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Microsoft in Angriffslaune – Allzeithoch!

Augmented Reality und Cloudlösungen: Microsoft ist technologisch sehr weit vorn (Bild: Microsoft)


Mit zwei neuen Surface-Books startet Microsoft einen neuen Angriff auf Apple, und diesmal meint man’s ernst. Während die Versuche, dem Erz-Konkurrenten Marktanteile auf dem Smartphone-Sektor abzugreifen, deutlich scheiterten, sollen es nun diese multifunktionalen Notebooks richten. Das Cloud-Geschäft brummt sowieso, zudem steigen nun die Investitionen in autonomes Fahren und Virtual Reality. Die Anleger glauben an eine erfolgreiche Konzern-Zukunft: Allzeithoch für die Microsoft-Aktie!

Microsoft an der Börse: Das ist trotz einiger Probleme in der Realwirtschaft seit Jahren eine echte Erfolgsstory! Der Kursverlauf des Bill-Gates-Papiers stellt beinahe ein Musterbeispiel für einen über Jahre anhaltenden und immer noch intakten langfristigen Aufwärtstrend dar. Innerhalb der letzten fünf Jahre verteuerte sich der Anteilsschein um knapp 200 Prozent. Auf Dreijahresfrist steht ein Gewinn in Höhe von 93 Prozent zu Buche. 2017 kletterte der Kurs um zehn Prozent. Lange Zeit machte der Aktie die Hürde bei etwas über 64 Euro aus dem Juni zu schaffen, im Oktober aber schaffte sie es, diese zu durchbrechen.

Das Ergebnis: Ein Rekordhoch in Höhe von rund 67 Euro zum Wochenschluss. Es mag vor allem im US-Tech-Sektor viele Werte geben, die in der Vergangenheit und auch 2017 mit deutlich mehr Tempo neue Kursrekorde erzielten und viel öfter im Rampenlicht standen. Die Microsoft-Aktie präsentiert sich hier seit Jahren defensiver, exorbitante Kurssprünge blieben die Ausnahme. Dafür geht es kontinuierlich nach oben, das Papier präsentiert sich weit weniger schwankungsanfällig als die Aktien von Amazon, Netflix, Tesla oder auch Apple. In diesem Jahr erhöhten die Amerikaner zudem die Dividende das 14. Jahr in Folge, was einer Jahresausschüttung von 1,68 US-Dollar pro Aktie und einer Dividendenrendite von 2,23 Prozent entspricht. Und mit einer Marktkapitalisierung von über 500 Milliarden Dollar gehört Microsoft zu den wertvollsten Konzernen der Welt.

Cloudgeschäft als Garantiefaktor

Microsoft ist im boomenden Cloud-Geschäft gut positioniert. Der Gewinn stieg im zweiten Quartal 2017 um 108 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar. Der bereinigte Umsatz stieg im selben Zeitraum um neun Prozent auf 24,7 Milliarden Dollar, allein in diesem Quartal legte das Cloud-Geschäft bei den Erlöse um elf Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu. Das war weit über den Erwartungen aller Analysten. Die Experten zeigen sich optimistisch, dass Microsoft auch künftig mit seinem Cloud-Geschäft punkten werde.

In der kommenden Woche wird Microsoft dann neue Quartalszahlen präsentieren. Und sollte sich auch das dritte Quartal als ähnlich erfolgreich im Cloud-Geschäft erweisen, stehen die Chancen für weitere Kursrekorde nicht schlecht. Der Großangriff auf Apple, zu dem der Konzern geblasen hat, wird hier noch keine großen Auswirkungen haben. Das Chartbild indes könnte eine mögliche Anleger-Freude über gute Zahlen stützen. Zuletzt konnte der Windows-Konzern seinen Gesamt-Quartalsumsatz um 13 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro steigern, den Gewinn im gleichen Zeitraum mit 6,5 Milliarden Euro sogar fast verdoppeln. Als zentraler Wachstumstreiber hatte sich einmal mehr das Cloud-Geschäft entpuppt. Hier stieg der Umsatz um elf Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis verbesserte es sich um 15 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Die Umsätze im Computer-, Laptop- und Tablet-Sektor sanken dagegen leicht. Analysten blicken mehrheitlich positiv in die Zukunft. Die meisten von ihnen haben ihr Kursziel irgendwo zwischen 80 und 90 Dollar gesetzt. Und es dürfte zu erwarten sein, dass jene Ziele nach guten Quartalszahlen und einem steigendem Kurs teilweise nach oben korrigiert werden.

