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Grenzübergreifende Emission von Anleihen bis 2025 „die Norm“

(Bild: Fotolia / vege)


Die Aite Group, ein globales Research- und Beratungsunternehmen, veröffentlicht Bericht zu TARGET2-Securities / 80 Prozent der Befragten erwarten bis 2025 Anstieg der Nachfrage bei Multi-Currency-Zentralverwahrer-Diensten / T2S wird Anleiheemission in Europa revolutionieren und Nachfrage nach europäischen Anleihen ankurbeln

Grenzübergreifende Anleiheemissionen dürften bis 2025 zur Norm werden, und das europäische Abwicklungssystem TARGET2-Securities (T2S) wird die Nachfrage nach europäischen Anleihen ankurbeln. Das haben die Autoren eines Berichts der Aite Group, der den Titel „The Future of Global Debt Issuance: 2025 Outlook“ trägt, herausgearbeitet. Gleichzeitig erwarten die Autoren eines Berichts eine deutliche Veränderung des europäischen Emissionsumfelds und eine höhere strategische Bedeutung von Asien und den USA für internationale Anleger. Der Bericht wurde von dem Research- und Beratungsunternehmen Aite Group erstellt und von Clearstream in Auftrag gegeben.

T2S werde gemeinsam mit der Verordnung über Wertpapierzentralverwahrer (CSDR) zur Harmonisierung des Emissionsprozesses in Europa durch Förderung grenzüberschreitender Emissionen und Sicherung der Chancengleichheit für in Europa tätige Zentralverwahrer beitragen, so die Autoren. 80 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass in den nächsten acht Jahren vor dem Hintergrund wachsender internationaler Zahlungsströme die Nachfrage nach Multi-Currency-CSD-Dienstleistungen sowie anderen Multi-Currency-Services durch Anleger steigen werde. Virginie O’Shea, Research Director of Institutional Securities & Investments der Aite Group, erklärt: „Insgesamt sind die Aussichten für die Emissionsbranche ab 2025 besonders positiv und versprechen viel Dynamik.

Die Branche darf mit Wachstum am internationalen (Eurobond-) Markt, an den US-amerikanischen, asiatischen und europäischen Märkten sowie bei globalen grenzüberschreitenden Wertpapieremissionen rechnen. Zudem ist ein Nachfrageanstieg bei neuen Instrumenten, wie ‚grünen‘ Anleihen und bestimmten asiatischen Anleihen, zu erwarten. Trendbestimmend dürften dabei nicht nur die Interessen globaler Anleger sein, sondern auch die Entwicklung von (regulatorischen) Projekten im Bereich Marktinfrastruktur. Hier denke ich beispielsweise an T2S in Europa.“

„Die Marktforschungsergebnisse zeigen für 2025 einen positiven Ausblick für die Primärmärkte in Europa und weltweit“, so Marc Robert-Nicoud, CEO der Clearstream Holding. „Zwar braucht der Markt noch Zeit, um sich dem veränderten Umfeld anzupassen, es zeichnet sich jedoch ab, dass die Branche allmählich die Vorteile erkennt, die T2S über Abwicklung hinaus zu bieten hat, beispielsweise für die Wertpapieremission in Europa. Damit kommen wir unserem Ziel einer Kapitalmarktunion ein gutes Stück näher.“ Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts:

- Das Emissionsgeschäft dürfte ab 2025 sogar noch an Dynamik gewinnen. Branchenakteure können in Zukunft in einer deutlich internationaler ausgerichteten Branche agieren, in der grenzübergreifende Emissionen Standard sein werden.

- Junge und innovative Instrumente, wie neue asiatische und „grüne“ Anleihen, dürften ebenfalls auf zunehmendes Interesse bei Anlegern stoßen.

- Asien und die USA werden weiter an strategischer Bedeutung für Anleger und Emittenten gewinnen.

- T2S wird die Konnektivität zwischen Anlegern und einem breiteren Spektrum an Endanlegern fördern und zu einer höheren Nachfrage nach europäischen Anleihen führen.

- 80 Prozent der Befragten befürworten angesichts des erwarteten Anstiegs globaler Zahlungsströme das Konzept eines Multi-Currency-Zentralverwahrers.

- 70 Prozent sind der Auffassung, dass bereits die heute verfügbare Infrastruktur ein wichtiger Faktor für einen funktionierenden Markt ist. Den meisten großen Emittenten ist auch die Erfolgsbilanz von Zentralverwahrern und internationalen Zentralverwahrern wichtig.

- Finanzaufsicht und Steuergesetzgebung haben ebenfalls einen starken Einfluss auf die aktuelle Marktauswahl: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass Regulierung „sehr wichtig“ sei, und die Hälfte nannte die Steuergesetzgebung als wichtigen Faktor.

- Der Technologie wird als Motor für Veränderung weniger Bedeutung beigemessen.

Die meisten Befragten äußerten ein stärkeres Bedürfnis nach mehr Flexibilität als nach Automatisierung. Die Erstellung von Dokumenten und sogenannte „Smart Contracts“ werden als Bereiche genannt, in denen Technologie zu Wachstum und Einsparungen beitragen könnte.

Methodik

Das White Paper basiert auf Marktforschungsergebnissen der Aite Group aus Befragungen von verschiedenen am Primärmarkt tätigen Firmen und wird zusätzlich durch Daten von Dealogic gestützt. Sowohl Emittenten als auch am Emissionsprozess beteiligte Akteure an den globalen Finanzmärkten nahmen an der Studie teil, in die Gespräche mit 20 Unternehmen einflossen. Der Großteil der Befragten befasst sich schwerpunktmäßig mit der Unterstützung von Transaktionen und der Initiierung des Emissionsprozesses. Drei Viertel der Befragten arbeitet für Finanzinstitute, der Rest ist für Kanzleien und Branchenverbände tätig.

21.10.2017 | 17:43

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