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Intel greift in Autobranche ein

Arbeiten jetzt Hand in Hand zusammen: Intel-CEO Brian Krzanich, BMW-Chef Harald Krüger und Mobileye-Mitgründer Amnon Shashua (Bild: Intel)

Mobileye inside? (Bild: Intel)


15,3 Milliarden Dollar. So viel ist der auf Kameras für Roboterwagen spezialisierte Autozulieferer Mobileye den Verantwortlichen beim Elektronik-Konzern Intel wert. Der amerikanische Chip-Gigant steigt damit in die Autobranche ein. Von den deutschen Autobauern blickt vor allem BMW gespannt nach Israel, diese Nachricht ist vielleicht brisant, jedenfalls aber interessant.

Es ist der größte Deal in der israelitischen Tech-Geschichte. Intel zahlt für Mobileye – das Unternehmen ist eines der weltweit führenden auf dem Gebiet der Fahrassistenzsysteme – pro Aktie 63,54 Dollar. Verglichen mit dem Schlusskurs vom Freitag schlägt Intel gut ein Drittel auf den Preis auf. Warum greift der Chip-Gigant für ein Unternehmen mit 600 Mitarbeitern so tief in die Tasche? Immerhin war Intel der Zukunftsentwickler Mobileye zehnmal soviel wert wie Opel dem französischen Autobauer PSA. Und Opel verfügt über eine gut 100jährige Tradition, machte in den 1920ern mit Raketen-Autos Furore und beschäftigt hierzulande und in Großbritannien 19.000 Menschen.

Mobileye arbeitet mit seinen Assistenzsystemen intensiv an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos, einer vielversprechenden Zukunftsbranche. Das 1999 gegründete Unternehmen entwickelt sich derzeit sehr gut. Im vergangenen Jahr konnte der Umsatz um 50 Prozent auf 360 Millionen Dollar gesteigert werden. Der Gewinn kletterte sogar um 57 Prozent auf 108,4 Millionen Dollar. Mobileye ist das erste Unternehmen mit Sitz in Jerusalem, welches es an die New Yorker Börse geschafft hat. Seit August 2014 ist es dort gelistet.

BMW ist Top-Kooperationspartner

Mittlerweile arbeitet Mobileye mit allen bedeutenden Automobilherstellern zusammen, stets steht das Thema Entwicklung von Systemen für autonomes Fahren im Fokus der gemeinsamen Projekte. Seit wenigen Wochen gehören auch Volkswagen und BMW zu den Kooperationspartnern. Im Falle des Münchner Autobauers gab es bereits vor der Übernahme durch Intel eine Zusammenarbeit zwischen den dem Chip-Giganten und Mobileye. Während sich Mobileye um große Teile der Roboterwagen-Technologie rund um die Erfassung der Umgebung kümmert, stellt Intel die Rechenleistung.

Durch die Fusion rücken beide Unternehmen, Intel und Mobileye, nun noch enger zusammen. Die große Vision lautet: Bis 2021 sollen selbstfahrende Autos Marktreife erlangen. Natürlich ist Volkswagen mit an Bord, mit den Wolfsburgern hat Mobileye eine Partnerschaft vereinbart.

Vor allem aber geht es um BMW. Kann der Münchner Autobauer nun damit rechnen, weltweit bei selbstfahrenden Autos der first mover zu sein? Oder wird das vereinigte Firmenkonsortium aus Israel und den USA nun das Steuer selbst in die Hand nehmen wollen? Die Forschungen, die BMW gemeinsam mit Mobileye und Intel zum selbstfahrenden Auto betriebt, sind weitgreifend und könnten sehr bedeutend werden. Alle Partner können dabei jedenfalls ihre Stärken ausspielen: Die Münchner steuern ihre Expertise beim Fahrzeugbau bei, Mobileye die hochpräzisen Sensoren und Intel die Softwarekompetenz.

Immerhin: die Kooperation mit keinem geringeren als Tesla hat Mobileye eingestellt. Das System der Kalifornier, so die knappe Begründung, sei nicht nah genug an der Marktreife. Bei BMW war das anders. Lukas Bay vom Handelsblatt urteilt: „Dass aus den zwei BMW-Partnern künftig einer werden könnte, ist für die Allianz mit dem deutschen Autobauer nicht von Nachteil. Mobileye kann dagegen mit der Finanzkraft von Intel im Rücken weiter expandieren.“ Bei BMW wird man vernehmlich seufzen: „Sein Wort in Gottes Ohr!“ WIM / sig

13.03.2017 | 15:11

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