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Lufthansa: auch 2018 Börsen-Überflieger?

Ordentlich Aufwind unter den Flügeln... (Bild: Lufthansa / Hadi Khandani)


Mit einem sagenhaften Kursplus von mehr als 152 Prozent seit Jahresbeginn lässt Europas bei weitem umsatzstärkste Airline die DAX-Konkurrenz 2017 meilenweit hinter sich. Beflügelt von Rekordgewinnen, Tarifstreit-Beilegung und nicht zuletzt der Air-Berlin-Pleite avanciert die Lufthansa-Aktie zum großen Überflieger. Wie geht es 2018 weiter?

Nach den vorangegangenen Krisenjahren, prall gefüllt mit Ängsten vor der Billig-Flieger-Konkurrenz, endlos scheinenden Tarifverhandlungen mit den Piloten, hohen Kosten und schwachen Gewinnmargen, hatte das, was nun im fast vergangenen Jahr 2017 passierte, wohl kaum einer erwartet. Die Deutsche Lufthansa nämlich, ist auferstanden wie der Phoenix aus der Asche. Mit den Piloten hat man sich geeinigt und eine langfristige Lösung erarbeitet, hinzu kamen niedrigere Ölpreise und damit respektive niedrigere Treibstoffpreise.

Im Herbst war es dann die Air-Berlin-Pleite, die Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu nutzen wusste, Teile der Airline übernahm und im Anschluss von hohen Ticketpreisen aufgrund ausbleibender Konkurrenz profitierte und wohl auch weiter profitieren wird. Durch die Übernahme sollen zudem die Umsätze bereits im nächsten Jahr um 1,5 Milliarden Euro anziehen, ab 2019 rechnet Spohr dann auch mit einem positiven Einfluss auf den Konzerngewinn. Erst vor kurzem bekam die Lufthansa für ihre Kernmarke dann auch noch den fünften Stern von der Beratungsgesellschaft Skytrax verliehen – als erste europäische Airline überhaupt. Nicht zuletzt könne man damit nun auch die etwas höheren Preise in der oberen Flugklasse rechtfertigen, so Spohr.

Alles in allem legten so  in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres die Umsätze um 12,1 Prozent auf 26,8 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ebit stieg auf 2,6 Milliarden Euro, ein Plus von 52,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das beste Neun-Monats-Ergebnis der Geschichte. Der freie Cash Flow erhöhte sich um 83,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, die Nettokreditverschuldung derweil ging um 80,7 Prozent auf 521 Millionen Euro zurück. Zudem stiegen die Passagierzahlen mit einem Plus von 17,5 Prozent auf 98 Millionen kräftig an. Insgesamt konnten die Airlines der Lufthansa Group ihre Auslastung um 2,1 Prozentpunkte steigern. Die um Währungseffekte und Treibstoffkosten bereinigten Stückkosten gingen im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozent zurück. „Trotz gestiegener Investitionen konnten wir den Free Cashflow nahezu verdoppeln und die Schulden um mehr als 80 Prozent verringern. Besonders erfreulich ist, dass alle Airlines der Gruppe ihre Margen steigern konnten“, sagte Ulrik Svensson, Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa, bei der Präsentation der letzten Zahlen.

Auch an der Börse ging's steil bergauf

Und damit nicht genug, denn die Deutsche Lufthansa schaffte es auch diese Ergebnisse in einen Aktien-Steigflug an der Börse umzumünzen. Über 152 Prozent ging es für das Kranich-Papier nach oben. Damit ist man klarer Sieger im Dax 2017, der insgesamt um rund 14 Prozent zulegen konnte. Weit abgeschlagen auf Rang Zwei liegt die Aktie der Commerzbank mit einem Plus von 76 Prozent. Ausgangspunkt der Lufthansa-Rally war das Tief bei 9,30 Euro im Oktober 2016. Seit dem geht es steil bergauf. Im Oktober des laufenden Jahres durchbrach der Kurs der deutschen Vorzeige-Airline dann sogar ihr 1998 aufgestelltes Allzeithoch in Höhe von 26,68 Euro. Im Anschluss kletterte die Aktie weiter von Rekordhoch zu Rekordhoch. Inzwischen steht der Kurs bei 30,96 Euro und zumindest charttechnisch sieht es nicht danach aus, als wäre in nächster Zeit ein grober Rücksetzer wahrscheinlich, zu stetig scheint der Trend.

Auch realwirtschaftlich betrachtet sind kaum Dämpfer zu erwarten. CEO Carsten Spohr rechnet für das Gesamtjahr 2017 wenig überraschend mit einer neuen Ergebnis-Bestmarke und will nicht zuletzt weiter investieren und womöglich den Konzern erweitern. „Die Modernisierung der Lufthansa Group kommt gut voran“, so Spohr. „Wir haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres erneut ein Rekordergebnis erzielt. Dadurch erlangen wir die Investitions- und Wachstumsfähigkeit, die wir benötigen, um uns aktiv an der Konsolidierung des europäischen Airline-Marktes zu beteiligen und in die Zukunft unseres Unternehmens investieren zu können.“

Angesichts der konsolidierenden europäischen Luftfahrtbranche dürfte sich die Aktie in den kommenden 18 Monaten deutlich überdurchschnittlich entwickeln, schrieb so auch Daniel Roeska, Analyst bei Bernstein Research. Sein Kursziel setzt er bei 33 Euro. Geht es nach Goldman-Sachs-Analyst Daniil Fedorov sollten Anleger den Blick mehr auf die Billigfliegerkonkurrenz richten. Deren Marktanteil dürfte in Deutschland weiter zunehmen, so Fedorov. Er rät mit einem Kursziel von gerade einmal 20 Euro dazu, das Lufthansa-Papier zu verkaufen. Überhaupt sind sich die Analysten uneins darüber, wie Investoren mit der Kranich-Aktie nach ihrem Rekord-Flug umgehen sollen. Während 21 den Kauf empfehlen, glauben auch 17 an einen Kursverfall.

Derweil stehen viele Indikatoren günstig. So können sich Aktionäre nach dem Rekordjahr durchaus Hoffnungen auf eine Erhöhung der Dividende machen. Die Dividendenrendite ist mit 2,33 Prozent schon jetzt ganz ordentlich. Hinzu kommt das immer noch niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis. Mit einem Wert von 6,9 weist die Lufthansa-Aktie gar das niedrigste aller Dax-Werte auf. Zudem ist – wie bereits erwähnt – der langfristige chattechnische Trend intakt. Geht die Rally am Gesamtmarkt und auch der weltweite wirtschaftliche Aufschwung 2018 weiter, scheinen Konzern und Aktie gut positioniert. Fraglich aber bleibt, wie viel von dem guten Ausblick für das kommende Jahr schon im Kurs des Papiers enthalten ist. Zudem gibt es langfristig eine Reihe externer Effekte, wie beispielsweise Ölpreissteigerungen, den Brexit oder andere politische Umwälzungen und Krisen, die gerade bei Fluglinien schnell und plötzlich zu Umsatz- und Gewinneinbußen führen können. Ob die Lufthansa-Aktie also auch 2018 wieder hoch hinaus fliegt und am Ende alle überragt, bleibt abzuwarten. Noch aber hat sie nicht zur Landung angesetzt. OG

26.12.2017 | 01:44

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