es daher äußerst wichtig, sich der Unterstützung des einflussreichen Präsidenten gewiss sein zu dürfen. Und dieser zeigt sich nicht zuletzt auf Twitter angesichts eines durch Bayer angekündigten Investitionsvolumens in Höhe von acht Milliarden Dollar in den USA sowie des Vorhabens, 3000 neue „High-Tech-Jobs“ dort schaffen zu wollen, als großer Bayer-Fan.

Auch Starinvestor Warren Buffett blickt erwartungsfroh in die Zukunft und auf Bayer: offenkundig freut er sich auf die Monsanto-Übernahme. Offenbar birgt der mögliche Zusammenschluss aus seiner Sicht großes Potential, und so investiert er in acht Millionen Aktien des US-Saatgutkonzerns. Dennoch ist der Deal nicht nur aus kartellrechtlicher Sicht umstritten. Ob sich die extrem kostspielige Übernahme – 66 Milliarden Dollar plus in der Höhe schwer kalkulierbare Kosten für die vermutlich langwierige Integration in den Bayer-Konzern sollen die Leverkusener für Monsanto hinblättern – tatsächlich lohnen wird, bleibt zweifelhaft. Zwar ist das in St. Louis beheimatete Unternehmen in der Forschung besonders stark.

Was bringen die Saatgut-Satelliten?

Doch inwieweit sich beispielsweise mit Satelliten, die Landwirtschaftsfelder überwachen und Sensoren im Boden, die über eine passende Saatzeit informieren, tatsächlich das große Geld verdienen lässt, muss sich erst zeigen. Dabei braucht es oftmals viel Phantasie und vermutlich auch reichlich Geduld. Darüberhinaus darf nicht verkannt werden, dass sich Bayer durch die geplante Fusion einiges an PR-Problemen ans Bein bindet. Das aggressive Geschäftsverhalten des US-Saatgutkonzerns gegenüber Bauern, seine stark vorangetriebene Monopolstellung und die Fokussierung auf Gentechnik sorgen für reichlich Zündstoff. Dennoch erhofft sich Bayer durch die Übernahme langfristig einen großen Wachstumsschub, da der Agrochemiemarkt enormes Potential birgt.

Da in den kommenden Jahren von einem kräftigen Anstieg der Weltbevölkerung ausgegangen wird, dürfte sich die Nachfrage nach Lebensmitteln signifikant steigern, und die Branche somit profitieren. Bayer-Vorstandschef Werner Baumann gibt sich aller Unkenrufe zum Trotz zuversichtlich, dass ein Zusammenschluss „durch mehr Innovation, stärkeres Wachstum und größere Effizienz langfristig erheblichen zusätzlichen Wert“ für Bayer schaffen wird. Das schwächelnde Bayer-Standbein Agrarchemie soll durch den Deal deutliche Impulse bekommen.

Umsatz und Ergenis so gut wie nie zuvor

Bislang füllt vor allem das blühende Pharmageschäft die Kassen von Bayer. Dank Medikamenten wie dem Schlaganfallmittel Xarelto, dem Augenpräparat Eylea oder den Krebsmedikamente Stivarga und Xofigo blicken die Leverkusener auf ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurück. Das operative Ergebnis (Ebitda) konnte um 10,2 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro gesteigert werden, während sich auf Nettobasis die gleiche Steigerungsrate auf 4,53 Milliarden Euro ergab. Im Vergleich zu 2015 kletterte der Umsatz um 1,5 Prozent von 46,1 Milliarden Euro auf 46,77 Milliarden Euro. Bei einer Vernachlässigung von Wechselkurseffekte und Portfolioveränderungen hätte der Anstieg sogar 3,5 Prozent betragen.  „Sowohl der Umsatz als auch das bereinigte Ergebnis sind so hoch wie nie zuvor", frohlockt Baumann.

Und auch viele Analysten sehen Bayer durchaus positiv. Unter anderem raten Commerzbank und Privatbank Berenberg zum Kauf des Papiers, das US-Analysehaus Bernstein Research erhebt ein Kursziel von 120 Euro. Anfang Dezember noch kostete die Aktie keine 90 Euro, seitdem ging es steil bergauf. Und das könnte so weitergehen, schließlich erwartet der Vorstand für 2017 ein Wachstum des operativen Ergebnisses im mittleren einstelligen Prozentbereich. Für erfreuliche Steigerungen im Portfolio von Bayer-Aktionären dürfte genügend Spielraum sein. Wim Weimer

06.03.2017 | 00:21

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