Der Tech-Markt als Herausforderung

Gute Zahlen und eine mindestens gute Börsenperformance dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Microsoft noch immer Probleme damit hat, sich für den Tech-Markt der Zukunft konkurrenzfähig zu rüsten. Der Smartphone-Angriff auf Apple und Co scheint inzwischen endgültig gescheitert. Microsofts Marktanteile im Bereich der Mobil-Geräte liegt unter einem Prozent, was einer Schmach gleichkommt. Das Betriebssystem Windows 10 soll für die Alleskönner-Handys nun nicht mehr weiterentwickelt werden. Im Virtual Reality-Bereich wagt man zwar mutige Vorstöße, unter anderem mit den auf der IFA in Berlin vorgestellten Headsets, die in Zukunft der VW-Golf unter den Angeboten aus diesem Segment werden sollen, hat aber mit Konzernen wie Google oder Apple beinahe übermächtige Gegner. Zumindest dann, sollten die beiden Tech-Schwergewichte in der Sparte mal so richtig ernst machen. Ebenso mischt man auch im Bereich der Mobilitäts-Zukunft mit, forscht gemeinsam mit Partnern an Möglichkeiten die Autofahrt durch künstliche Intelligenz sicherer zu machen. All das wirkt aber nicht so, als könnte man damit in naher Zukunft zum globalen Marktführer werden und hohe Gewinne erzielen.

Die kurz- und mittelfristige Microsoft-Hoffnung lautet also „Surface-Book 2“. Tablet, Notebook und Touchscreen-Monitor in einem. Damit will man vor allem Apple angreifen. Und angesichts der technischen Möglichkeiten des Geräts scheint dieser Plan nicht verwegen. Das „Surface Book 2“ wird deutlich leistungsstärker, ist mit größerem Display erhältlich und hübsch designt. Ein ernstzunehmender Konkurrent für Apples MacBook. Vor allem deshalb, da es inzwischen fast als hipper gelten darf, als das Stück aus Cupertino und eben sowohl Notebook als auch Tablet ist. Doch das alleine reicht nicht, am Ende muss es auch reibungslos funktionieren und einen technischen Mehrwert bieten. „Die Surface Books 2 sind in der Grafikleistung fünfmal so stark wie die erste Generation und doppelt so stark wie Apple MacBooks“, sagte Panos Pay, Chef der Microsoft-Hardwaresparte. Das wäre immerhin ein Anfang.

Die Microsoft-Aktien-Rallye steht dagegen schon lange nicht mehr am Anfang, allerdings scheint angesichts des langfristigen Aufwärtstrends auch ein Ende nicht unmittelbar in Sicht. Nicht zuletzt durch das Cloud-Geschäft stimmen bei Microsoft die Zahlen, Gewinne und Umsätze steigen. Zudem ist das KGV der Aktie im Geschäftsjahr 2016/2017 mit 28,28 im Vergleich mit den restlichen US-Tech-Werten eher gering. Und auch Dividendenzahlungen in der bereits angesprochenen Höhe sind in dem Sektor nicht unbedingt an der Tagesordnung. Gut möglich also, dass Microsoft neben Apple demnächst auch neue Rekordhochs an der Börse angreift. OG

20.10.2017 | 20:45

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