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Vapiano: Pizza, Pasta, Parkett

Immer öfter zu sehen, von Freiburg bis Flensburg.... (Bild: Sigler)

Zugucken, Lust aufs Essen kriegen: Vapiano hat ein gutes Rezept für Kurssteigerungen gefunden... (Bild: Vapiano)


Die Restaurantkette Vapiano ist seit ihrem Börsengang Ende Juni kräftig gewachsen. Allerdings hat der massive Expansionskurs auch einen hohen Preis: Der operative Verlust hat sich im ersten Halbjahr 2017 nahezu versiebenfacht. Die Aktie befindet sich indes knapp unter ihrem Ausgabekurs von 23 Euro. Das Papier birgt Potential, jedoch ist Geduld gefragt.

An Vapiano führt kein Weg vorbei. Zumindest nicht, wenn man unterwegs ist in Deutschlands Städten. Von der Nordsee bis ins Breisgau, von der Ostsee bis an die französische Grenze und sogar bis weit darüber hinaus, ja, von Berlin bis München – überall ist der markante rote Vapiano-Schriftzug schon von weither zu sehen. Inzwischen zählt das Imperium der Bonner Italo-Kette bei klar steigender Tendenz 76 Filialen, hat sich innerhalb von nur 15 Jahren in der Top 10 der deutschen Systemgastronomen etabliert und lässt in puncto Umsatz hierzulande selbst internationale Giganten wie Starbucks hinter sich. Die deutsche Restaurantlandschaft hat Vapiano mit seinen schicken Designermöbeln, mit Köchen, die das Essen frei nach Wunsch vor den Augen der Kunden zubereiten, und nicht zuletzt mit dem innovativen Bezahlsystem mit Chipkarte auf den Kopf gestellt. Allerdings fehlt trotz der nunmehr insgesamt 186 betriebenen Filialen in 30 verschiedenen Ländern – nicht nur in Europa, auch in den USA, Saudi-Arabien und sogar in Australien ist Vapiano aktiv – noch der ganz große internationale Durchbruch.

Um diesen so schnell wie möglich zu erreichen, brachte Firmenchef Jochen Halfmann das aufstrebende Unternehmen Ende Juni aufs Parkett. Mit einem Kurs von 23,95 Euro je Anteilsschein startete Vapiano an der Börse, der Ausgabepreis hatte 23 Euro betragen. In der Folgezeit rutschte die Aktie jedoch unter diese Marke. Zuletzt kostete das Papier am Freitag zum Börsenschluss 22 Euro. Halfmann gibt sich dennoch kämpferisch: „Der Kurs der letzten Wochen ist für uns nicht das Maß der Dinge“. Was für ihn zähle, sei die Entwicklung in den nächsten Jahren. Angesichts dieser zeigt sich die Privatbank Berenberg zuversichtlich, glaubt an eine Kurswende und rät bei einem Ziel von 27 Euro zum Kauf der Aktie. Laut Analyst Stuart Gordon bietet die Aktie seinen Anlegern europaweit eine einzigartige Gelegenheit, in das rasch wachsende Segment der Schnellrestaurants einzusteigen. Gordon hält das Vapiano-Papier angesichts der starken Wachstumsaussichten für günstig bewertet.

40 Prozent Umsatzplus in Jahrefrist – Chapeau!

350 Restaurants – durch den Börsengang finanziert – sollen bis 2020 in Betrieb sein und die Umsatzzahlen klar beflügeln. Bereits im ersten Halbjahr 2017 kletterte der Konzernumsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um über 40 Prozent von 109 Millionen Euro auf 153,6 Millionen Euro, was allen voran auf die neu zugekauften Restaurants zurückzuführen ist. Auf vergleichbare Fläche wuchs der Umsatz ebenfalls immerhin um knapp sechs Prozent. Allerdings gab es einen deutlichen Verlust von 13,7 Millionen Euro zu beklagen. Im Vorjahr waren es noch Minus 4,1 Millionen Euro. Grund für den hohen Fehlbetrag waren neben ungünstigen Wechselkurseffekten die hohen Kosten für den Börsengang, die gestiegenen Personalkosten und die mehr als verdoppelten Finanzierungskosten im Zusammenhang mit der Wachstumsstrategie. „Vapiano liefert, was wir unseren Gästen, Investoren und Partnern versprochen haben: starkes Wachstum und kontinuierliche Innovationen“, erklärt Halfmann. „Unsere positive Entwicklung im ersten Halbjahr 2017 untermauert unsere Ambition, unsere Wachstumsstrategie konsequent weiter umzusetzen und dabei die Profitabilität unseres Unternehmens nachhaltig zu steigern. Durch unseren Börsengang am 27. Juni 2017 haben wir an Finanzstärke gewonnen. Wir werden diese nutzen, um unser Wachstum voranzutreiben und in die weitere Digitalisierung unseres Geschäfts und Innovationen unserer Guest-Journeys zu investieren."

Für das zweite Halbjahr plant Vapiano beim Umsatz mit einem Plus von 24 bis 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Somit soll das Ergebnis zwischen 315 Millionen Euro und 335 Millionen Euro liegen. Noch im laufenden Jahr sollen 25 bis 30 neue Standorte in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien, Schweden und Frankreich eröffnet werden. Dabei verspricht sich Vapiano viel von seinem innovativen Ausbau des Take-away- und Delivery-Geschäfts. Aktuell verfügen 27 Prozent aller Vapiano-Restaurants über spezielle Take-Away-Counter. Mittelfristig soll diese Ziffer auf 75 Prozent gesteigert werden. Auch die Entwicklung und Nutzung der Vapiano Order-Website und der Vapiano People App, mit der Gäste Take-Away oder Home Delivery ordern, im Restaurant Dolci und Getränke von der Bar bestellen, Loyalty-Punkte sammeln und mit ihrem mobilen Endgerät bezahlen können, dürfte für mehr Kundenzufriedenheit und Profitabilität sorgen.

Am Grundprinzip soll aber trotz aller Innovationen nicht gerüttelt werden: Fast Food schick und gesund mit italienischen Gerichten. Vapiano ist zuversichtlich, dass sich künftig nicht nur die Kunden, sondern auch die Aktionäre die Finger lecken werden. WW

Wim Weimer

09.09.2017 | 19:40

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