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Noratis: mit intaktem Wachstumskurs aufs Parkett

Noratis entwickelt bezahlbaren Wohnraum, und damit sieht's ganz gut aus! (Bild: Noratis)


Mit der Noratis AG aus Eschborn steht der nächste Börsenkandidat in den Startlöchern. Im Interview mit BÖRSE am Sonntag sprechen der Vorstandsvorsitzende und der Finanzvorstand des Bestandsentwicklers von Wohnimmobilien, Igor Christian Bugarski und André Speth, über die Wachstumspläne im deutschen Markt. Sie erklären, wofür die Mittel aus dem IPO verwendet werden sollen.

BÖRSE am Sonntag: Herr Bugarski, können Sie uns die Besonderheiten Ihres Geschäftsmodells erläutern?

Igor Christian Bugarski: Als Bestandsentwickler erhalten und schaffen wir Wohnraum mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis für Mieter mit mittleren und kleineren Einkommen. Wir fokussieren uns auf den Erwerb, die Entwicklung und den Vertrieb von Bestandswohnimmobilien mit einfachem und mittlerem Standard in ganz Deutschland.

BaS: Das klingt ein wenig nach 1b-Lagen…

Bugarski (lacht): Nein, das ist nicht das Kriterium. Wichtig ist, dass die von uns gewählten Immobilien über bautechnische und/oder kaufmännische Entwicklungspotentiale verfügen. Das können Punkte wie ein über die Jahre angelaufener Instandhaltungsstau, eine hohe Leerstandsquote und Optimierungsmöglichkeiten bei der Bewirtschaftung sein. Diese Potentiale heben wir mithilfe einer intensiven Aufwertung.

BaS: Herr Speth, bei relativ moderaten Standards haben Sie dann bestimmt viele zufriedene Geschäftspartner?

André Speth: Uns ist wichtig, dass unsere Maßnahmen im Einklang mit den Interessen aller Projektbeteiligten erfolgen – angefangen vom Mieter, bis hin zum Käufer. Denn: Wir verdienen nur dann nachhaltig Geld, wenn alle Beteiligten zufrieden sind und auch zukünftig mit uns kooperieren wollen. Daher arbeiten wir an den jeweiligen Objektstandorten gerne eng mit Städten und Gemeinden zusammen. Die monatlichen Mietzinsen in unserem Portfolio liegen im Durchschnitt deutlich unter zehn Euro je Quadratmeter. Das ist bei Neubauten meistens unrealistisch.

BaS: Wie entstand die Idee für das Geschäftsmodell als Bestandsentwickler?

Bugarski: Wir haben früh erkannt, dass die allermeisten Marktteilnehmer üblicherweise „fertige“ Immobilien, die sofort voll vermietbar beziehungsweise bereits voll vermietet sind, nachfragen, da sie von Tag eins an attraktive und stabile Cashflows bedeuten. Dass es für dieses Geschäftsmodell einen riesigen Markt gibt, ist auch klar, denn der Wohnungsbestand altert tagtäglich.

BaS: Wie wollen Sie dieses Marktpotential nutzen? Ist das Geschäftsmodell der Noratis überhaupt skalierbar?

Bugarski: Wir haben eine eindeutig definierte Strategie. Das beginnt bei klaren Kriterien im Ankauf und hört bei einem effizienten Vertrieb auf. In den letzten Jahren hat Noratis die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum geschaffen, indem wir Prozesse und Strukturen im Einkauf, der Technik, im Asset Management und im Vertrieb deutlich optimiert haben.

Speth: Trotz der intensiven Arbeit mit den Immobilien ist Manpower kein limitierender Faktor. Eher schon das Eigenkapital.

BaS: Und deshalb streben Sie nun zum 30. Juni an die Börse?

Speth: Genau – die Erlöse aus der IPO-Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 45,5 Millionen Euro sollen uns helfen, unser Wachstum zu beschleunigen, indem wir damit den Eigenkapitalanteil beim Erwerb weiterer Immobilien stellen können. Seit dem Jahr 2014 konnten wir unseren Umsatz mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 63 Prozent auf 44,6 Millionen Euro im Jahr 2016 steigern. Im selben Zeitraum ist unser Periodenergebnis sogar doppelt so schnell gewachsen. Wir konnten in den ersten drei Monaten 2017 diesen Wachstumskurs nahtlos fortsetzen: Wir liegen bei den Umsatzerlösen bereits heute auf einem Niveau, das zwei Dritteln der Umsatzerlöse des Gesamtjahres 2016 entspricht.

BaS: Klingt nach einem intakten Wachstumstrend…

Speth (lacht): Bereits heute blicken wir für 2017 auf ein Ergebnis nach Steuern von 5,1 Millionen Euro – nach 4,2 Millionen Euro im gesamten Jahr 2016.

BaS: Vielen Dank, meine Herren, für das Gespräch.

19.06.2017 | 23:01

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